Donnerstag 9.11. Fahrt nach Nghia Dong

🩄 Ponypapers

50 km. Spritze Nr. 5.

Zahlreiche Versuche, ErsatzschĂ€uche zu kaufen, bleiben erfolglos. Das kommunistische Credo „jedem nach seinen FĂ€higkeiten, jedem nach seinen BedĂŒrfnissen“ wirkt noch stark gegen einsetzende kapitalistische Regungen. Warum sollte man jemanden einen Schlauch verkaufen, der keinen Platten hat?

Es ist ein Sieg der Ratio gegen das gemeine Besitzen-Wollen.

đŸŸ Panthapapers 

Weiter geht’s in drĂŒckender Hitze die KĂŒste nach SĂŒden. Mittlerweile habe ich eine Heidenangst vor jedem Schlagloch. Wir sollten uns besser rĂŒsten, ErsatzschlĂ€uche und mehr Flickzeug besorgen, damit wir nicht stets den UmstĂ€nden ausgeliefert sind. 

Zuerst aber besuchen wir ein (hoffentlich) letztes Mal VNVC, Lili’s finale Tollwut-Spritze ist fĂ€llig, die fĂŒnfte in Vietnam plus die zwei, die es schon in Deutschland gab (und die man in Vietnam fĂŒr nicht zureichend hielt). Mittlerweile sind es die Hunde, die fĂŒrchten mĂŒssen, von ihr gebissen zu werden. 

Die vielen FahrradhĂ€ndler, die wir nach ErsatzschlĂ€uchen und Flickzeug fragen, geben sich allesamt Ă€ußerst ĂŒberrascht von unserem Anliegen. Sofort wird das Rad befĂŒhlt, der Luftdruck geprĂŒft, das Ventil begutachtet. Es ist doch nichts kaputt. Warum dann einen Schlauch kaufen? Nur zögerlich, geradezu widerwillig gibt man zu, so ein Ersatzteil auch verkaufen zu können.

Manchmal aber nicht einmal das. Der Ladenbesitzer ist sowieso gerade dabei, seine Wohnung zu renovieren, dann lange ErklĂ€rungen, mehr Leute werden herbei geholt, neue ErklĂ€rungen, unklare ZustĂ€ndigkeiten. Man unterbricht die Renovierungsarbeiten, jemand anderes muss noch kommen, der ist gerade noch nicht da, muss noch duschen oder so, kommt lange nicht, die Sonne brennt, kommt einfach nicht. Die beiden EuropĂ€er besteigen irritiert wieder ihre Ponys, aber auch das ist kein Problem, die Baustelle ist nun völlig zum Erliegen gekommen, aber man plaudert jetzt angeregt, grĂŒĂŸt uns nett zum Abschied, wĂ€hrend unsereiner die Welt nicht mehr versteht.

Bei einem anderen HĂ€ndler wiederum ist man erst ebenfalls verwirrt von unserem Wunsch (“What’s your problem, bro?”), dann steigen die Preise von Nachfrage zu Nachfrage in die Höhe. Auch ihn lassen wir am Ende zurĂŒck, ohne etwas zu kaufen.

Schlauchlos daher, der Unbill der Straße schutzlos ausgesetzt, bahnen wir uns unseren Weg am Meer entlang. Nettes Abendessen spĂ€ter, wieder Fischfisch zerzutseln, Fotos mit den Restaurant-Besitzerinnen und Geschichte am Strand. 

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