Sonntag 28.1.2024 Fahrt nach Tha Mai (30 km)

🩄 Ponypapers

Vor allem morgens gehört den Hunden die Straße. Die zwei hoteleigenen laufen uns ein StĂŒck voraus und sehen aus, als wĂŒrden sie am liebsten mit uns mitrennen. Wir haben uns schon angefreundet, nachdem sie uns zu Beginn doch mit aller Kraft ihrer StimmbĂ€nder vertreiben wollten.

Das Halblanghaar lĂ€sst sich gern zwischendurch streicheln, bis es sich wieder zu “WĂŒrstchen” trollt und sie weiter spielen. Als wir um die nĂ€chste Kurve biegen, bleiben sie zurĂŒck und treten ihren RĂŒckweg an. Hoffentlich gibt ihnen Fortuna ihr Geleit und sie passieren die zwei Straßen unfallfrei.

Ansonsten ist allerdings mein MitgefĂŒhl gegenĂŒber den Hunden leicht gesunken, das noch in Kambodscha seinen Höhepunkt erreichte, wo wir alle naselang an einer Hundeleiche vorbei fuhren, in ganz unterschiedlichen Stadien ihrer Verwesung. Und die Welpen erst! Die hatten ja noch nicht einmal eine Chance, die Verkehrsregeln zu lernen und dass ein Lichthupensignal dir nicht andeutet, dass der Lastwagenfahrer dich ĂŒber die Straße lĂ€sst, sondern dass du da weg musst und zwar schnell. 

In Thailand lungern ganze Hundegangs am Straßenrand & morgens auch auf der Straße. WĂ€hrend wir auf sie zusteuern, ihr langsames Erwachen, Aufstehen, sich Strecken.

Ein Blick zum Kumpel: “Suchen die Stress?”

“Glauben die, dass dies ihre Straße ist?”

Und schon rennt der erste KlĂ€ffer: “Denen zeigen wir’s!“ Geschwind sind auch die anderen auf den Beinen, bereit fĂŒr die Jagd, nun ja, je nach Motivationslage und Charakter, ist ja klar. Manche rennen nur ein kurzes StĂŒck, die Faulen verlegen sich bald ganz aufs Bellen, aber dann gibt’s auch die richtigen Sprinter, die am GepĂ€cktrĂ€ger vorbei auf der Höhe der Pedale rennen.

Es folgt der Blick vom Hund zu dir, von dir zum Hund: “Wage es nicht! Wage es nicht!” 

GefĂ€hrlich ist’s, auszuweichen und ne Kurve in den Verkehr zu fahren. Drohe ihm lieber, “Hey”, mit erhobener Hand, werde langsamer, “Troll dich”.

Und ja, plötzlich, du hĂ€ttest es nicht geglaubt, ziehen sie ihren Schwanz ein, erweist es sich als Show & pures Machogehabe. Zwei, drei Beller & sie laufen zu ihrer Gang zurĂŒck: “Denen hab ich’s gezeigt. Aber GlĂŒck hatten sie. Also wenn ich wirklich gewollt hĂ€tte
”

“Klar, war ja nur‘n Game. Boah, wenn wir wirklich gewollt hĂ€tten, Digger!”

Und damit, so denkt man, hat man’s geschafft und seine Ruhe? Nein, so eine wach gewordene Hundemeute kĂŒndigt natĂŒrlich der gesamten Hundehundertschaft der Straße an: “Macht euch bereit, die Radler kommen!”

Keine Straße ohne Hund, ganz egal ob Feldweg, Stadtweg, Schnellstraße, Autobahn. Überall lungern sie herum, springen plötzlich hervor (keine Kurve, denk dran, keine Kurve), bellen, dass sich die Stimme ĂŒberschlĂ€gt und ganz ehrlich, als einer von der gegenĂŒberliegenden Straßenseite sich elektrisiert sprungbereit machte, derweil ein Laster gemĂ€hlich entgegen rauschte, dachte ich mir: “Oh ja, komm du nur! Lauf doch, fang mich, das wird dein letzter Lauf!” Aber da, nur zwei, drei KlĂ€ffer, als wĂŒrde er die bösen Absichten erahnen & schon streckt er sich wieder zum Nachmittagsschlaf. Könnten sie nur ein wenig tiefer schlafen. Ich wĂŒrd es ja herzlich gern ganz wortwörtlich berĂŒcksichtigen, dieses eine Mal: “Schlafende Hunde soll man nicht wecken.“

đŸŸ Panthapapers

Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund, möchte man meinen. Beim Menschen zweifelt man an universalen anthropologischen Konstanten. Sind wir nicht zu sehr Sozialisation, Sprache, Geist?

Bei einem Hund dagegen scheint alles klar. Es gibt keine Hundekultur, keine nationalen Grenzen zwischen Hundestaaten, keinen ethnischen Differenzen. 

Und doch, ich bin mir sicher, die Hunde in Thailand sind anderen Geistes Kinder als die in Kambodscha. Statt uns friedlich passieren zu lassen, lĂ€sst sich seit dem GrenzĂŒbertritt unzweideutig beobachten, wie sie sich mit tollem Eifer und wildem Gebell auf uns stĂŒrzen. Im ersten Moment macht es den Eindruck, sie wollten nichts weniger als uns in blinder Wut zerfetzen. 

Erst bei nĂ€herer Betrachtung wird dem Kenner hĂŒndischen Verhaltens deutlich, dass sie nur so schnell rennen, wie sie einen nicht ganz einholen können. FĂ€hrt man langsamer, bremsen sie ebenfalls ihre Geschwindigkeit. Bleibt man stehen, werden sie still. Steigt man ab, scheinen sie sich plötzlich nicht mehr recht zu erinnern, was sie hier eigentlich vorhatten. Verlegen schauen sie ins GebĂŒsch, verwirrt stolpern sie zur Seite.

Bei allen nationalkulturellen Unterschieden gibt es nĂ€mlich doch eine große universelle Konstante: Alle Hunde sind Feiglinge! Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund. So ist das.

Nach oben scrollen