Freitag 29.9. Hanoi

🦄 Ponypapers

Tatsächlich gelingt das Aufstehen um 9 Uhr, wenn auch vollkommen erschlagen. Gut, gut, wir sind dabei uns zu akklimatisieren. Da ist mit leichten Rückschlägen zu rechnen.

Es gibt heute: Stadterkundung, Glitzer-Spielzeugstraße im Motorrollerabgas und Kaffee. Um halb sechs machen wir Pause im Hostel. Gegen neun schalfen wir ein, wachen beide um 2 Uhr nachts auf, wälzen uns hin und her bis um sechs und schlafen dann wieder ein.

🐾 Panthapapers 

Wir zwingen uns dazu, früh aufzustehen. Dementsprechend übermüdet gleiten wir in diesen Tag. Während sich der Feinstaub um uns herum zu Großstaub ballt und in Augen und Nasen sammelt, suchen wir gierig nach Essen. Die Seetang-Kekse von letzter Nacht haben neben einem ordentlichen Brand auch mächtigen Heißhunger hinterlassen. 

Plötzlich sind wir in einer Straße, die außer Kindern alles bieten, was das Kinderherz begehrt. Spielzeug, Süßkram, Spielzeug, Süßkram, Spielzeug…

Das Gschäftlemachen prägt hier Alltag und Straßenbild. Wenn gerade nicht verkauft oder angepriesen wird, ist man mit dem Smartphone beschäftigt. Ein kleines Ding, das es geschafft hat, in nicht mal zehn Jahren zum absoluten Lebensmittelpunkt der meisten Vietnamesen zu werden. Das Starren, Streicheln, Streichen, Tippen und Umfassen jenes kleinen, dünnen, glatten Weggefährten ist omnipräsent und die tiefste Intimitätsbezeugung, die man hier in der Öffentlichkeit zu sehen bekommen wird.

Abendessen bei der schlecht gelaunten Frau mit ihrer schlecht gelaunten Tochter, die sich beide in derselben Miene missbehaglicher Verachtung und kalter Herablassung üben.

Wir besorgen auf einem umständlichen Gang noch Snacks, die danach keiner mehr vorhat zu verzehren und schlafen im Hostel trotz einer unbarmherzig plärrenden Moderatorenstimme von einer nahe gelegenen Veranstaltung friedlich ein, nur um um zwei Uhr nachts (21 Uhr in Mitteleuropa) hellwach im Bett zu stehen. Kein Mittel bringt den erlösenden Schlummer, nur Unruhe, Bewegungsdrang und Gedankendrehen bis um 6 Uhr am Morgen, wo uns tiefer Schlaf überkommt, der wiederum erst gegen 10 Uhr Vormittag mit heldenhaftem Aufbegehren zurückgedrängt werden kann, damit wir endlich völlig übermüdet in den Tag starten können. Zum Glück gibt es starken vietnamesischen Kaffee.

Man sieht die Menschen in kleinen Öfen Papier verbrennen. Ein Teil der hiesigen Ahnenverehrung. Dazu gehören auch die vielen kleinen Hausaltäre, wo Räucherwerk und Eistee-Dosen einträchtig nebeneinander den Verstorbenen zum Wohlgefallen dienen. Es hat seine sympathische Seite für unsereins, der gewohnt ist, die Alten schnell zu verscharren und sie nur noch in Therapiesitzungen aufleben zu lassen. Doch während mir die Vorstellung eines kleinen Schreins in unseren heimischen vier Wänden durchaus noch nett vorkommt, schrecke ich doch davor zurück, meine Großmutter ernsthaft anzubeten.

Nach oben scrollen