
đŠ Ponypapers
Die ausgiebigen Massagen haben Wirkung gezeigt. Die RĂŒckenschmerzen sind weg, die Kopfschmerzen sind wieder da. Wir mĂŒssen noch 110 km fahren und am 20.03. Thailand verlassen.
Es gibt ein Hostel in knapp 40 km Entfernung und eins nach den Bergen in 60.
Nach der ersten Pause (30 km) will Adrian nur noch eins. In das nĂ€chste Hostel. GestĂ€rkt von 4 sĂŒĂen GetrĂ€nken machen wir uns auf den Weg. Adrian wird ins Bett verfrachtet, ich eile noch schnell zum nĂ€chsten Seven Eleven, um alles zu besorgen, was das angeschlagene Herz begehrt: CashewnĂŒsse, gesalzene ErdnĂŒsse, Chips & Sneakers. Nach dem ausgiebigen Mahl liegen wir faul im Bett, auch ich kann erstaunlich gut schlafen.
Als ich nach Adrians Hand fasse, ist sie ganz heiĂ. âHast du Fieber?â
âNein.â
âDeine Augen sind ganz glasig. Bist du dir sicher?â
âJa, das ist kein Fieber.â
Ich reiche ihm das Thermometer, das will ich bewiesen sehen.
â38,6â. Der Junge kann wirklich erstaunlich schlecht einschĂ€tzen, wie schlecht es ihm geht, wennâs ihm schlecht geht.
đŸ Panthapapers
BĂŒcher sind eine schwere Last und daher denkbar ungeeignet fĂŒr lĂ€ngere Reisen auf dem Fahrrad. Dennoch sind wir beide sehr an den Konsum von Literatur gewöhnt und mĂŒssen es uns jedes Mal verkneifen, dicke WĂ€lzer einzupacken. Die BĂ€nde, in die wir unsere TagebucheintrĂ€ge schreiben, tragen allein einiges zum Gesamtgewicht bei. Ich bin deshalb sogar dazu ĂŒbergegangen, sie nach dem Abtippen zĂŒgig zu entsorgen.
In den ersten Monaten in Vietnam war der Textmangel noch kein Problem. Es liest dort sowieso niemand und man sieht auch kaum BĂŒcher in der Ăffentlichkeit. Ebenso in Kambodscha. Aber je weiter sĂŒdwĂ€rts man in Thailand kommt, desto hĂ€ufiger finden sich Regale und SchĂŒbe mit Lesestoff in CafĂ©s und Herbergen. Lili ist bereits einem spannenden Roman zum Opfer gefallen, der sich nun inmitten des ĂŒbrigen GepĂ€cks von Hotelbett zu Hotelbett tragen lĂ€sst. Alte Gewohnheiten wird man schwer los.
Ich habe ĂŒbrigens das Lesen fĂŒr die Fahrt durch HörbĂŒcher ersetzt. Seit Kurzem lausche ich z.B. Safranskis neuem Werk ĂŒber Kafka (âUm sein Leben schreibenâ). Heute steigern sich meine Kopfschmerzen allerdings zu Fieber. Völlig geplĂ€ttet und mit wirrem Geist liege ich in dem Zimmer, das Lili fĂŒr uns organisiert hat. Wir haben nur noch drei Tage, um ĂŒber das letzte Gebirge und die Grenze nach Malaysia zu kommen, bevor das Visum auslĂ€uft. Das letzte Gebirge! Wie soll ich da nur hinaufkommen in diesem Zustand?
Verwurschtelte, unklare PlĂ€ne mischen sich mit wabernden Visionen, FiebertrĂ€umen und einem rumorenden GefĂŒhl von Stress. Und zu alle dem liest jemand ein dickes Buch ĂŒber Kafka vor.

