
🦄 Ponypapers
Wir machen noch einen Tag Pause, das Meer verlockt dazu. So türkis, so ruhig, so einladend. Der Respekt vor der Sonne bleibt.
Die Stirnadern haben sich noch nicht in den Kopf zurückgezogen & wir beide sind nun nicht ganz sicher, wo sie hingehören. Waren sie immer schon da und wurden nur durch die Haare verdeckt?
Wie lässt sich realistische Sorge und hypochondrischer Anfall auseinanderhalten, ohne genügend zeitlichen Abstand?
Ja, die Haarsammel-und-Zählversuche zur Überprüfung vorzeitigen Haarausfalls, das war die Hypochondrie. Die Umfangsmessungen des oberen Halses zur Beobachtung des Tumorwachstums erwiesen sich als genauso unnötig wie die Kartierung der Muttermale des rechten Beines, die im Nachhinein allenfalls von künstlerischem Interesse sein könnte. Aber die all jährliche Zahnkontrolle, die hätte ich nicht auf fünf Jahre dehnen sollen, nein – wirklich nicht!
🐾 Panthapapers
Man hat die Berge seit jeher als Wahrzeichen der Stabilität, der Ruhe, Dauer und des langen Atems verstanden. Schon Platon schrieb, wer die Berge liebe, der habe einen besonnenen Charakter, wer das Meer, der sei eine wilde und unbeständige Seele.
Ich habe das Meer aber immer für die höhere Entität gehalten, für “ewiger” sozusagen, wenn der Begriff einen Komparativ zuließe. Der Gedanke, dass schon hunderte, gar tausende von Generationen seit Beginn des Menschen an den immer gleichen Stränden entlang geschlendert sein müssen, dass die Wellen die Fußspußen eines Thales von Milet ebenso weggewischt haben wie die eines Napoleon, scheint mir der Relation zwischen uns und Unendlichkeit weit angemessener als das lautlose Schlummern der schweigsamen Steinklumpen.
Auf Bergen hinterlässt man keine Spuren, die verschwinden könnten. Jedenfalls nicht als einfacher Wanderer. Andererseits ist der Strand auch nicht das Meer. Und ein kleiner Hügel ist kein Berg. Auch wenn er sich auf dem Fahrrad wie einer anfühlt. Nach manchem berglichen Hügel ist also heute ein flachmeeriger Strandtag angesagt. Etwas Ewigkeit inklusive.
