
đŠ Ponypapers
Doppelperspektive. Adrian hat Kopfweh & Gliederschmerzen, zu wenig getrunken oder zu wenig Salze gefuttert. Er versucht beides nachzuholen und liegt im Bett.
Na gut, dann versuche ich eben allein Strand und Meer zu erkunden, wenn er nicht mit mir spielen mag. Das Meer ist etwas schleimig und bis weit hinaus nur kniehoch, sodass ich mich in den Pool verziehe, bis die Sonne mich daraus vertreibt. Schnappe mir als nĂ€chstes mein Tagebuch und begebe mich zu einer â um hier genau zu sein: der einzigen â groĂformatigen HĂ€ngestuhlschaukel des Strandes, die im Schatten liegt. Auf dem Weg ĂŒberholen mich zwei Angestellte, die in Ă€hnlicher Richtung mit einer gefĂŒllten Schubkarre âUnratsâ unterwegs sind und wir grĂŒĂen uns lĂ€chelnd.
Schon mache ich es mir in meinem schwebenden Riesenstuhl bequem: Hierhin das Buch, dorthin der Kaffee, das Tablet zum Schreiben nebendran. Ach, bin ich perfekt eingerichtet. Schlage die Seite auf, greife zum Stift, schreibe die erste Seite und dann, ich blicke auf, steigt mir Rauch in die Nase.
Ahha, sie haben die Schubkarre mit all dem Unrat zum Strand gefahren, um ihn dort zu verbrennen. Nur sitze ich mit meinem Stuhl genau in der Rauch-Abzugszone.
Sie gucken hoch, mich an, scharren etwas Sand auf die Stelle, ich greif wieder nach dem Buch, dem Stift â ahhh, da kommt die nĂ€chste Welle Rauch. Einen Meter nach links haben sie die Stelle gelegt und ganz zögerlich, zurĂŒckhaltend wird da gekokelt, unter meiner Aufmerksamkeitsschwelle, das ist die Intention, sozusagen.
Noch ein weiteres Mal versuche ich Konzentration zu ballen, den Stift zu senken, aber meine Nase schnĂŒffelt nur nach Rauch und die kleine innere Stimme, die nach sozialer Anerkennung und Respekt in allen AusprĂ€gungen giert, fragt: Alarmstufe? WĂŒtend werden? Missachtung? Du immerhin Gast! Zahlender Gast!
Nein, nein, lohnt sich nicht, sich aufzuregen. Ich packe meine Sachen und weiche auf die nebenan gelegenen, kleinen, harten StĂŒhle aus und versuche eben dort weiterzuschreiben. Nun aber, da ich nicht mehr im direkten Rauchfeld bin, wird alle ZurĂŒckhaltung aufgegeben, nun wird gekokelt, was das Zeug hĂ€lt, Rauchschwaden ziehen ĂŒber den Strand schwarz und dick. Das HotelcafĂ©, mein Ziel, um mich nach getaner Arbeit ganz spieĂig zu belohnen, liegt ungĂŒnstigerweise hinter der Ursprungsschaukel, also mitten in den tiefen Rauchschwaden. Komplett unbetretbar. Aber wir sind ja auch fast die einzigen GĂ€ste â was muss man denn den FrĂŒhjahrsputz stören.
Na egal, das wird schon aufhören. Kann ja jetzt noch etwas mehr schreiben, spÀter Kaffee trinken, das wird doch nicht ewig weitergehen, dass sie ihren Strand berÀuchern.
Da allerdings irre ich mich. Nach einer Stunde vollster Missachtung meiner hochgĂ€stlichen Anwesenheit kommt dasjenige innere, von anderen Ichs durchaus nicht allzu hoch geschĂ€tzte Ich zum Schluss, âleicht empörtâ zu sein & an der Rezeption zu fragen, ab wieviel Uhr damit zu rechnen sei, dass das CafĂ© wieder betretbar und das Feuer fertig sei.
Das Cafe schlieĂe um vier, teilt man mir mit, also in einer Viertel Stunde. Die Frage allerdings, wann das Feuer beendet werde, bewegt die Rezeptionistin tatsĂ€chlich dazu, hinter der Theke hervor zu kriechen und sich vor Ort ein Bild von der umwölkten Strandlandschaft zu machen. Ich solle nur schon mal in das Cafe gehen, das sei kein Problem. Derweil anderen befohlen wird, schleunigst befohlen wird, das Feuer zu löschen, wĂŒrde ich nun mit meinem wiederhergestellten Gastrechte schnell den Ort des Geschehens verlassen. Ich gehöre nicht zu den Personen, die noch gerne in LokalitĂ€ten speisen, nachdem sie sich beim unterbezahlten Personal beschwert haben. Fehlendes Vertrauen & der leise, kleine Verdacht, der mir das GetrĂ€nk nicht ganz geheuer erscheinen lĂ€sst… Aber der Kaffee muss getrunken werden, ist ja klar, dazu bin ich verpflichtet.
