
đŠ Ponypapers
Der zweite volle Fahrtag in Thailand mit gnĂ€dig bedecktem Himmel & fast kĂŒhlendem Wind. Plötzlich fahren wir in einer Herbstlandschaft. Orange-gelbe BlĂ€tter, die von den BĂ€umen segeln. Wann ist das passiert? Und warum passiert das? Haben die LaublĂ€tterbĂ€ume kollektiv beschlossen, dass Ende Januar Zeit fĂŒr den Wechsel des Federkleides ist? Es ist ganz anders als Kambodscha und doch genauso schön. Da kann man ja gar nicht anders als vor lauter grandioser Landschaft die Arme in die Luft zu werfen & die Schönheit der Natur zu besingen. Nun gut, gelogen, man kann wohl anders. Gesittet vom Fahrrad steigen beispielsweise und ein paar Fotos schieĂen, etwas Beute machen, so macht das der Westler.
Neben uns hĂ€lt ein alter Mann auf einem Motorrad mit AnhĂ€nger. Was er sagt, können wir natĂŒrlich nicht verstehen, aber streckt uns einen BĂŒschel Zweige mit FrĂŒchten entgegen, die wie kleine runde Kartoffeln aussehen. Adrian hebt schon abwehrend die HĂ€nde, ich bin da optimistischer, die Menschheit ist da, um uns Gutes zu tun.
âThank youâ sagt der Mann & versucht holpernd, den abgekratzten Motor in Gang zu bekommen. Trotzdem bin ich mit meinem Busch im Arm noch etwas zu ĂŒberrascht. âThank you, thank youâ und dann ist er schon davon.
Dies ist schon das zweite Geschenk des Tages, am Morgen hat uns ein begeisterter CafĂ©besitzer sein Reich gezeigt: den Garten, die duftenden Blumen & dort drĂŒben soll ein kleines Hostel gebaut werden. Wir kriegen gematschten Reis mit Banane gewickelt in SchilfblĂ€tter (also ich bin mir eigentlich sicher, dass es kein Schilfblatt ist, aber ein groĂes grĂŒnes Blatt), was unglaublich lecker ist und was ich selbst nie ausprobiert hĂ€tte als ĂberraschungspĂ€ckchenessen.
Wir ĂŒberlegen, wie es weitergeht, eigentlich haben wir schon 40 km hinter uns und ein Hostel ist in Reichweite, aber wir beschlieĂen, noch mal 20 draufzulegen, weil es noch so frĂŒh ist. Nun allerdings fĂŒhrt uns Mapy zu einer zweispurigen SchnellstraĂe, die sich in nichts von einer Autobahn unterscheidet â naja nur dass sie keine Fahrbahnmarkierungen zwischen ihren Spuren hat und keinen erkennbaren Seitenstreifen. Das fĂŒhlt sich doch etwas jenseits meiner Komfortzone an und erinnert mich zudem vage an die Anmerkungen des AuswĂ€rtigen Amtes, dass â aller tödlichen UnfĂ€lle Zweiradfahrer betreffen. WĂ€ren â aller Verkehrsteilnehmer Zweiradfahrer wĂ€re dies wenig verwunderlich, aber auf unserer âAutobahnâ ist die Anzahl von ZweirĂ€dern verschwindend gering.
Ich bin froh, als wir endlich in eine SeitenstraĂe einbiegen⊠âVorsicht vor Elephanten, die die StraĂe ĂŒberqueren.â Das hĂ€tte ich fast ĂŒbersehen, also das Schild, nicht die Elephanten. Im Hostel kippe ich entgegen meines Vorsatzes sofort ins Bett & erst am frĂŒhen Abend machen wir uns auf, um noch etwas Essen zu erobern. Die Aussichten darauf sind nicht so prĂ€chtig. Unser Herbergsvater hat uns vorgewarnt. âDie Restaurants in den Bergen sind geschlossen.â Eilig kommt noch sein Erwachsener Sohn zu uns geeilt: âEs gibt hier wilde Elephanten.â Er schaut uns besorgt an. Ich schaue Adrian besorgt an, der aber nur erwidert, dass wir vorsichtig sein werden.
Im nĂ€chsten Dorf sind die Elephanten, die wir sehen, glĂŒcklicherweise aus Stein und stehen an der Pforte des dorfeigenen Tempels. Essen finden wir, wie vorhergesehen, keins. Denn oh Wunder, die âRestaurants in den Bergen sind geschlossen.â Obwohl erfolglos, sind wir froh, unzertrampelt zurĂŒckkehren zu dĂŒrfen, so eine Urwaldlandschaft kann in der DĂ€mmerung fast ein klein wenig bedrohlich wirken.
In unserem kleinen Garagenzimmer futtern wir eilig Instantsuppe, ErdnĂŒsse und Kekspackung, dann verziehn wir uns auf die Veranda. Nach Adrians gescheitertem Versuch, unserem Nachbarn etwas von unseren StrauchfrĂŒchten abzugeben, kriegen wir Kuchen gereicht. 3 Geschenke von drei verschiedenen Menschen! Diesmal können wir uns anstĂ€ndig bedanken. Ich habe eine Karte gemalt.
Als Adrian sie ĂŒberreicht, kriegen wir den ganzen Kuchen geschenkt, eigentlich 2 ganze Kuchen, unsere Nachbarn sind KuchenverkĂ€ufer. Wir stoĂen mit unserem Nachbarn und unseren KuchenstĂŒcken an. Das LĂ€cheln ist allerdings nicht mehr so ganz einfach, in unseren MĂ€gen rumoren die SĂŒĂigkeiten des Tages: CaramelerdnĂŒsse mit Sesammatsch, gematschter Reis mit Banane, Chips, Butterkecks, Marmladenkecks, gesalzene ErdnĂŒsse, Oreos, litschi-Ă€hnliche FrĂŒchte und Kuchen & Kuchen & Kuchen.
đŸ Panthapapers
Dreimal werden wir heute von Fremden beschenkt. Der erste, ein ehemaliger Marineoffizier, gibt uns kostenlos in BambusblÀtter gewickelten Reis, in dem sich Banane versteckt. Er zeigt seinen Garten und seine Baustelle. Hier wird er ein Hotel errichten, sagt er. Er lÀchelt voller Tatendrang.
Der zweite sitzt auf einem uralten Motorrad mit Beiwagen. Als er sieht, wie Lili die umstehenden BĂ€ume fotografiert, greift er kurzerhand in sein WĂ€gelchen und ĂŒberreicht uns ein ganzes BĂŒschel Litschis.
Und der dritte am Abend im Bungalow nebenan hört gar nicht mehr auf, uns mit Gaben zu beglĂŒcken. Das Wasser aus seinem Zimmer, den Kuchen, den seine Freundin verkauft, noch mehr Kuchen, Kaffeepackungen und noch mehr Kuchen.
Bei Einbruch der Dunkelheit machen wir uns auf die Suche nach Abendessen. Nachdem uns die Hotelbetreiber aber warnen, es gebe âwild elephantsâ in der Gegend, und uns eindringlich bereden, dass wir vorsichtig sein sollen, hören wir hinter jedem Baum die Elephanten rascheln. Eilig hasten wir nach zehn verirrten Minuten wieder zurĂŒck in die hoffentlich sichere Herberge. Hungern mĂŒssen wir trotzdem nicht, wir haben ja reichlich Kuchen zu essen.

