
đŠ Ponypapers
Auf, auf, auf geht’s nach Pattaya. Herrlicher Sand, weites Meer, ein Tag zum Aus- Ă€h Nietzscheartikel schreiben, Pattaya wartet auf uns.
Es ist irgendwie ein besonders heiĂer Tag oder wir sind zu frĂŒh aufgestanden oder haben zu wenig gegessen. Es ist Samstag und wir stellen fest, dass unsere gĂŒnstigen Wahlhotels inzwischen ausgebucht sind. Vor einer der nicht garde angeprieseneren, aber noch verbliebenen Möglichkeiten bleiben wir stehen und gedenken kurz der wenig prĂ€chtigen Rezensionen: âHier sieht es gar nicht so aus, wie auf den Bildernâ, âHeruntergekommen. Unsauber.â, âAmeisen. Wirklich viele Ameisen.â DafĂŒr, um selbst zu sehen, dass es hier nicht so aussieht wie auf den Fotos, warten wir eine halbe Stunde. Der vorherige Gast mĂŒsse erst noch das Zimmer verlassen.
âDarf ich es jetzt sehen?â Versuche ich es nochmal und erfahre, dass es nun gereinigt werde, aber in einer Stunde könnten wir es uns anschauen.
Stolzen Gesichtes wenden wir uns ab und fahren ein StĂŒck weiter⊠âErstmal eine halbe Stunde warten lassen⊠zhhh. â Vll sollten wir mal was Essen, um die Stimmung zu âŠ.?â PLATZ, BUMM, ZISCH. Megawatts Reifen platzt auf der Strandpromenader vor den frittenfressenden Touristen (teure Fritten 120 Bath). Wir halten an. Meine NĂŒstern beben, meine Hufen flattern: âAus allen NĂ€hten könnte ich platzen vor Wut, meine Stimme zittertâŠâ Dass mir ausgerechnet jetzt ein Kindergedicht in den Sinn kommt. Megawatt könnt ich nehmen und gegen die nĂ€chste Wand schmettern. Oder mich selbst an den Beinen packen & in zwei HĂ€lften reiĂen. Allein, ich kann Megawatts Hinterteil nicht mal anheben und möchte wirklich nicht zur Unterhaltung durch einen kleinen feurigen Wuttanz beitragen.
Adrian könnt ich auch gerad eine kleben, dafĂŒr, dass er einfach das Werkzeug rausholt und sich dazu anschickt, das Fahrrad zu reparieren.
Einmal tief durchatmen, von 10 an runterzĂ€hlen. Vll mal kurz auf den Bordsteinrand setzten. Der Puls â ihr wisst schon.
NĂ€chstes Ziel meiner Wutfantasien sind die Autofahrer, die nicht mal drei Sekunden warten können, wenn so ein fetter SUV auf der Seite des Gegenverkehrs 75 % der zweispurigen StraĂe fĂŒr sich allein beansprucht. Nein, wenn sie sich an den stehenden MotorrĂ€dern und Adrian mit 10 cm Abstand auch vorbeidrĂ€ngeln können. Was machts schon, Mensch âŠ. Ding? Ein kleiner Kratzer?
Die Comiclili wĂŒrde sich jetzt die beiden abgeschnallten orangenen Fahrradtaschen greifen, auf die Karosserie springen und dann ihre Fahrradtaschen gegen die Windschutzscheibe prĂŒgeln: âNa â Ist das NAH genug??!â
Die Wirklichkeitslili nimmt die orangenen Fahrradtaschen und versucht sie als Abstandhalter umzufunktionieren. Adrian, der sich nicht hinreichend ĂŒber die UnverschĂ€mtheit der Drecksautofahrer aufregt, packt sie vorsichtig zurĂŒck: âSolang ihr mich nicht totfahrt, bin ich euch nicht böse.â
Um den Tag rund zu machen: Der 8te Flicken auf Megawatts Schlauch will nicht mehr heilen. 2 œ cm klaffender Schlitz, nachdem ich hilfreich, hilfreich, den ersten Flicken wieder runtergepoppelt habe. Also nochmal neuer Schlauch.
Dann: Der gĂŒnstige StraĂenstand, den wir finden, der hat keine Fritten. NEIN! Keine Fritten! Kann es schlimmer kommen? Das teuer gebuchte Hostel: âdann aber bitte mit Pool und allem Drum & Dranâ hat weder Pool noch Fenster mit Tageslicht, geschweige denn, um das nochmal zu betonen, einen Pool.
Sonnensandstrand-Pattaya kann mich mal.
âWo man nicht lieben kann, da soll man vorĂŒbergehen.â
Der arme Nietzsche wĂŒrde sich bei diesem geistigen Missbrauch im Grabe umdrehen. Soll er doch! Mir egal! Alles Wichser â auĂer Ich.
đŸ Panthapapers
Manchmal kommt man durch eigentĂŒmliche Gegenden. Wir verlassen in den frĂŒhen Morgenstunden unser buntes Basin und fahren ĂŒber Berg und Tal auf eine zentrale Feste des thailĂ€ndischen Tourismus, auf Pattaya, zu. Mit CafĂ©s, Restaurants, Themen- und Abenteuerparks, BadestrĂ€nden und Taxis bewehrt trotzt diese Burg der Annehmlichkeiten allem pflichtschuldigen MissvergnĂŒgen, das einem der artbeitsame Alltag allzu gern und oft bereitet. Möchte man jedenfalls meinen.
Auf dem Weg dorthin, im Nichts der StraĂen zwischen Ort und Ort, stehen plötzlich gewaltige Passagiermaschinen, groĂe Flugzeuge, mitten in der Landschaft. âCoffee Warâ hat der schöpferische Genius dieses CafĂ©s seine StĂ€tte getauft und konzeptgetreu mit zahlreichen menschengroĂen Soldatenfiguren ausgestattet. Im Inneren soll es exquisite Kuchen geben, aber die Maschinengewehre, der Neigungswinkel der StraĂe und unser akuter Kaffee-FĂŒllstand im Moment der Vorbeifahrt lassen uns kuchenlos weiter rollen.
Nur wenige Hundert Meter weiter strecken sich die Exemplare einer gewaltigen Baumschule in die Höhe. Riesige TĂŒrme des Waldes mit allem Blatt- und Wurzelwerk stehen da in Plastik eingeschweist, fertig zum Abtransport. Um der KuriositĂ€t dieser Anlage noch einen Tupfer Naturkomik hinzuzufĂŒgen, hat man einen haushohen Hasen aus dem GebĂŒsch geschnetzelt. Er guckt mit immergrĂŒnen Augen auf die passierenden Reisenden, so auch auf uns.
Nach einer âSchweizer Schaffarmâ und einem Buddha-Relief, das man mit Laser in einen Berg (!) gebrannt und dann vergoldet hat, hören die Seltsamkeiten allmĂ€hlich auf. Wie schon gesagt, manchmal gerĂ€t man in eigentĂŒmliche Gegenden. Pattaya, die Bastion der Freude, erweist sich anschlieĂend leider als ein GefĂ€ngnis der Garstigkeit. Phex, der Gott der HĂ€ndler, Diebe und Reisenden, schickt uns einen platten Hinterreifen und missglĂŒckte Hotelerei. Grau in Grau in diesem tristen, fensterlosen Raum. Wie schön wĂ€re jetzt ein wenig Farbe.Â
