
🦄 Ponypapers
Keine Halsschmerzen. Dafür leichter Schnupfen. Vermutlich Allergie. 3 Bier am Abend.
Voller Ungeduld brechen wir auf unseren Ponys auf. Raus aus Hanoi ist unser gewagtes Ziel, also mithin gute 18-22 km entfernt.
Zum Stadtverkehr Innenstadt.
Die Motorräder stehen auf dem Bürgersteig, daher laufen die Fußgänger am Straßenrand rechts und links, immer gejagt vom wilden Hupen der fahrenden Bevölkerung. Daneben die schwer bepackten Fahrräder, auch häufig geschoben, allerlei Schalen präsentieren breit die jeweiligen Waren: im Zweifelsfall sicherlich Obst. Mopeds, die wegen des dichten Verkehrs nicht direkt links abbiegen können, fahren in entgegengesetzter Richtung am Fahrbahnrand – entweder bis zu ihrem jeweiligen Ziel oder bis zur nächsten Gelegenheit, die Fahrbahnseite zu wechseln. Überall sind Mopeds, die Hindernisse – Fußgänger, Fahrradfahrer & Autos – rechts wie links überholen. In der Mitte fahren die permanent hupenden Autos, die alle naselang wegen Hindernissen (Mopeds, Fußgänger, Fahrradfahrern) anhalten müssen (oder sollten).
Empfohlenes Verhalten auf Kreuzungen: Ampelfarbe egal, reduziere das Tempo je nach Belieben und dann einfach wild hupend drauf los. Wenn alles gut geht, kommst du auf der anderen Straßenseite an. Vermeide Stehenbleiben – das führt nur zur kompletten Blockade der Straße. Warte nicht bis es frei wird. Das irritiert & du wirst nie loskommen, sondern als fester Bestandteil der Landschaft betrachtet.
Auf den großen Straßen: Erschrecke nicht vom gigantischen Brüllen der Laswagenhupen. Es bedeutet nur: „Hier komme ich. Ich bin schwer & ich werde nicht anhalten. Aus dem Weg!“ Es heißt nicht, dass du im Weg bist. Allerding solltest du keinesfalls im Weg sein.
Auch hier gilt für Mopeds, Zweiräder und auch ab und zu kleine Autos: wer Probleme beim Linksabbiegen hat, fahre solang wie möglich am Fahrbahnrand des Gegenverkehrs. Die Kaskade der dir ausweichenden Huper kündigt dem Gegenverkehr dein Kommen an.
Ansonsten: Rot ist niemals ganz rot, Grün ist niemals ganz grün. Sei selbstständig!
Abends: Wir erkunden die Vorstadt – viele Karaoke-Bars, geschlossene Geschäfte. Wir betrachten die Umgebung. Die Umgebung betrachtet uns.
Wir suchen ein Café und entscheiden uns unwissentlich für eine Teebar. Es kommt so, sagen wir mal, mäßig an, in einer Teebar einen Kaffee zu bestellen. Darüber hinaus haben sie sowieso keinen Kaffee. Wir stellen fest, dass wir eher hungrig als durstig sind und studieren ausführlich die Essenskarte, um dann die würzigen Nudeln zu bestellen. Diese stellen sich als scharfe Nudelsuppe mit Allerlei heraus – Shrimps, Schweinefleisch, Pilze etc. Für mich schmeckt sie verdächtig nach Asia-Fertig-Nudelsuppe mit reingeworfenen Zeugs. Meine Gedanken verharren leider etwas zu lange beim Gedanken, wie frisch die Shrimps in einer Teebar wohl sein mögen. Also keine Shrimps für mich. Ich kapituliere nach einem Drittel. Adrian isst meine restliche Suppe und die Shrimps. Sie scheinen ihm ganz gut zu schmecken. Währenddessen spricht er davon, wie fein es sei, dass an jeder Ecke so eine deftige Suppe vor sich hinköchele, selbst in so einem Teeladen. Ja, ja. Ich schweige dezent.
🐾 Panthapapers
Mit der Aussicht auf potentiellen Regenguss stapfen unsere Ponys erstmals vollbepackt in den turbulenten Straßenverkehr von Hanoi und machen sich auf Richtung Nordosten nach Tù Son.
Zunächst geht es etwas ruckelig voran, hier hupender Sprinter bei Rot über die Kreuzung links abbiegen, daneben Roller in Fahrbahnbreite mit Eisenwaren bepackt stoisch geradeaus steuernd, dort bremst ein Fahrradfahrer notdürftig mit seinem Plastikschlappen, während ein LkW gleich ganz und prinzipiell auf Bremsen verzichtet. Wie bei einem Computerspiel kann jederzeit alles aus allen Richtungen hervor springen und einem entgegen kommen. Hupen ist hier mehr Lebenszeichen denn Appell und daher immer und von überall zu hören. Da jeder noch etwas lebendiger sein möchte als die anderen, schmettert einem unregelmäßig und doch konstant ein Orchester akustischer Höllen-Posaunen in die Ohren. Je größer das Gefährt, desto volltönender tendenziell das Horn, und kein gewaltiger X-Tonner wird zögern, direkt hinter dir plötzlich sein mächtiges Instrument erschallen zu lassen, um zu sagen, dass er DA! ist und PLATZ! braucht.
Nachdem wir angekommen sind, folgt ein Gang durch die nahe gelegenen Straßen. Offene Schreinerwerkstätten, Schweißer und Feischer bei der Arbeit. Vermutlich weniger effizient organisiert als in Europa, aber weil sichtbarer, wirken sie ungleich realer als die Produktionsprozesse, die unseren Teil der Welt am Laufen halten.
