
🦄 Ponypapers
Wir versuchen am windigen Tag Strand & Meer zu genießen. Außer uns ist nur eine deutschsprachige und asiatisch aussehende Familie am Strand unterwegs.
Es herrscht Ebbe und man muss schon sehr motiviert sein, um im nur hüfthohen Wasser entlang der Bojen zu schwimmen, wenn man denn brav im eingekerkerten Bereich bleiben will. Aufgrund der Abwesenheit anderer Schwimmer (die andere Familie planscht nur) bleib ich in der Umzäunung und lass mir Wellen und Spritzer vom Wind ins Gesicht dreschen. Hin & Wieder der Eindruck, dass meine Hand beim Schwimmen in Glitschiges stößt. Kommt mir bekannt vor von der Nordsee. Müssen einige Quallen unterwegs sein. Komme wieder ganz angeschmuddelt aus dem Meer. Adrian verzichtet auf seinen Badgang.
Abends. Habe eine Klasse Idee: Nämlich eine Flasche Vodka zu kaufen und mit sechs frisch gepressten Säften zusammen zu mixen. Gesagt, getan. Herrlicher Geschmack, frisch, gesund, pure Vitamine, vom Vodka fast nichts zu schmecken. Funkenregen des Geschichtenerzählens. Charaktere aus Fleisch und Blut. Sicht vom Balkon in eine andere Welt. Weit & Fern ein Abgrund stets in Reichweite. So nah.
🐾 Panthapapers
Tag am Strand. Am Abend besorgen wir ein halbes Dutzend frisch gepresster Säfte und Smoothies, die gibt es für einen Euro das Stück, und mischen uns daraus Cocktails zum Vergnügen.
Die Frau ist ganz glücklich, uns so experimentierfreudig und interessiert ihre Getränkekarte durchprobieren zu sehen. Sie schmecken allesamt umwerfend gut. In Deutschland wäre das ein Luxusgut für Luxusmenschen und nur in größeren Städten erhältlich, hier findet man es allerorten. Das liegt auch daran, dass fast vor jedem Haus oder in der unteren Etage ein kleines Geschäft aufgebaut ist, über dem die Familienmitglieder wohnen.
Die meisten bieten noch irgendwelche Dienste oder Dinge an. Du hast deinen Schlüssel für das Fahrradschloss verloren? Kein Problem, sagt man uns, geh einfach zum Friseur um die Ecke. Die Jüngeren dort kümmern sich um Haare, aber der Alte kennt sich auch mit Schlüsseln aus.
Spielzeugläden, Obstläden, Obstsaftläden, Handyhüllenläden, Bäckereien, Gemischtwarenläden, Teeläden, Läden für Metallstangen, Buddha-Figuren, Töpfe, Gartenstühle, Massagen, Suppen, SIM-Karten oder Medikamente reihen sich endlos aneinander. Und je nach dem, wer in der Familie gerade Zeit hat und nicht in die Arbeit oder Schule muss, kümmert sich ums Geschäft. Was aber wiederum oft genug nur heißt, die Türen aufzumachen und den Kopf auf die nächste Tischplatte oder Körper auf das nächste Sofa zu legen oder mit dem Handy zu spielen. Unser derzeitiges Hotel wird von einem Sohn gemanagt, der an der Rezeption sitzt, fast ohne Unterbrechung Computer zockt und ganz zufrieden scheint mit der Aussicht auf seinen künftigen Lebensweg. Es hat wohl alles mehr als eine Seite. Und die gute ist: Wir genießen an diesem Abend wundervoll frisch gepresste Säfte.