Nach gelöschtem Feuer â das hat ein ganzes Weilchen gedauert â steh ich vor genau der Frau, die es gelöscht hat
âA Cappuccino?â Frage ich
âOh, no Cappuccino.â
âCoffee with milk?â
âNo.â
âNo milk?â
âNo milk.â
Verpflichtet hin oder her, ich trete den RĂŒckzug an.
âThank you very much.â
âThank you.â LĂ€chelt sie.
Und ja, da kann man nichts machen.
Da will man um halb drei mit der tĂ€glichen MĂŒllverbrennung beginnen â ist ja ne Menge ĂŒbrig geblieben von der Hochsaison, da geht diese eine Farangfrau genau zur Feuerstelle und macht es sich da bequem. Und wie sie es sich bequem macht. Nach Stunden sieht das aus. Da hĂ€lt man die vollgepackte Schubkarre in der Hand. Was soll man da machen?
Vll ein ganz klitze-kleines Feuer und wenn die Westlerin etwas Anstand hat, wird sie merken, dass sie den Betrieb stört. Ist ja sonst kein Gast da. Und was könnt sie schon glauben, dass die gesamte Anlage auf ihre Rechnung geht?
Na endlich, hat sie’s begriffen und verzieht sich. Aber warum gehst denn nicht ganz vom Strand weg, MĂ€del? Wir haben noch ne ordentliche Ladung.
Ach, schreiben tut die. Na, wenns ihr egal ist. Schnell alles anzĂŒnden und dann weg hier. Man will sich ja keine Vergiftung zuziehen.
Und dann â tatsĂ€chlich beschwert die kleine Fotze sich. Kaffee, Kaffee, aber bitte mit Sahne! Dir geb ich gleich Sahne. Immer nachmittags um halb drei ist Feuer, SchĂ€tzchen. Tourist hin, Tourist her, MĂŒll muss verbrannt werden.
Wie & jetzt, jetzt will sie noch nicht mal mehr Kaffee? Das Feuer ist aus. Deinetwegen und jetzt kein Kaffee mehr. Ja also âthank youâ du mich auch, Schlampe.
Aber, aber man kann doch nicht seine GĂ€ste??
Ich mein, das gesamte Café?
Ăber Stunden?
Also wenns nur eine gewesen wĂ€râŠ
Ich bin keine SpieĂerin.
Wirklich nicht.
Es tut mir leid.
Wenn wir erstmal die Haut von den Gesichtern kratzen, werden sie nicht schöner dadurch.
Ein Spruch fĂŒr den Ponykalender.
đŸ Panthapapers
KulturĂŒbergreifend pflegen die SĂŒdostasiaten den alten Brauch ihrer VorvĂ€ter, MĂŒll direkt vor Ort in ihrem eigenen oder dem nĂ€chstbesten fremden Garten zu verbrennen. Wozu auch ein umstĂ€ndliches Recycling betreiben, wenn ein anstĂ€ndiges Feuerzeug denselben Dienst verrichtet und jede Entsorgungsproblematik in Rauch auflöst.
Die Sonne setzt mir in letzter Zeit mehr und mehr zu. In meinem Kopf konkurrieren verschiedene Theorien miteinander, woran das liegen könnte. Sind sechs Liter Wasser pro Tag immer noch zu wenig FlĂŒssigkeit? Gehen durch das starke Schwitzen zu viele Salze verloren? Sind Klimaanlagen etwa doch gesundheitsschĂ€dlich? Beginnt die schmerzhafte Transformation in ein einheimisches, radelndes Tropeninsekt?
Viele Ideen, ĂŒber die man sich Gedanken machen kann, wĂ€hrend man mit pochendem SchĂ€del im Bett liegt. Angenehmer wĂ€re das allerdings, wenn man drauĂen sĂ€Ăe, bei frischer Brise vom Meer her, etwas zu schreiben unter der Hand oder etwas zu hören im Ohr. Aber dort, berichtet Lili, knistern die Abfall-Feuer. Dicke schwarze Schaden ziehen, sagt sie, durchs Freiluft-CafĂ©. Dann dröhnt mir der SchĂ€del besser doch hier drinnen. Ach, die Einheimischen und ihre BrĂ€uche.

