
đŠ Ponypapers
Vor allem morgens gehört den Hunden die StraĂe. Die zwei hoteleigenen laufen uns ein StĂŒck voraus und sehen aus, als wĂŒrden sie am liebsten mit uns mitrennen. Wir haben uns schon angefreundet, nachdem sie uns zu Beginn doch mit aller Kraft ihrer StimmbĂ€nder vertreiben wollten.
Das Halblanghaar lĂ€sst sich gern zwischendurch streicheln, bis es sich wieder zu âWĂŒrstchenâ trollt und sie weiter spielen. Als wir um die nĂ€chste Kurve biegen, bleiben sie zurĂŒck und treten ihren RĂŒckweg an. Hoffentlich gibt ihnen Fortuna ihr Geleit und sie passieren die zwei StraĂen unfallfrei.
Ansonsten ist allerdings mein MitgefĂŒhl gegenĂŒber den Hunden leicht gesunken, das noch in Kambodscha seinen Höhepunkt erreichte, wo wir alle naselang an einer Hundeleiche vorbei fuhren, in ganz unterschiedlichen Stadien ihrer Verwesung. Und die Welpen erst! Die hatten ja noch nicht einmal eine Chance, die Verkehrsregeln zu lernen und dass ein Lichthupensignal dir nicht andeutet, dass der Lastwagenfahrer dich ĂŒber die StraĂe lĂ€sst, sondern dass du da weg musst und zwar schnell.
In Thailand lungern ganze Hundegangs am StraĂenrand & morgens auch auf der StraĂe. WĂ€hrend wir auf sie zusteuern, ihr langsames Erwachen, Aufstehen, sich Strecken.
Ein Blick zum Kumpel: âSuchen die Stress?â
âGlauben die, dass dies ihre StraĂe ist?â
Und schon rennt der erste KlĂ€ffer: âDenen zeigen wir’s!“ Geschwind sind auch die anderen auf den Beinen, bereit fĂŒr die Jagd, nun ja, je nach Motivationslage und Charakter, ist ja klar. Manche rennen nur ein kurzes StĂŒck, die Faulen verlegen sich bald ganz aufs Bellen, aber dann gibtâs auch die richtigen Sprinter, die am GepĂ€cktrĂ€ger vorbei auf der Höhe der Pedale rennen.
Es folgt der Blick vom Hund zu dir, von dir zum Hund: âWage es nicht! Wage es nicht!â
GefĂ€hrlich istâs, auszuweichen und ne Kurve in den Verkehr zu fahren. Drohe ihm lieber, âHeyâ, mit erhobener Hand, werde langsamer, âTroll dichâ.
Und ja, plötzlich, du hĂ€ttest es nicht geglaubt, ziehen sie ihren Schwanz ein, erweist es sich als Show & pures Machogehabe. Zwei, drei Beller & sie laufen zu ihrer Gang zurĂŒck: âDenen hab ich’s gezeigt. Aber GlĂŒck hatten sie. Also wenn ich wirklich gewollt hĂ€tteâŠâ
âKlar, war ja nurân Game. Boah, wenn wir wirklich gewollt hĂ€tten, Digger!â
Und damit, so denkt man, hat manâs geschafft und seine Ruhe? Nein, so eine wach gewordene Hundemeute kĂŒndigt natĂŒrlich der gesamten Hundehundertschaft der StraĂe an: âMacht euch bereit, die Radler kommen!â
Keine StraĂe ohne Hund, ganz egal ob Feldweg, Stadtweg, SchnellstraĂe, Autobahn. Ăberall lungern sie herum, springen plötzlich hervor (keine Kurve, denk dran, keine Kurve), bellen, dass sich die Stimme ĂŒberschlĂ€gt und ganz ehrlich, als einer von der gegenĂŒberliegenden StraĂenseite sich elektrisiert sprungbereit machte, derweil ein Laster gemĂ€hlich entgegen rauschte, dachte ich mir: âOh ja, komm du nur! Lauf doch, fang mich, das wird dein letzter Lauf!â Aber da, nur zwei, drei KlĂ€ffer, als wĂŒrde er die bösen Absichten erahnen & schon streckt er sich wieder zum Nachmittagsschlaf. Könnten sie nur ein wenig tiefer schlafen. Ich wĂŒrd es ja herzlich gern ganz wortwörtlich berĂŒcksichtigen, dieses eine Mal: âSchlafende Hunde soll man nicht wecken.“
đŸ Panthapapers
Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund, möchte man meinen. Beim Menschen zweifelt man an universalen anthropologischen Konstanten. Sind wir nicht zu sehr Sozialisation, Sprache, Geist?
Bei einem Hund dagegen scheint alles klar. Es gibt keine Hundekultur, keine nationalen Grenzen zwischen Hundestaaten, keinen ethnischen Differenzen.
Und doch, ich bin mir sicher, die Hunde in Thailand sind anderen Geistes Kinder als die in Kambodscha. Statt uns friedlich passieren zu lassen, lĂ€sst sich seit dem GrenzĂŒbertritt unzweideutig beobachten, wie sie sich mit tollem Eifer und wildem Gebell auf uns stĂŒrzen. Im ersten Moment macht es den Eindruck, sie wollten nichts weniger als uns in blinder Wut zerfetzen.
Erst bei nĂ€herer Betrachtung wird dem Kenner hĂŒndischen Verhaltens deutlich, dass sie nur so schnell rennen, wie sie einen nicht ganz einholen können. FĂ€hrt man langsamer, bremsen sie ebenfalls ihre Geschwindigkeit. Bleibt man stehen, werden sie still. Steigt man ab, scheinen sie sich plötzlich nicht mehr recht zu erinnern, was sie hier eigentlich vorhatten. Verlegen schauen sie ins GebĂŒsch, verwirrt stolpern sie zur Seite.
Bei allen nationalkulturellen Unterschieden gibt es nĂ€mlich doch eine groĂe universelle Konstante: Alle Hunde sind Feiglinge! Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund. So ist das.

