Samstag 18.11. Hoi An

🦄 Ponypapers

Wir laufen durch das Städtchen oder futtern uns vielmehr durchs Städtchen, bewundern die lokale Handwerkerkunst & widerstehen zahlreichen Versuchungen. Abends in einem Lokal knuspriger Fisch und danach Geschichte und einen süßen Cocktail.

🐾 Panthapapers

Hoi An’s Existenz gruppiert sich um den Tourismus, obwohl sich die Stadt zweifellos ihren vietnamesischen Alltags-Charakter erhalten hat. Eigentlich gibt es sie nur wegen ihrer Bedeutungslosigkeit noch. Sie ist seit langem schon so unwichtig – etwa als Hafen -, dass die Amerikaner sogar vergaßen, sie zu zerbomben. Prompt stieg sie zum UNESCO-Weltkulturerbe auf, weil hier noch steht, was sonst nur stand.

Seit meinem letzten Besuch scheint sie um keinen Tag gealtert. Alles in ihr bemüht sich, scheinbar ohne es zu wissen oder wollen, “malerisch” zu sein. Die Menge an Schneider, Cafés und bunten Laternen ist unüberblickbar und mit Einbruch der Dunkelheit schläft nichts ein, sondern erwacht erst wirklich zum Leben. Überall leuchtet und wuselt es dann, die Zahl der Kram- und Essensstände vervielfacht sich, die lampen- & touristenbestückten Boote gleiten zu Dutzenden in die Nacht und ganze Massen schieben sich durch die Straßen.

Wir besuchen viele Geschäfte, aber kaufen wenig ein. Unter dem zahllosen Klimbim findet sich viel Schönes, aber leider kein einfacher Kugelschreiber, den wir suchen. Scheinbar schreibt man hier nicht viel, ebenso wie man selten, eigentlich nie, jemanden ein Buch lesen sieht. 

Derweil ist der überzogene Eifer der Verkäufer, z.B. von Maßanzügen, so viel viel zu viel, dass man als unbedarft-distanzierter Europäer, der nur mal unverbindlichen “schauen” will, schnell und oft auf seinen Fluchtinstinkt zurückgeworfen wird.

Wie Geier ihre Beute fixieren und verfolgen die Händler jede Bewegung deines Blicks. Und wehe ihm, er lag zu zu lang auf irgendwas. Ein Herzschlag nur und schon erfasst man deiner Augen Strahl und hangelt sich an ihm zu dir hinauf. Ha, hat man dich.

Die Praxis fordert von einem außergewöhnliche, disziplinierte Kontrolle der okularen Intrimitäten. So kommt’s, dass nach diesem langen Tag des Gassenpromenierens die Sehkraft mehr als meine Füße schmerzt. Wir ziehen uns wohl gerüstet ins Hotel zurück, das die freundlichsten und zuvorkommendsten Eigentümer hat, die man erhoffen kann, und wollen in einen ausführlichen Geschichtsabend starten. 

Leider hat sich in unserem Zimmer ein äußerst unangenehmer Geruch ausgebreitet. Nach ein paar Atemstößen hat man sogar den Eindruck, Kopfschmerzen wachsen fühlen zu können. Sehr giftig und vermutlich ein Resultat des aufgeheizten Minikühlschranks, der häufig in Hotels mit Holz umkleidet wird, so dass sich unnötigerweise inmitten des ästhetisch ungebrochenen Mobiliars die Wärme staut. Wie dem auch sei, die ganze Familie wird aufgeweckt, alles kommt in Bewegung und man zieht uns um in den nächsten Raum. Der schiefe und stets chronisch übersteuerte Gesang aus mehreren Karaoke-Bars vermischt sich schwebend über den Dächern der Stadt, während wir in unsere Fantasiewelten eintauchen.

Nach oben scrollen