Donnerstag 28.9. Hanoi

🩄 Ponypapers

Adrian weckt mich gegen neun Uhr. Ich ĂŒberzeuge ihn, dass wir uns noch 20 min ausruhen können. Es regnet draußen und gewittert. Wie schön es ist, die fetten Tropfen auf dem Balkon platzen zu hören.

15 Uhr: Wir torkeln aus dem Bett und Richtung Stadt, essen fĂŒr jeweils 1,20 Euro ein belegtes Sandwich mit gegrilltem Huhn und freuen uns, so wenig Geld ausgegeben zu haben.

Dann geht’s ab zum See, eine BrĂŒcke fĂŒhrt zu einem kleinen Tempel auf einer Insel. Wir bezahlen die Tickets fĂŒr zusammen 5 Euro und haben im nĂ€chsten Augenblick 20 Euro verloren. Wo und wie unklar. Wir besuchen den Tempel. Lili findet den Tempel blöd. Möglicherweise findet sie nun den Eintrittspreis von 25 Euro einfach etwas viel fĂŒr den Glimmer.

Nebenbei: Auf den AltĂ€ren stapelen sich neben Glimmer, Glitzer, Plastikblumen- Zeugs auch Plastikwasserflaschen und Doseneistee in HĂŒlle und FĂŒlle. Offensichtlich sind die Ahnen und lokalen Gottheiten irdischen GĂŒtern nicht abgeneigt. GlĂŒcklicherweise legen sie mehr Wert aufs Trinken denn aufs Essen. VerstĂ€ndlich bei den Temperaturen.

SpĂ€ter kaufen wir Dosenbier (4 Euro fĂŒr 5 Dosen) und Snacks, gehen kurz nach Hause um zu pausieren, danach wollen wir etwas futtern. Kurz setze ich mich aufs Bett und zeichne. Dann wollen wir los. Adrian hat wĂ€hrend des Wartens die Snacks zunĂ€chst probiert und danach die HĂ€lfte aller gegessen (Vorrat fĂŒr 3 Tage). Nun ist er satt und ihm ist ein bißchen schlecht. Wir gehen nicht mehr los. Lili isst die andere HĂ€lfte. Bis spĂ€t in die Nacht gibt es Geschichte und Bier.

Keine MĂŒcken in Sicht!

đŸŸ Panthapapers 

Zu viel schlafen. Was auch nicht schwer fÀllt an diesem Tag, denn ein Tropenregen geht hernieder. Die ganze Nacht und den halben Tag prasselt es mit voller Wucht vom Himmel auf Hanoi.

Gegen 3 Uhr Nachmittag Aufbruch in den Tag, der mit dem Sonnenuntergang um viertel vor 6 auch schnell wieder endet.

Nach jedem Essen sind wir bereit, in Richtung Hostel-Toilette zu jagen, aber bisher nehmen unsere verweichlichten mitteleuropĂ€ischen Schonkost-MĂ€gen die fremde bakteriale Fauna mit achtenswerter WĂŒrde auf sich. Nichtsdestotrotz bin ich beruhigt, dass der Abfluss wieder funktioniert.

Wir glauben mehrfach, um Geld betrogen worden zu sein. Die KausalitÀten lassen sich nicht eindeutig rekonstruieren, aber irgendwohin sind eine halbe Million Vietnamesischer Dong entflohen. Da das bei einem Tempelbesuch geschah, nehme ich an, die lokalen Geister haben sich ihren Obolus stibitzt.

In der P. Ta Hien Straße erstmals hier das GefĂŒhl, wahrhaft als Tourist akzeptiert zu werden, in meinem Wesen als wandelnder Geldbeutel erkannt zu sein. HĂ€nde, Rufe, Blicke greifen nach uns, wollen uns in eines der hundert Restaurants reinzerren. Sind wir die Mahlzeit? Wie gerupfte HĂŒhner jedenfalls taumeln wir aufs Blut schockiert und tief traumatisiert aus der engen Gasse irgendwie wieder auf, froh, nichts als Federn zurĂŒckzulassen und mit dem Leben davon gekommen zu sein.

Der Abend auf dem Balkon nach einer Großpackung Seetang-Kekse, wir reden und erzĂ€hlen Geschichten bis halb vier und zwingen uns dann, zu Bett zu gehen. Das mit dem Jetlag fĂ€llt echt schwer, denken wir, wĂ€hrend wir hellwach auf einen großen feuchten Fleck auf der Decke starren, von dem dicke Tropfen auf unser Bett fallen. Tropenregen.

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