Mittwoch 13.12. Vung Tau

🦄 Ponypapers

Wir schauen den Sonnenaufgang durch die Glasfront unseres Schlafzimmers und kuscheln uns tiefer in die Decken. Nun können wir endlich den Pool testen und entscheiden, ob wir noch eine Nacht bleiben wollen. Wir wollen bleiben! Der Erwachsenen-Pool ist riesig und er ist fast leer.

Trotz der tausend-Wohneinheitenanlage (wow welch schönes deutsches Wort) ist die Anzahl derer, die sich zum Schwimmen bequemen, durchaus gering. Viele Vietnamesen scheinen keine guten Schwimmer zu sein, dafür sind sie kreativ, was die Schwimmtechniken angeht. Besonders beeindruckt bin ich von Folgender: Klettere in den Pool, begebe dich in Bauchlage, leg dein Gesicht flach unters Wasser und strampel zum Antrieb mit den Beinen, bis du Luft holen und dich wieder in die Senkrechte begeben musst.

Die Kraultechnik ähnelt wiederum der der meisten Männer in deutschen Schwimmbädern. 1. Regel: Hauptsache selbstbewusst. 2. Regel: der Pool gehört dir und 3: Immer viel Wasser. Produziere mit Armen und Beinen möglichst große Fontänen in alle Richtungen oder schaufel sie dem dir ausweichenden Schwimmer direkt ins Gesicht. Du weißt: Je mehr Spritzer, desto männlicher bist du. Denk daran, den Kopf wild hin und her zu werfen, um ab und zu einen Japser Luft zu ergattern, denn auch wenn’s verwundert, auch dein Hirn benötigt Sauerstoff.

Für die allermeisten Vietnamese um den Pool – und es sind weit mehr um als in dem Pool – ist dieser viel mehr bloße Dekoration fürs Foto.

Mädchen fotografieren sich selbst oder gegenseitig oder lassen sich von ihren männlichen Begleitern ablichten. Pose um Pose um Pose. Und oh mein Gott, sie sehen so gut aus, dass man hier nach kurzer Zeit einfach Komplexe kriegen muss. Es ist ein Ort, den jede Feministin zu meiden hat, sollte sie jeglichen Objektivierungen weiterhin feindlich gegenüberstehen wollen. Soviel Schönheit muss blendend einem den Blick verstellen.

🐾 Panthapapers

“The Song” entpuppt sich als ein pekuliäres Biotop. Drei Gebäude bilden ein U. 3 Mal 35 Stockwerke à 50 Wohneinheiten = 3 x 1750 = 5250 Wohneinheiten zu durchschnittlich 20 €. Macht bei 50% Auslastung ca. 50.000 € Einnahmen pro Nacht. Davon bezahlt man den Kredit, den Betrieb und eine Armada von Angestellten, die einem die Tür aufhalten, und – den Bau eines Duplikates gleich nebenan. Kein Ruheort in Vietnam wäre vollständig ohne eine Steinsäge in Hörweite.

Um den Pool auf dem Dach des 36. Stockwerks räkelt sich, nennen wir sie, die Freizeit-Elite, und lässt sich bei solchem Geräkel von der Begleitung fotografieren, bis man die Rollen tauscht und B räkelt, während A fotografiert. So oder so, Swimmingpool auf Hochhaus-Dach mit Blick auf den Ozean. Man sollte der Welt mitteilen, was man im Urlaub macht ;)

Wobei es nicht jeder bis hier hoch schafft. Das Aufzugsystem ist leider nicht ganz so hochkarätig. Mit einem Knopfdruck ruft man verschiedene Aufzüge, die allerdings alle nur ganz bestimmte Stockwerke ansteuern können. Es ist wirklich ein herrliches Chaos, die Wege dauern ewig, viele enden in der Garage oder immer immer wieder in der Lobby. Häufig sieht man Pärchen oder ganze Familien offensichtlich ausgerüstet für das ungetrübte Schwimmvergnügen, nur mit Badeanzug und Handtuch bekleidet verwirrt durch die Gebäude tapsen. Wie kommt man von C12 zu A5?

Nahezu unmöglich wird das Weiterkommen um die Mittagszeit. Bis 12:00 Uhr ist Check-Out (hektisch rollt man die Koffer Richtung Ausgang), ab 12:00 Uhr ist Putzen (Schwärme von Personal eilen von Raum zu Raum). Das muss fix arbeiten, denn ab 14:00 Uhr ist wieder Check-In (entspannt rollt man die Koffer durch den Eingang). Reinigungspersonal, das schnell hoch will, Urlauber, die schnell runter wollen, unachtsame Passanten als Kollateralschaden, die im täglichen High-Noon-Krieg um die Aufzüge achtlos zermalmt werden. So rollt auf und ab hier das Rad des Vergnügens.

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