
đŠ Ponypapers
Ăhm, aber noch nicht mit dem Fahrrad, denn erstmal mĂŒssen wir unser Visum verlĂ€ngern, das sage und schreibe heute auslĂ€uft, wie uns genau heute auffĂ€llt.
Aufgrund leichter Anspannung verzichten wir aufs FrĂŒhstĂŒck, fahren zur Visastelle, BĂŒrokratie â blub, bla â und sind zur Nachmittagszeit zurĂŒck im Hostel.
Pflichtbewusst klettere ich ins blaugrĂŒne Nass und lass mich seitwĂ€rts treiben. Dann geht’s raus, ich wandere zurĂŒck zur Einstiegsstelle und nochmal treiben lassen.
Als âtoter Mannâ wende ich den Blick zur Meerseite und kann mir vorstellen, ich schwĂ€mme auf hoher See. Es wogen und tosen die grĂŒnen Wellen um mich, Gischt spritzt mir ins Gesicht, eine Welle ĂŒberfĂ€llt mich. Schon tauche ich erneut auf: Nur das weite Meer um mich, was ist nur geschehen?
SĂŒdthailĂ€ndische Piraten entfĂŒhrten uns, todesmutig sprangen wir in die Wellen, nur Meer um uns, stundenlang. In den Zeitungen wird man lesen von dieser Abenteuerfahrt, von unserer Flucht, all der Unwahrscheinlichkeit. Sage & schreibe ĂŒber 36 Stunden ĂŒberlebten sie im Wasser! Treibend!
Ob sie Angst hatten? Nein, sie glaubten ans Schicksal, an die Unsterblichkeit am Tag, an ihre Bestimmung!
Ups, da bin ich aber weit abgetrieben. Latsch wieder zurĂŒck zur Einstiegsstelle. Nur noch ein einziges Mal. Und schon bin ich auf hoher See. Treibend! Entkommen wir den Piraten, umschwimmen das Riff. Kriechen an den Strand mit letzter Kraft. Gerettet!
Hm, langsam zum Strand zurĂŒck spĂŒlen lassen, liegen bleiben, dösen. Ach, ich freue mich schon jetzt auf drei riesige Kugeln Eis mit Kokosnussgeschmack und Erdbeeren und Sahne. Ganz viel Sahne darf’s sein. Nach so viel Abenteuer!
đŸ Panthapapers
Der Grund, warum wir das Wochenende in Cha-am abgewartet haben, war die heutige VerlĂ€ngerung unseres Visums. Das zustĂ€ndige Immigration Office befindet sich hier in der NĂ€he und unsere ersten 30 Tage Thailand sind um. Zeit, die hiesige BĂŒrokratie zu erkunden.
Die ist, wie sich herausstellt, der unsrigen aber völlig gleich. Eine monströse Papiermaschine, voller LĂ€cherlichkeiten und AbsurditĂ€ten. Ich glaube, sie zu bewĂ€ltigen, ist eine der zehn ĂŒbermenschlichen Aufgaben, mit denen Caesar Asterix und Obelix belĂ€dt, um sie kleinzukriegen.
Aber ich erinnere mich nicht mehr, wie sie sie gemeistert haben. Nach ersten Wellen der Wut versuche ich die Angestellten zu verstehen. Wie meistens sind sie es ja, die den Kopf hinhalten mĂŒssen, wenn irgendein Dokument fehlt, eine Angabe inkorrekt war oder eine Adresse nicht geprĂŒft wurde.
Aber nachdem man uns mit der Auflage wieder wegschickt, eine ausgedruckte (!) Hotelbuchung vorzulegen (digital geht natĂŒrlich nicht, die Rezeptionistin lacht nur kurz und hart auf), obwohl hinter jedem einzelnen der fĂŒnf Schalter jeweils gut sichtbar ein tadelloser DinA4-Drucker steht â und ich wette, es gibt noch mehr in dem GebĂ€ude â, kehre ich doch zu meiner ersten EinschĂ€tzung zurĂŒck: Sadisten, die sind hier am Werke.
âWell, you have to find some shop somewhere on the marketâ, wirft sie uns desinteressiert ins Gesicht. Blöde Kuh. In irrer Hitze mĂŒssen wir auf der nahe gelegenen Autobahn herum kreuzen, um eine Druckerei zu finden. Deren freundliche EigentĂŒmer haben mich in ganz Asien glĂŒcklicherweise noch nie enttĂ€uscht.
Am Ende verlassen wir die SeelenmĂŒhle mit einem neuen Stempel. DreiĂig weitere Tage in Thailand. Und dass ich diese RĂ€ume nur einmal betreten muss und nun in die Freiheit fahren darf, ist Rache genug, denk ich bei mir. Diese zermĂŒrbten Geister mĂŒssen morgen erneut in die Presse. Und an jedem Tag, der noch folgen wird, wie alle Stempelschwinger dieser Welt. Kann sein, dass erst dieser Job euch ruiniert hat, und dafĂŒr hĂ€ttet ihr mein Mitleid. Aber das wĂŒrde mir sehr viel leichter fallen, wĂ€rt ihr etwas netter gewesen. Ganze fĂŒnf verdammte DinA4-Drucker.


