
🦄 Ponypapers
Wie gut, dass Adrian neue Schläuche erstanden hat, so kann er Megawatts Vorderfuß rasch besohlen, nachdem er sich einen Spreißel gezogen hat. Ich nehme mir vor, ihn zu unterstützen und bei nächster Gelegenheit im Hostel den alten Schlauch zu flicken. Nach einiger Zeit ist die Luft von Wasser so gesättigt, dass sich die Wetterlage durchaus als nieselig beschreiben ließe. Und nach weiteren 1 1/2 Stunden ließe sich der Niesel auch durchaus als Regen definieren.
Schon etwas durchnässt ziehen wir unsere Regencapes über und schaffen darunter unsere eigenen klimatischen Bedingungen für einen Urwald. Wollen wir hoffen, dass unsere Gewächse dies nicht zum Anlass für tropisch wuchernde Ausmaße nehmen oder Besucher zum Bleiben überreden. Als bis auf die Haut durchnässte Pudel stehen wir schließlich in der Hotellobby mit nur mäßiger Motivation für Preisverhandlungen.
Durchwärmt von einem Cocktail und umwölkt vom Rauch reist unser Gespräch bald in fernere Gefilde. Mein guter Vorsatz bezüglich der Klempnerarbeiten wartet auf neue Gelegenheit
🐾 Panthapapers
Ein lächelnder Wettergott blickt anders drein als der des heut’gen Tages, aber wir wollen weiterkommen und brechen trotz gräulichem Niesel auf. Die Die professionell in Ganzkörper-Plastik-Anzüge eingepackten Einheimischen auf ihren Motorrollern freuen sich ganz besonders, barbeinige Weiße durch den Regenguss strampeln zu sehen, daher erhalten wir an diesem Tag besonders überraschte “Hellos”.
Dass wir triefend vor Nässe und trotz offenkundigem Ruhebedürfniss manches Hoteel am Rand der stark befahrenen Straße nach Zimmerbegutachtung wieder verlassen, scheint hie und da einen Eigentümer traurig zu stimmen. Einmal eingefangen hat man an diesen kargen Orten nicht viele Möglichkeiten, sich zu versorgen, ohne erneut für stundenlange Ausritte unter dem Regenteppich zu verschwinden. Und so fühlt man sich ganz ausgeliefert. Sehen sie uns schon in der Suppe schwimmen? Lili liest derzeit Texte über die Entdeckungsfahrten des James Cook, womöglich kommen daher solch entlegene, krude und imperial-snobistische Gedanken. Doch ihre hungrige Enttäuschung wirkt verdächtig…
Zuletzt stößt man fraglos häufiger auf Essen, das man in unseren heimatlichen Gegenden dank wachsender Empfindsamkeit vom Speiseplan entfernt oder doch soweit entnaturalisiert hat, dass es eher einer amorph-anonymen Fleischmasse denn dem ursprünglichen Tier ähnelt und uns dergestalt selbst von unserer Tierhaftigkeit hin zu einem amorph-anonymen Fleischkonsumenten verwandelt. Fischaugensuppe, Frösche, Schnecken, Schlangen oder Hähnchenfüße sind oft genug zu finden. Ein Restaurant in der Nähe zeigt eine Ziege im Logo. Und untertreibt damit kein Stück. Nur zwei Meter unter dem Ladenschild brutzelt die komplette aufgespießte Ziege überm Feuer, während dem interessierten Passanten bei einem Blick in die Speisekarte alles (und nichts anderes) geboten wird, was man aus dieser Ziege machen kann. Ziegenblutwurst zum Beispiel.
Als ich am Abend in einem Lokal auf eine ganze Spalte an Gerichten deute, die sich unmöglich identifizieren lassen, und sage “irgendwas davon bitte” (man kann es auch auf Deutsch sagen, sie verstehen Englisch genau so wenig), lachen die Kellner und rufen sich Scherze zu. Ich bin sicher, sie überlegen, was davon uns Europäer am meisten entsetzen würde. Am Ende ist man aber gnädig und serviert Suppe mit unserem Geschmack entgegenkommenden amorph-anonymen Fleischbrocken. Das Bekannte tut gut in der Fremde. Wir versuchen unsere nassen Klamotten zu trocknen, zerstören damit den Fön des Hotelzimmers, kuscheln uns aber mit Geschichte in den Abend und in ein warmes, trockenes Bett. Morgen soll es weiterregnen.