
🦄 Ponypapers
Nachdem wir zum Abschied das rosa Zimmer als Fotokulisse für Verbotenes genutzt haben, wird es Zeit unsere Wohneinheit zu verlassen und in eine einzukehren, die etwas mehr den wahren Verhältnissen entspricht.
Nun im 8. Stock Gebäude A sind zwar die Räume gleich aufgeteilt und auch die Grundausstattung von Sofa, Küchenzeile und Doppelbett bleibt identisch, aber sonst ist alles leicht verschoben. Direkter Blick auf die Baustelle, kein Bild an der Wand, bei geringster Berührung der unteren Fußlatte des Sofas fällt sie einem auf die Füße und die Handtücher befinden sich im fortgeschrittenen Zustand ihrer eigenen Auflösung. Aber wem kann das etwas anhaben, wenn man 2 Kilpometer im fast leeren Pool schwimmen kann und dabei allerschönste Mädchen bewundern?
Und a propos Bewunderung: Also da sind diese Klasse-Mädchen. Ihr wisst schon, sie sind irgendwas zwischen 15 und 30 (ist bei Vietnamesen schwer zu sagen, sie sehen zum Teil wirklich viel jünger aus), haben diese samt glatte Haut, glänzend schwarzes Haar, ewig lange Beine und diesen kalt harten Blick, welcher die Welt mit dem strahlend-weißen, breitsohlingen Turnschuh ganz beiläufig zertritt.
Sie tragen: Sonnenbrillen, zum Teil auf die Stirn geschoben, ein Bikinioberteil mit diversen dekorativen Schnüren, vermutlich ist es der Busen selbst, welcher das Bikiniteil an Ort und Stelle hält, dazu kommt eine offene durchsichtige Bluse, eine Art kurzes Bikiniröckchen und blendend neue Turnschuhe. Während ihrer Fotosessions wechseln verschiedene Stadien der Bekleidetheit und der Unbekleidetheit genauso wie die Auswahl an Accessoires.
Die eine Seite des Poolrandes liegt stramm in der Sonne, die andere im Schatten. An beiden Seiten gibt es Rettungs- (Schattenseite) und Wachpersonal (Sonnenseite). Dieses ist ausschließlich männlich und vom Alter würde man auf 16 schätzen, also sind sie vielleicht 22 Jahre alt. Der Junge auf der Sonnenseite trägt lange Hosen, ein langärmliges Shirt, eine Schirmkappe und kauert im jämmerlich spärlichen Schatten eines Sonnenstuhls (ja in der Tat: Stuhl nicht Schirm).
In dieser Position des Leidens fallen ab und zu dezente Blicke in Richtung der Schönheiten, die auf den Liegestühlen posieren, am Rand des Pools, vor der Glasfront. Man kann förmlich spüren, dass der Junge für die Mädchen schlicht nicht existiert. Wer weiß, vielleicht, wenn sich ihre Blicke zufällig kreuzen würden, wenn er einen auf sie wagt. Ja, dann würden sie seiner gewahr werden und strafen mit der Verachtung, die die arbeitende Bevölkerung im Allgemeinen und die männliche im Besonderen verdient hat.
Während ich noch kurz im Liegestuhl liege, denke ich über die Misslichkeiten des Männer-Daseins nach, dann mache ich mich auf den Weg zum Markt – ich will mir eine hübsche Glitzer-Haarspange kaufen…
🐾 Panthapapers
Im örtlichen “Lotte-Mart” findet sich, was ich lange ersehnt: ein Korrosionsschutz-Spray. Ein glücklicher Tag. Das WD40 aus Deutschland durfte wegen Explosionsgefahr nichts ins Flugzeug, in Hanoi wollten mir die Fahrradhändler kein Öl verkaufen (brauchte es ja noch nicht) und als schließlich in Hoi An jemand welches für mich besorgte, lief der unbenutzte Rest nach kürzester Zeit aus meiner perfekten Reiseverpackungs-Konstruktion aus und verteilte sich – zugegeben sehr gleichmäßig, wie es sich für gutes Öl gehört – in der gesamten Werkzeugtasche. So habe ich seitdem zwar perfekt geschmiertes Reparaturbesteck, aber leider nichts, um den drohenden Rost am Rad zu bekämpfen.
Was für ein netter Umstand daher, dass der Lotte-Mart ähnlich wie die französischen Supermarchés nicht nur Käse, Snickers und Windeln anbietet, sondern neben Haarspray, Plastiklatschen und Kürbissuppe auch: Korrosionsschutz-Spray.