
🦄 Ponypapers
Ponyjagd I in Hanoi
Adrian hat mehrere Fahrradläden auf Google gefunden. Wir laufen los und stoßen nach einiger Zeit auf die Fahrradladenstraße. Die Verkäufer – es sind vier Läden nebeneinander – betrachten gierig die vorbeiziehende Beute. Schwups sind wir an ihnen vorbei und entwischt. Wir beschließen erstmal nüchtern das Gesamtsortiment in Augenschein zu nehmen. Plötzlich regnet es aus Kübeln und wir fliehen ins nächstbeste Cafe, das sich sehr französisch gibt, inklusive entsprechender Preise. Nach zwei Cafés au lait sind wir wieder draußen und gefühlte 15 Euro ärmer (was nur daran liegt, dass mir jetzt meine Scheine wertvoller vorkommen, weil man so viel mit ihnen kaufen kann). Die eben erwachende Sonne trocknet jede Regenpfütze schlagartig, taucht alles in dunstiges Licht und knallt mein Gehirn gegen die nächstbeste Wand, wo die gallertartige Flüssigkeit als trockener Schneckenschleim erstarrt. Adrian zieht mich weiter. Wir erreichen einen kleinen Fahrradladen mit hipp-neon-geschwungenen Mountainbikes.
Wir gehen weiter zum letzten Laden unserer Liste, überqueren eine wildwüchsige Hüben- und Drüben-Kreuzung, allerlei Gässchen, trotten am Fahrspurrand (auf dem Bürgersteig kann man nicht laufen, weil dort die Motorroller abgestellt sind), slalomieren durch improvisierte Standbüdchen-Essens-Sitzecken, brechen dreimal fast zusammen, dann kollabiert Lili auf der Bank 15 m vor dem Fahrradladen, wo die hingelagerte Löwenbande langsam erwacht und sehnsuchtsvolle, neugierige Blicke auf die noch etwas entfernte Beute wirft. Dann sind wir drinnen umschwärmt, zum Glück nur von einer noch leicht dösigen Löwin. Rennpferde gibts eher weniger, umso mehr Ponys mit kurzen Beinen fürs Gebirge und bequemweichsattelige für die Stadt. Allerdings kaum Langstreckenläufer in Sicht. Die Preise für die robusten Rennponys, die uns interessieren, liegen zwischen 200-300 Euro. Mit dem vagen Versprechen, die hiesigen Löwen wieder zu besuchen, entziehen wir uns ihrem leichten Tatzengriff und sind wieder auf dem Weg. Adrian bugsiert Lili zurück zur Fahrradladenstraße. Dort schlängeln wir uns durch die Läden, mit zarten Krallen entwischen wir durchs nächste Törchen, ducken uns unter Fahrradgehängen vorm Nackengriff des Tigers und stehen panthererhaben, unberührt, beutelos schlußendlich wieder auf der Straße, reicher nur durch manchen Blick, den wir erhascht.
Lilis Augen werden am ehesten angezogen von Blizy-Batteriepony, das nur auf chinesische Befehle gehorcht. Preis 400-600 Euro, Alter unbekannt.
Mocca Pony sieht dagegen richtig fresh aus (ca. 250 Euro), läuft am liebsten auf flacher Strecke und ist bei starken Steigungen an der Hand zu führen.
Black-red-mountain-Pony (200-300 Euro) ist bisher nur gepäcklos sattelbar, aber lechzenden Maules versprechen die Tiger, sei es für uns jederzeit mit einem Gepäcksattel zu versehen. Auch höhere Qualitäten einer anderen Black-red-mountain-Rasse werden angepriesen, aber in meinem Gedächtnis funkelt allein der blitzgelbe Blick des ältlichen Blitzy-Ponys. Nur mit Hoffnungen frisch beladen kehren wir heim.
Abend: Kriegsdrachen und Friedenstaubenparade. Das ambitionierte Bestreben, nach unserem beutelosen Raubzug unter den heimischen Raubtieren den See zu umrunden, warf die Ponypanther in karnevaleske (naja aber alkoholfreie) Straßenparty.
🐾 Panthapapers
Lange Suche nach geeigneten Fahrrädern heute. Abklappern von Geschäften und Preise notieren.
Zwischendurch kurz das Shopping-Center, eine dieser kühlen Oasen mit all ihren glitzernden Reichtümern, edlen Gewändern, hochnäsigen Bewohnern und übervollen Fressetagen zuverlässig im obersten Stockwerk vorzufinden. Wo wenn nicht hier sollte sich das Glück seine Wohnstatt suchen?
Am Abend großer Auflauf um den nahe gelegenen See. Mit Feuer bespuckte Drachen, bis der Feuerlöscher sie zähmt.

