Montag 18.12. Fahrt nach Ho Chi Minh City (60 km)

🦄 Ponypapers

Das erneute Aufstehen um Fünf gibt dem Schlafdefizit nen ordentlichen Schuss und ich fühl mich wie einer dieser garstigen kleinen Hunde, die sich nur ausleben können, wenn sie jemanden ankläffen. Ich rede mir gut zu, dass ich nur müde und bald auch ein wenig hungrig bin (oh immer noch die Resorthamburger) und Adrian nichts Böses tut, wenn er denn unbedingt an dieser roten Ampel halten muss, denn das ist ja nur anständig und richtig, an roten Ampeln zu halten. Und auch, dass die Vietnamesen nichts Böses tun, wenn sie einfach ohne sich nach hinten zu drehen auf die Fahrbahn rollen und einen ausbremsen, weil nun, hier kommt man eben ohne den Schulterblick aus, derjenige, der bereits auf der Fahrbahn fährt, hat zu schauen, dass er jederzeit eine Gelegenheit zum Ausweichen hat. Ja, es ist kein Grund sich aufzuregen, auch nicht, wenn da gerade eine tüchtige Steigung kommt und auch nicht, wenn man dann schieben muss, kein Grund, auf den ausbremsenden Asiaten wütend zu sein oder auf Adrian, den ich irgendwo in der Ferne davon rollen sehe. Solche Situationen kann man als Übung in Impulskontrolle betrachten und wer würde denn leugnen, dass ich da noch ein paar Fortschritte machen kann?

🐾 Panthapapers

Hinein in die 9-Millionen-Metropole mit einem der zahllosen, nie versiegenden Strömen an Moped-Fahrern, die einen an der eigenen Einzigartigkeit zweifeln machen. Saigon ist wie die meisten asiatischen Großstädte ein verwurschteltes Chaos an Menschen, Orten und Dingen, ein Durcheinander von Schmutz und Lärm, ineinander schraffiertes Dächer- und Gassengewirr, dazwischen die quirlig brodelnden Massen mit ihrem turbulenten Hupen und Schreien. Auf der Suche nach einem guten, günstigen Hotel haben wir uns unwissentlich direkt in die Partymeile von Saigon gebucht, das schrille Zentrum für Feiersüchtige.

Dementsprechend stark riecht es nach Abzocke. Dubiose, seltsame Gestalten in den engen Seitenwegen, immer zu viele Finger, zu viele Schritte hinter mir und zu oft ein zweiter Schatten ganz nah. 

Von den Seiten dröhnt die Musik, schießen die Lichter aufs Publikum. Sehr viel Laserleuchten, sehr viel Wasserdampf in den Straßen. Man lockt mit niedlicher Erotik, zierliche Körper, kurze Röcke, tiefer Ausschnitt, große Augen. Dicke weiße Männer gleiten in den Abendstunden wie gefährliche Schiffe durch das Klimperlicht der Angebote. Keiner wird hier bekommen, was er will im Grunde. Aber die Show um das Versprechen ist, mit Verlaub, ein Erlebnis.

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