
🦄 Ponypapers
Kein Wunder, dass man nach solch einem herrlichen Abend kaum in die Puschen kommt. Nach einigem Ringen mit dem Bettlaken kommen wir gerade noch rechtzeitig zu unserem frugalen Frühstück für Piccolo-Ponys. Am Ende davon ist’s beschlossen: aufgrund ablaufender Visazeit, Regenfällen & Überschwemmungen sparen wir uns den Weg zum regengesegneten Hue und steigen in den Bus nach Hoi-An. Ist ja klar, dass sich vor einer 7 Stunden Fahrt pünktlich die Periode einstellt. Wobei pünktlich? Eigentlich eine Woche zu früh. Und wenn man so alle 2 Wochen für eine Woche seine Tage hat, ließe sich das auf 1/3 der gesamten Lebenszeit beziffern. Hänge noch ein Weilchen den Gedanken über die Misslichkeiten des Frauen-Daseins nach. Ich mein, was soll das, ist das der Eierschlussverkauf? – Und dann steigen wir auch schon in den Bus – der sage und schreibe Schlafkabinen hat! Klasse. Ich werfe mich in den zweiten Stock und bereite mich darauf vor, meine Wildpferdherde von Gedanken in alle möglichen Richtungen davon stieben zu lassen. Nach dem hingebungsvollen Genuss zahlreicher Tagträume fokussieren sich dann die Gedanken auf ein gemeinsames Ziel: Wann gibt’s eigentlich eine Toilette?
Und wie kann man für 300 km 7 h brauchen?
Gegen 23 Uhr erreichen wir unsere Herberge und geübt im Träumen falle ich nach ausführlichem Toilettengang in eine traumbekränzte Nacht.
🐾 Panthapapers
Am Frühstückstisch entscheiden wir kurzerhand, heute mit dem Bus nach Hoi
an weiterzufahren und unsere Fahrräder mitnehmen zu lassen. Der Weg dorthin ist von Regenfällen überschwemmt und wir haben Bedenken, die kambodschanische Grenze vor Ablauf unseres Visums zu erreichen. Das kleine Gebirge davor ist unumgehbar und markiert sowohl die endgültige Grenze zwischen Nord- und Südvietnam als auch den Ort der meisten Regenfälle. Die Menschen in dieser Region sind angeblich so sehr an die häufigen Überschwemmungen gewöhnt, dass sie nur noch nonchalant die Möbel etwas höher stellen. Während der Fahrt lassen sich die weiten Felder neben der Straße sehen, die bis zu den Bergen am westlichen Horizont unter Wasser stehen.
Lili ist ganz begeistert von den ausgepoltsterten Schlafbussen, in denen man in bequemer Horizontale die langen Fahrten und den Blick auf das Desaster genießen darf. Obwohl der Weg nicht weit ist, benötigen wir beinahe acht Stunden für die Reise. Man fährt zwar gerne im Stil scheuklappenbehafteter Rinder, ohne Umsicht, stur und mit erbarmungsloser Todesverachtung – gerne mit der rechten Hand am Steuer, mit der linken und den Augen am Handy – aber dafür doch relativ behäbig. Diese Langsamkeit ist der wichtigste Grund, warum sich das vietnamesische Volk bisher nicht in einer einzigen gewaltigen Massenkarambolage in einen Schutthaufen der Geschichte verwandelt hat.
Die schüchternen Krankenwagen könnten jedenfalls niemanden retten. Auch im Internet ist zu lesen, dass man auf ihre schnelle Ankunft nicht rechnen darf. Sie wirken geradezu ängstlich mit ihrem zurückhaltend leisen Tatü in dem Strom der brünstig grunzenden, gewaltvoll hupenden, vollpotent dröhnenden Lastkraftwagen, die den Verkehr durchpflügend die Straßen auf ganzer Breite beherrschen.