
🦄 Ponypapers
Gestern sind wir müde in Chantaburi, der Edelsteinstadt Thailands angekommen. Heut suchen wir uns ein hübsches Hostel in der Innenstadt und gucken ein klein wenig Edelsteine. Die meisten Hostels sind nicht ganz günstig, vor allem nicht, wenn man gerne einen Pool dazu hätte – und einer von uns beiden kann einen Pool wirklich schätzen.
Aber schließlich bin ich doch auf Google Maps fündig geworden. Ein Hostel mit Pool in der Innenstadt für gerade einmal 16 Euro pro Nacht. Praktisch unschlagbar, wenn auch ohne Frühstück, da hatten wir’s in Siem Reap noch etwas besser. Das Hostel ist sogar gut bewertet, auch wenn es mit der geringen Anzahl von nur drei Bewertungen sicherlich leichter ist, seine 4 bis 5 Sterne zu halten. Gemütlich fahren wir los, trödeln die 7 km bis zur Ankunft und stehen dann in einem Wohnviertel.
Nichts da Hostel, Swimmingpool – der Mann uns gegenüber schließt eilig sein Gartentor. Das sieht nicht so aus als würde der uns beherbergen wollen. Es folgt eine sinnlose Aneinanderreihung von Strapazen und wir beginnen uns das bereits gezahlte Geld für zwei Übernachtungen abzuschminken. Dass wir wieder etwas geschenkt bekommen – 4 Matschbananenreis-Pralinen und zwei Wasser – hebt meine Stimmung gewaltig. Dennoch, mit Adrian trau ich mich kaum mehr zu unterhalten, grimmig fahren wir inzwischen zu irgendeinem Hostel mit ähnlichem Namen (8 km stadtauswärts).
Nach einer kurzen Strecke Schnellstraße (die unangenehme Sorte) landen wir im Hunde-Gebell-Dämmerungsviertel & steuern langsam aber sicher auf eine Sackgasse zu.
Da erhellt sich vor uns ein bröckelndes Schild “Castle Pool Villa” und dahinter erhebt sich auch das Castle mit seinen bunt-verblassten Farben. Schon steuern wir durch einen verwilderten Garten, exotisch reich und vernachlässigt, der Riesenbrunnen mit den geschmückten Elephanten steht grotesk unversehrt in der heruntergekommenen Resortlandschaft. Aber doch die Bilder, die Bilder ähneln denen unserer Buchung, nur sind sie zwischenzeitlich 50-80 Jahre gealtert. Und dann ja, ist es tatsächlich unser Hostel, und ja, das Geld ist bezahlt (wir lassen es uns mehrmals versichern) und wir kriechen ins Zimmer und alles ist egal und ich kann mir doch Diamanten für 32 Euro kaufen – ich finde, das habe ich verdient.
🐾 Panthapapers
Das Hotel, bei dem wir die nächste Nacht gebucht (und bereits bezahlt) haben, leidet seit einiger Zeit unter schwindenden Besucherzahlen. Das mag an dem entlegenen Standort liegen, an der spürbaren Laissez-Faire-Attitüde seiner Eigentümer oder an den kläffenden Hundegangs, die den Weg zum Gasthof unter ihre Kontrolle gebracht haben.
Woran auch immer es hapert, jedenfalls haben sich die Hoteliers überlegt, dass all ihre Probleme gelöst wären, wenn ihre Unterkunft an einem anderen Ort stünde. In der Stadtmitte von Chantaburi etwa, nahe der Attraktionen und inmitten rein zweibeiniger Zivilisation. Leider sind Umzüge in dieser Größenordnung – Springbrunnen, Swimmingpool, fünfstöckiger Turm und all das – schwer zu bewältigen. Und so tat man eben nur, was man tun konnte: Man änderte die Adresse.
Als wir voller Vorfreude in unser Hotel einchecken wollen, ist da folglich keines. Straßauf, straßab hat hier nie jemand ein Hotel gesehen. In der aufblühenden Mittagshitze fahren wir verstört durch die Gegend. Es dauert lange, bis ich herausfinde, dass sich unser Sehnsuchtsort weit außerhalb der Stadt befindet (nebenbei bemerkt eine echte Detektivarbeit). Man hat uns betrogen. Unten lodert meine Wut in gleicher Brennkraft der Sonne entgegen.
Vielleicht ist das einer der Gründe, aus denen Thais gerne Geschenke vergeben. Um die labil-stagnanten Gehirne zu besänftigen, die, ganz auf Funktionalität angelegt, auf asiatische Irregularitäten leicht mit Frust reagieren. Man will die fremden Geister, leicht zu erzürnen, wie sie sind, schon im Vorhinein besänftigen. Hier, oh Dämon, nehme dies und zieh’ vorüber.
Als Lili bereits ihrem Schlachtross die Sporen in die Seite stößt, dass es sich aufbäumt und in den grollenden Himmel schreit “Wir werden sie finden, koste es, was es wolle!”, als ich schon rachedurstig in wolllüstigen Fantasien das Eingeborenen-Hotel in Grund und Boden rezensiere, tritt aus einem Häuschen am Wegesrand eine Frau und überrascht uns ohne ein weiteres Wort, nur mit einem milden Lächeln, mit einer Tüte mit frischen Wasserflaschen und in Bambusblätter gewickelten Reis-Bananen. Was für eine Wohltat. Na gut, heute wird nichts zermalmt. Wir modernen Conquistadores sind leicht zu beruhigen.
Hat man die Straßensperren der Hundemeuten erfolgreich passiert, genießt man übrigens ein wunderbares Hotel. Und das beste daran ist: Wir haben es ganz für uns allein. Außer uns hat es keiner gefunden.

