Mittwoch 15.11. Fahrt nach Phong Nha (75 km)

🦄 Ponypapers

Unter Schauern starten wir in den Tag, weit wollen wir kommmen zu einer schönen Herberge, denn weitere 80 Liter sind für den nächsten Tag verkündet. Gegen den Lärm stecke ich mir Kopfhörer in die Ohren, heut ist Schnellstraße zum Schnell-Fahren angesagt. Ich glaub, ohne einen kleinen Hörschaden werden wir nicht zurückkommen. Vermerke: angesichts des Summens im Ohr nehme ich das nächste Mal lieber Ohropax als Kopfhörer zum Lärmschutz. Kurz bevor wir ankommen, schickt uns Mappy auf kleine Ab- und Seitenwege und zeigt nochmal, dass auch 3 km so anstrengend sein können wie 30 – vorausgesetzt man lässt die Fahrradfahrer an einem Regentag schön moosige Straßen auf 14 prozentiger Steigung fahren. Endlich habe ich Megawatt die erste Steigung hochgeschoben und will als Belohnung runter fahren. Das geht so 4 bis 6 Meter gut. Oh Oh, denk ich wie im Comic, dann rutscht der Reifen sanft beiseite und der Rest von Megawatt und mir folgt. Vermerke: Moosig, nasse Straßen sind wirklich sehr glitschig. Ich rappel mich hoch mit braun verschmierter Hose und aufgeschlagenen Knie und drehe mich um zu Adrian und was sehe ich da? Sehe ich da einen Fünkchen Mitleid, etwas Sorge um die Freundin, um gebrochene Beine und verstauchte Handgelenke? Mitnichten. Glasklar steht da im Gesicht: „Das war ja klar! Hätt ich dir auch früher sagen können, dass das nichts wird.“ Sehe dann, wie der Gesichtsausdruck sich langsam retuschiert, Adrian mein Fahrrad gerade rückt und die Bremse wieder an die richtige Stelle: „Hast du dir wehgetan?“ Ja, ja von wegen…

🐾 Panthapapers

Am kommenden Tag wird es angeblich so viel regnen, dass man nicht wird fahren können, daher suchen wir nach einem netten Hotel, das wir heute nach gut 70km ansteuern. Die Navi-App Mapy legt mehrere sportliche Abschnitte ein, damit es uns nicht langweilig wird. 17% Steigung und danach einen rutschigen Abhang hinab. Den dunklen Wolken ausweichen, wo sie finster drohen. 

In einem Café tanzt ein Schwarm dicker Mücken durch den Eingang, so groß und unbeholfen, dass sie harmlos wirken. Was sie jedoch nicht sind. Mein eigenes Blut spritzt mir entgegen, als ich die trunken ins Fleisch versunkenen Genossen auf meinen Beinen zerschlage. Und doch, es sind ihrer so viele. Ein eiliger Sprung zur Fahrradtasche, das PEET-Spray, das wir extra in großen Mengen aus Europa mitgebracht haben. Ein übles Nervengift, ein einziger Stoß in die wilde Menge und sie fallen zappelnd darnieder. Wir verteilen es großflächig auf die Haut. Alle weiteren Attacken sind damit vereitelt. Enttäuscht drehen die dicken Flieger ab, so dass wir endlich ungestört im Abendlicht die herrliche Natur beblicken und genießen können. Nur hie und da juckt noch ein Stich.

Am Ende unserer Tour wartet ein – wie so oft – vollkommen verlassenes Anwesen. Erst jemand aus der Nachbarschaft ruft den Besitzer an, der uns ein Hotelzimmer gibt. Wunderbar diese hohen Decken, die es überall gibt. Wie wird man sich je wieder an gedrungene enge Wohnungen in Deutschland gewöhnen? Heute jedenfalls liegt über den Betten viel Platz zum Träumen.

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