
🦄 Ponypapers
50 km.
Wir sind kaum 10 km gefahren, haben nur den ersten Kaffee des Tages gekippt, da wird’s wieder Zeit, Callis Reifen zu flicken. Es ist allerdings die bereits reparierte Stelle, genau genommen der Flicken selbst, wo aus allen Enden Luft entweicht. So kommen wir dann nur 200 m bis der Reifen wieder platzt.
Ich mache mich allein auf den Weg zum nächsten Fahrradladen (7 km – durchgängig geöffnet haha), um einen neuen Schlauch zu erstehen, aber Pustekuchen, der Laden ist zu und auch der diensthabende Wachhund kann kein Personal auftreiben.
Adrian, der inzwischen seinen Reifen erneut geflickt hat, ist schon auf dem Weg zu mir, aber schafft nur 200 m bis zum Platten. Ich will mich gerade wieder auf den Weg zum nächsten Fahrradladen begeben (und ja, 7 km), als Adrian schreibt, dass er eingesammelt wurde und nen neuen Schlauch bekommt.
Am Nachmittag sehen wir uns dann wieder, radeln etwas Schnellstraße um schneller ein paar Kilometer zu machen.
🐾 Panthapapers
Wir verlassen das kleine Paradies und finden uns sogleich mit einem harten Tag bestraft. Dreimal in brutzelnder Hitze repariere ich Calli’s Hinterreifen, flicke Flicken mit neuen Flicken, wo ihre Ränder brüchig werden und erneut Luft auslassen. Nicht jeder Doktor hat hier Wunder vollbracht.
Immer wird die Panne zum sozialen Event und so gewöhne ich mich langsam daran, vor bzw. mit Publikum zu reparieren. Am Ende hilft auch kein guter Wille mehr, der Schweiß rinnt in Strömen und verklebt die Augen. Ein paar freundliche Jungs führen mich zum nächsten Meister, der mir einen neuen Schlauch verkauft und aus Hilfsbereitschaft und Güte gleich einsetzt.
Erschöpft und mit reichlich Verzögerung machen wir noch etwas Strecke und schlagen in einem verlassenen Küstenort nach der üblichen Zimmersuche (Hotel finden, irgendjemand im Hotel finden, von Irgendjemand Verantwortlichen rufen lassen, Zimmer zeigen lassen, Preis erfragen, Preis verhandeln, Preis zu hoch, wieder gehen, nächstes Hotel suchen, Schleife bis Bedingung Preis = ok oder Schleifenzähler >5+/-Tageslaunenvariable) in einem netten Haus unser Lager für die Nacht auf. Die Wirtin sorgt durch persönliche Begleitung dafür, dass wir ins richtige (!) Restaurant gehen, und da man sich solchem Engagement schwer entziehen kann, wird also Fisch gegessen, irgendeiner natürlich, unklar welcher (die kreative KI von Google Lense nennt ihn in ihrer Übersetzung “Stumpffisch”). Günstig ist er und lecker, wenn auch, wie Fisch ja meistens, aufwendig zu verzehren, so mit den Stäbchen und den Händen über einem winzigen Schüsselchen. Jeden Bissen, bei dem man nicht an einer Gräte erstickt, hat man sich mit Mühsal verdient. Gegen den Hunger gibt’s eben Reis.
Später stopf ich mir noch irgendwelche billigen Süßigkeiten hinterher. Drei verdammte Reifenpannen, denk ich mir beim Einschlafen. Wenn das so weitergeht, wird selbst der gewaltige Vorrat an Flicken, den ich eingepackt habe und von dem ich wahrhaft dachte, er würde ein ganzes Jahr voller Löcher stopfen können, sich erschöpfen. In meinen Träumen hoppel ich weiter über die scharfkantigen vietnamesischen Straßen mit diesem unverkennbaren Gefühl, auf einem Fahrrad mit platten Reifen zu sitzen und zu hoffen, dass es einfach nicht wahr ist, solange man es ignoriert. Ein holprige Nacht.
