Dienstag 5.3.2024 Fahrt nach Had Lamae (70 km)

🩄 Ponypapers

Wer hĂ€tte das fĂŒr möglich gehalten? Mein Rhythmus beginnt sich nach 5 Monaten fortdauernden Protests umzustellen. Wenn ich ganz brav um 21 Uhr ins Bett gehe, kann ich sogar um fĂŒnf oder sechs aufstehen, ohne am Mittag in katatonischer Starre auf dem Bett zu liegen und nur mein linkes Augenlid flattern zu lassen.

Obwohl wir sage & schreibe 70 km Strecke machen & Megawatt mich auf den letzten 13 im Stich lĂ€sst, verzichte ich auf den Mittagsschlaf und trolle mich mit Adrian ins Cafe zum Schreiben. 

Dabei sieht dieser lĂ€ngst nicht so fit aus mit seinen dĂ€monisch glasig-roten Augen. Ob der heut Abend wirklich fit fĂŒr Geschichte ist? Du kannst auch hier bleiben, rate ich ihm nicht ganz uneigennĂŒtzig. Aber ist ja klar, wenn ich schreiben kann, kann er auch schreiben, stur ist er da mit diesem komischen PflichtgefĂŒhl. 

Am Abend teilen wir uns einen großen, großen Fisch, klar reicht der fĂŒr zwei Personen – so wird uns versichert, aber wir könnten danach gleich nochmal dieselbe Menge verspeisen, begnĂŒgen uns aber schließlich mit einem scharfen Papaya-Salat, der einem die TrĂ€nen in die Augen treibt. 

Hm, diese Augen mir da gegenĂŒber – leicht verdĂ€chtig, so rot bebĂ€ndert. Aber kann das noch die SchĂ€rfe sein? “Du bist noch fit oder?” Adrian lĂ€chelt mich gequĂ€lt an, horcht einmal in sein Inneres und schĂŒttelt seinen Kopf. “Glaub, heute muss ich passen.” 

Na gut, dann werfe ich auch die Karten und wir strecken unsere Glieder lang ins Bett. 21 Uhr: Das SandmÀnnchen war da.

đŸŸ Panthapapers

Die Dunkelheit lĂ€sst alles bedrohlicher erscheinen. Seit jeher prĂ€ferieren die Kreaturen des Teufels die Nacht fĂŒr ihre sinistren Werke. Einzig Fliegen und Spinnen scheuen das offene Tageslicht nicht.

Es ist uns kaum einmal echte Feindseligkeit begegnet bisher in Thailand, aber als ich mit dem Rad durch die einsetzende Dunkelheit irre, um noch ein paar dringend benötigte Flaschen Wasser zu ergattern, beginnt selbst das Frieliebend-Sittsame sich in bedrohlich verbogene Masken zu kleiden. 

Hat mir einer dieser Jugendlichen gerade etwas hinterher gerufen? Lag da ein provokant-aggressiver Ton in seiner Stimme? Puh, diese Gestalten dort drĂŒben sehen arg heruntergekommen aus. Nicht dass sie mir noch in die Taschen


Vor einem Minimart sitzen drei MĂ€nner. Ich frage nach Wasser, aber schon im nĂ€chsten Moment ist klar, dass sie alle sturzbesoffen sind. Einer wendet behĂ€big den Kopf und schreit irgendwas in Richtung Hinterzimmer, der zweite lacht blöde. Ich verzieh’ mich schnell und fahr noch sechs Kilometer durch die Nacht, bis ich die begehrten Flaschen finde. Eilig trag ich die Beute ins Nest.

Dem Himmel sei Dank geht am nĂ€chsten Morgen wieder die Sonne auf. Ich blicke um mich und sehe nur lĂ€chelnde Gesichter. Der nĂ€chste Laden mit Wasser wĂ€r’ gleich um die Ecke gewesen. Ich hab ihn einfach nicht gesehen. Es muss wohl zu dunkel gewesen sein.

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