Donnerstag 28.3.2024 Langkawi

🦄 Ponypapers

Zweimal war ich bisher auf Langkawi im Meer schwimmen. Das erste Mal noch eine recht motivierte halbe Stunde gemeinsam mit Raf:

“Sag mal, hast du die Quallen auch gespürt?” Frage ich ihn, als wir rausgehen. Kurz schaut er mich erstaunt an: “Du meinst das kleine Britzeln auf der Haut? Ja, jetzt wo du’s sagst.” Das zweite Mal ebenfalls mit Raf nur noch 10 Minuten direkt vor unserer Herberge.

Erneut habe ich den Eindruck, dass eine leichte, weiche Bewegung meine Hand streift, auch wenn es weniger britzelt. Und schon schleicht sich die nächte Warnung des auswärtigen Amtes in mein Bewusstsein. Da stand doch auch etwas über Würfelquallen…

Zu den Würfelquallen, generell hochgiftige Biester, wie ich eine Stunde später weiß, gehört auch die Seewespe, welche sage & schreibe die giftigste Qualle der Welt ist.

Mit bis zu 60 Tentakeln von 1,2 bis 3 Meter Länge, also einer rechnerischen Gesamtlänge von 180 Metern, könnte sie rein theoretisch – manche Wissenschafter haben einfach einen Hang zum Bizarren – über 100 Menschen auf einmal töten. 

Dieses Unternehmen dürfte ihr auf Langkawi allerdings schwer fallen, denn sie müsste schon tagelang um die Insel kreisen, um ihre Touristenzahl voll zu bekommen. Bei unserem ersten Bad sind außer uns noch 3 weitere Menschen in Sichtweite im Wasser, bei unserem zweiten Strandbesuch dösen die spärlichen Besucher auf Strandmatten. 

Also wen wunderts da, dass bislang trotz gelegentlichen Sichtungen noch kein Tourist gestorben ist? Auf Thailands Inseln Ko Pha-nga und Ko Samui  sind aus den Zwanzigzehnerjahren auch nur 2 Todesfälle dokumentiert. 

Unsere einheimische Herbergsmutter kommentiert meinen dritten Besuch im Wasser trotzdem mit erstaunt aufgerissen Augen: “You we’re swimming in the sea? So brave.” Dabei muss es doch verflucht unwahrscheinlich sein, von so ner Würfelqualle getötet zu werden. Und wäre es nicht außerdem ein sehr viel angenehmerer Tod als das, was das Alter so an Lungenkrebs, Demenz & Parkinson für uns bereithält? Mit gemischten Gefühlen gehe ich diesmal am Strand entlang.

Nein, dass man einfach nicht in diesem herrlichen Meer schwimmen gehen würde. Da zu widerstehen und nur seine Augen gleiten zu lassen.

Schon bin ich im Wasser. Keine Spur von Quallen. Kein Gebritzel. Na, das war doch ne gute Idee, es nochmal zu versuchen. Vll sind die Quallen nur zu einer bestimmten Wetterlage da und eine ganze Woche würde ich gar unnötigerweise dem herrlichen Blau fernbleiben.

Ach, wie herrlich, zwei Schwimmzüge. Das kühle Blau unter mir, der weite Himmel über mir. Sanft lasse ich mich treiben, schwimme weiter. Bis, nun ja, bis meine Hand volle Kanne in ein glitschiges Etwas stößt. Nein, keine leichte, gehauchte Berührung, nein, vielmehr ein fetter Wackelpuddingstoß. Schon verpassen mir meine Beine gehörig Antrieb: Raus, raus Richtung Strand. Oh je, nun bin ich mitten im Schwarm kleiner, unschuldiger Miniquallen. Kurz stehe ich im flachen Wasser, schwimme dann selbstbeherrscht gemächlich zurück. Adrian wartet an der Einstiegsstelle: “Na, alles gut? Keine Quallen? Das was ja nur eine kurze Schwimmrunde”, blitzen seine Augen spöttisch.

“Ach, weißt du, unser Ausblick so aufs Meer. Ich find, der genügt vorerst an Außergewöhnlichkeit….” 

🐾 Panthapapers

Vor unserem Hotelzimmer steht mit Blick aufs Meer ein wunderbar schattiger Platz unter zwei Kokospalmen. Das veranlasst Lili und mich, lange über die Gefährlichkeit fallender Kokosnüsse zu diskutieren, zu spekulieren und zu recherchieren. Zu meiner Verwunderung weiß das Internet nichts über dokumentierte Todesfälle durch herab sausende Kokosnüsse zu berichten. Einige Mythen, Falschmeldungen und dubiose mathematische Berechnungen ausgenommen.

Dabei scheint intuitiv klar zu sein, dass ein ungebremst herabstürzender Ball mit harter Schale mehr als nur weh tun muss. Auf vielen der Plantagen, an denen wir vorbei gefahren sind, wurden Affen auf die Bäume geschickt, um die Kokosnüsse herauszudrehen und nach unten zu werfen. Sie sahen nicht sehr glücklich aus mit ihren Leinen und Halsbändern. Wäre ich so ein Affe und wüsste von den physikalischen Gesetzen um das Fallen und Werfen, ich würde mit meinen Brüdern das Zielen üben.

Aber vielleicht schätze ich die Freiheit auch höher als man es sollte. Wir werden uns jedenfalls weder sicher noch einig, was die Risikobewertung angeht. Es hängen eine Menge Kokosnüsse da oben. Andererseits ist es ein wirklich schöner, schattiger Platz. Am Ende setzen wir uns dennoch woanders hin. Wo man nicht weiß, da muss man fürchten.

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