
đŠ Ponypapers
Auch am nĂ€chsten Morgen betrĂ€gt die Temperatur stolze 38,6 Grad & dabei sind wir noch gar nicht losgefahren. Eigentlich wollt ich Adrian auf Megawatt setzen & voraus dĂŒsen lassen, aber so gehört er auf gar kein Rad, noch nicht mal eins, das praktisch von selber fĂ€hrt.
Trampen ist die nĂ€chste Idee, die Adrian gar nicht gut heiĂen will. Wir sollten uns lieber mal auf den Weg machen.
Aber die zahlreichen Pick-Ups? Die sind doch perfekt, um Fahrradfahrer und Pferdchen einzupacken. GroĂzĂŒgig bezahlen können wir auch.
Adrians WiderstĂ€nde schmelzen dahin und so stehen wir schon bald am Rand der SchnellstraĂe und versuchen uns in thailĂ€ndischen Tramp-Moves. Also die flache Hand mit der HandflĂ€che nach unten ausstrecken und langsame Bewegungen nach unten, als wĂŒrde man bitten âlangsamer fahren.â
20 Minuten wollen wir uns noch geben. Wir können ja auch nicht warten bis die Sonne immer höher steigt.
Und da plötzlich hĂ€lt ein Pick-Up. Nicht eins von den edel glĂ€nzenden, sondern eins von denen, die schon auf ein langes zufriedenes und ereignisreiches Leben auf Thailands StraĂen zurĂŒckblicken können.
Ich eile dorthin, deute auf unsere FahrrĂ€der. Sage, dass wir auch bezahlen können. – Nein, nein, kein Geld.
Gemeinsam mit dem Mann heben wir nach & nach unser gesamtes Hab & Gut auf die LadeflĂ€che und steigen ein. Automatisch greife ich nach dem Sicherheitsgurt. Der lĂ€sst sich nicht bewegen. Das Fenster ist voll geöffnet und als wir langsam die volle Fahrgeschwindigkeit erreichen, kommen mir Zweifel, dass es dies aus bloĂem Windkomfort ist.
Die Berge erstrecken sich lang. Hoch & runter fĂŒhrt der Weg, durch herrlichste Landschaft, aber weit, so weit. Erst jetzt wird uns klar, welch mörderische Tour dies mit Fieber geworden wĂ€r.
Hinter den Bergen halten wir in einem Cafe. Ob wir was essen wollen? Adrian kriegt zwei TeigbÀllchen, die er eigentlich mag, aber ich muss nur in sein Gesicht blicken, um zu wissen, dass er mit dem Essen ringt.
Ich derweil sitze vor meinem eigenen Problem, in diesem Fall eine Portion Reis mit getrocknetem Schweinefleisch.
Und ja, diesmal erreichen wir ganz eindeutig die Grenze dessen, was ich zu essen fĂ€hig bin. Und oh Mann, ich weiĂ, dass ich so ein verrĂ€terisches Gesicht habe, wenn mir etwas nicht schmeckt und ich gebe mir daher alle MĂŒhe, meine Mundwinkel nach oben zu ziehen. Langsam fĂŒhre ich mit der einen Hand einen Servietten-Bobbel ans Essen. Wenn niemand hinsieht, kann ich vielleicht ganz schnell zugreifen und eine Handvoll in meiner Hosentaschen verschwinden lassen. Leider missglĂŒckt das Manöver und so folgt noch ein weiterer Happen.
Ich stelle mir vor, ein Cowboy zu sein und ein Abenteurer. Hungrig und durstig vom Tag, gerettet allein von dieser herrlichen Portion zĂ€hen Trockenfleischs, auf die ich mich stĂŒrze, um sie zu verschlingen. Das Wasser muss mir im Mund zusammenlaufenâŠ
Aber ich scheitere, scheitere. Die letzten klÀglichen Reste meiner Schande kann ich nur mit einem Taschentuch bedecken.
Zum GlĂŒck geht’s schon weiter. Ein paar Scheine wechseln den Besitzer & unser hilfsbereiter Fahrer hat uns auch noch zum Essen eingeladen. Hier mĂŒsste er eigentlich abbiegen, versucht er uns verstĂ€ndlich zu machen. Ob wir zum Hafen wollen? Ja, da wollen wir hin. Die VerstĂ€ndigungsmöglichkeiten wie âDu kannst uns auch hier rauslassenâ oder âdas ist zu weit, wir wollen erst morgen ablegenâ sind zu begrenzt. 20 km spĂ€ter lĂ€sst er uns an der FĂ€hrstelle heraus und hilft uns die Sachen abzuladen. Wir bedanken uns und er lĂ€chelt zufrieden. Es ist auch schön, ein guter Mensch zu sein. Dieser Gedanke beschĂ€ftigt mich noch lange.
đŸ Panthapapers
Ich wache mit Kopfschmerzen aus einer fiebrigen Nacht auf. Wie nur ĂŒber die Berge kommen? Lili möchte trampen ausprobieren. Jemand soll uns, unsere RĂ€der und unser gesamtes GepĂ€ck einladen und bis nach Satun kutschieren. Ich halte das fĂŒr ein sinnloses und peinliches Unterfangen, aber ich werde eines Besseren belehrt und darf meinen trĂŒben, schmerzenden Kopf wenig spĂ€ter demĂŒtig und dankbar an die LederstĂŒtze im Innern eines Pickups lehnen, dessen unglaublich freundlicher Besitzer uns â ohne irgendein Geld anzunehmen â ĂŒber die Berge fĂ€hrt und ĂŒberdies noch mit Speis und Trank versorgt. Ich habe zu dem Zeitpunkt gar nicht genug klargedankliche KapazitĂ€ten, um das angemessen zu wĂŒrdigen, aber ich kann mich im Nachhinein nicht genug wundern.
Gegen Abend stöĂt R. zu uns, ein Freund aus dem heimatlichen Freiburg, der gerade in SĂŒdostasien unterwegs ist und uns eine Weile begleiten wird â und ein frisch approbierter Arzt, der seine FĂ€higkeiten gleich mal an mir zur Anwendung bringen darf. Vermutlich nichts Ernstes, sagt er nach der Untersuchung, Infekt oder Sonne. Das lĂ€sst ruhiger schlafen.

