
🦄 Ponypapers
Fahren zum Krankenhaus um eine Spritze zu bekommen gegen ein Virus, dass ich sicherlich nicht habe, aber vll bekomme ich ja zum Abschied ein kleines tropisches Geschenk mit auf den Weg, mit dem ich mich eine Weile beschäftigen kann.
Am Tag zuvor haben wir ein paar Fotos vom Kratzern an meiner Wade gemacht. Genau, es vergeht kein verdammter Tag, ohne dass ich mich an etwas stoße oder gegen etwas renne – irgendwie wurde bei meiner Herstellung bei der Hand-Augen-Koordination geschlunzt. Naja, egal, so kann ich dem Arzt meine Waden-Fotos zeigen, denn ich mag meinen Arsch weder dem Doktor noch der Schwesternschaft präsentieren.
Gesagt, getan. Zum Krankenhaus. Und da – wie wagte ichs nur ironisch überheblich von exotischen Geschenken zu denken. Nein, nein, abschlecken möchte man die Krankenhauswände. Nach Marmoreis würden sie schmecken und die zart cremigen Fußböden nach Marzipan-Zuckerguss. Kann mich nur gerade so zurückhalten. Von Kranken keine Spur, aber allerorten hilfsbereit lächelndes Personal, das einem den richtigen Weg weist.
Zack, bumm ist nicht nur die Spritze gesetzt, nein gewogen, gemessen, vermessen hat man mich. Einsortiert nach Größe, Gewicht, Temperatur, blubberndem Blutdruck und heftigem Herzschlag. Mein Gott, dass vor so viel liebevoller Zuwendung mein Herz nicht zwei Doppfelhüpfer macht, erleichert mich ungemein.
Beruhigend murmelt die Schwester: „alles gut, alles normal“ – sie muss meinen ängstlichen Blick bei der reichlich ungewohnten Vermessung bemerkt haben.
„Oh ja – diesmal erwischen sie mich.“
Aber nein, nicht dieses Mal. Diesmal darf ich meine Zeitbombe aus dem Krankenhaus schleppen, um einen Schutz, eine Sicherheit reicher. Darf wieder vergessen: Der Zeiger läuft! Die Bombe tickt! Mach nicht die Augen auf!
🐾 Panthapapers
Wir machen uns auf zum Vinmec International Hospital, das hellste, ruhigste, reinste, entspannteste, korrekteste Krankenhaus, das meine schmutzigen Radreisefüße je betreten haben Zwei Uniformierte weisen sogleich einen passenden Parkplatz für unsere Aluminium-Ponys, zwei weitere Herren an der Rezeption nehmen sich Zeit für unser Anliegen und sobald sie verstanden haben, was wir wollen, geleitet man uns zur Voruntersuchung, zur Ärztin (ausgiebige Befragung, doppelt geprüft mit Englisch-Übersetzer am Telefon) zur Vakzination und in den Beobachtungsraum. Dafür werden sie uns gleich ordentlich schröpfen, denke ich mir, irgendwoher muss die Kohle ja kommen für all das Licht und die Maschinchen und die Freundlichkeit. Aber statt unsere Pässe in Geiselhaft zu nehmen und die Kreditkarten leer zu saugen, nimmt man bescheidene 27€ und winkt uns froh zum Abschied.
Ich erinnere mich an die bitteren 5 oder 6 Stunden, die ich bei einer Augenentzündung auf den grausam harten Metall-Stühlen in einer großen, mit schniefenden, hustenden, wimmernden, leidenden Menschenmassen vollgestopften kalten Halle im Uni-Krankenhaus Freiburg verbracht habe, nur um von einer schlecht gelaunten Ärztin nach einem kurzen Blick zwei Minuten später wieder aus dem Behandlungszimmer katapultiert zu werden. Wer ist das Entwicklungsland?, denke ich, euphorisiert und wie auf Wolken aus diesem weißen Tempel der Heilkunst schwebend.
