
🦄 Ponypapers
Ach, wie traurig, wir müssen unser Resortgehege verlassen, jetzt am Samstag steigt auch unsere Sparversion von Wohneinheit von 12 auf 40 Euro. Sachen gepackt in Sandalen geschlüpft. Sandalen kaputt. Der Kraftkleber hat nur sieben Tage lang gehalten, was er, wie ich dachte, für die kurze, menschlich überschaubare Ewigkeit versprach.
Wir wechseln in ein Hostel mit wirklichen Meerblick ohne Pool, Küche, Wohnzimmer, das jetzt am Wochenende auch nicht billig ist. Dafür ist es in der Nähe einer Stelle, wo man schwimmen kann.
An der anderen Strandseite der Küste von Vung Tau stand eine ganze Armee von Totenkopfflaggen, wirklich großzügig aufgestellt – alle 10 m. Obwohl es trotzdem einiges Meergeplantsche gab, hatte mich das Meer irgendwie nicht zu sich gelockt.
Hier ist es anders. Ein Strick geleitet die Schwimwilligen eine Treppe hinab in die stürmischen Wellen. Eine Aufregung für die, die ins Wasser wollen, eine Belustigung für diejenigen, die bereits angekommen sind, denn die Wellen hauen gelegentlich jemanden von den Stufen sofort ins Wasser.
Hat man dieses “Abenteuer” allerdings überstanden, kann man entweder Wellen hüpfen oder wirklich schwimmen im Meer! Die Bojen gehen ein ganzes Stück hinaus und offensichtlich ist hier der ausschließlich männliche Teil der schwimmfähigen Bevölkerung anzutreffen. Es gibt doch einiges an Zögern, bevor ich ins Wasser steige. Dies ist weniger den Wellen geschuldet, als dem auffälligen deutschen Körper und dem Bikini, der natürlich, natürlich die falsche Entscheidung war.
An einem Pool ist er nicht zu beanstanden, aber am Strand offenbart er für den vietnamesischen Geschmack die ganze schon immer geahnte Schlampenhaftigkeit des Westens. Was wiederum die Wellen mit einem Bikini anstellen, während man sich an einem Strick festhaltend über glitschige Stufen kämpft, kann man auch bescheidener Vorstellungskraft überlassen.
Hilft nichts, wer hier nicht das Gesicht verlieren will, dem bleibt nichts übrig, als kühl nichtssagenden Blick aufzusetzen, der durch alle Oberflächen dringt, und sich bei erster Gelegenheit unter die Welle zu schmeißen. Fortuna sei Dank habe ich Glück und darf im kühlen Auf und Ab mir vorstellen, ich würde noch heute die Linie des Horizontes erreichen.
🐾 Panthapapers
Am Wochenende kommen die Mittelschichts-Vietnamesen aus Saigon, die Preise steigen auf ein Vielfaches. Daher ziehen wir aus “The Song” aus, bleiben aber für einen letzten Abend in Vung Tau.
Abschied vom Meer. Lili springt noch einmal rein zum Baden, später betrachten wir den Sonnenuntergang. Es wird schnell hell in Vietnam und langsam dunkel. Innerhalb von wenigen Minuten wechselt tiefe Nacht mit klarem Morgen. Dafür kann man noch mindestens eine halbe Stunde lang, nachdem der Feuerball hinter dem Horizont verschwunden ist, das vielfältige Farbenspiel am Abendhimmel betrachten. Mutige Seelen lassen sich im schwarzen Wasser treiben. Das kommt mir heute besonders tief und mächtig vor.
Kleine Schiffchen mit glitzernden Lampen brechen hoffnungsfroh in die Finsternis auf. Es ist schon eine Weile her, dass unsere organischen Urahnen das gewalt’ge Gewässer verlassen haben. Seitdem gehören wir nicht mehr hinein, es erdrückte uns leicht mit seiner schwermassigen Gleichgültigkeit. Der Himmel darüber dagegen ist so farbenprächtig und weit, der Mond glüht und die Erde wirkt wie ein einziges weites Land mit unendlichen Möglichkeiten. Unter diesen wählen wir ein frühes Abendessen aus.