Montag 1.4.2024 Langkawi

🦄 Ponykalender I. 

Man spricht nicht über die Liebe. Man schweigt. Oder man schreibt.

🐾 Panthapapers

Die Schuhauszieh-Frage gehört zu den tieferen Mysterien Südostasiens. Wenn vor einer Türschwelle bereits einige Paare abgestreift herumliegen, geduldig ihrer Eigentümer Rückkehr harrend, darf man vermuten, dass man vor jener Schwelle sich seiner Besohlung ebenfalls entledigen und das dahinter liegende Areal barfuß betreten könnte und eventuell auch sollte.

Die den hohen Temperaturen angemessenen leichten Sandalen machen das immerhin einfacher als dies in Deutschlands Klima nötige feste Schuhwerk mit seinen mehreren Schichten an Leder, Gortex, Anti-Nässe- und Pro-Respirations-Textilien und mit den Schnüren, Haken, Klettbändern und Reißverschlüssen der Fall sein könnte.

Der alleinig vergleichbar flexible Schuh wie der asiatische Schlappen in unserer Heimat wäre der in Bayern übliche Gummistiefel, den man nach ausreichend Übung einander in einer einzigen Bewegung gegenseitig ausziehen kann, indem man reihum kräftig immer an dem des Nachbarn zieht. Da man damit aber bei jedem Wetter problemlos an jeden Ort gehen kann, der für den Bajuwaren wichtig ist, vom Wirtshaus in den Schweinestall, vom Schweinestall ins Ehebett, glaube ich nicht, dass er ihn überhaupt jemals auszieht.

Wie dem auch sei, einige Schuhe hier vor einer Schwelle künden jedenfalls von einem Entkleidungsgebot. Aber an vielen Raumübergängen sind solche Warnhinweise nicht gegeben, so dass man sich auf leisen Sohlen immer so weit in das nächste Zimmer hinein bewegt, dass man anhand der nächsten Person ausmachen kann, ob man sich in einer beschuhten oder unbeschuhten Gegend befindet. Oft genug hetzten wir eilig zurück zum letzten Safe Spot, um uns noch unbemerkt untenrum nackig zu machen. Aber viele Male war es auch schon zu spät und mit peinlich betretener Miene standen wir inmitten von Freifüßlern wie zwei Trampeltiere im Porzellanladen. 

Jedoch, als ob dies nicht genug der Herausforderung wäre, wird man nicht selten, möchte man sich gerade an einer offensichtlichen Shoes-Off-Zonenschwelle sittsam höflich entkleiden, mit großer Eindringlichkeit von den Bewohnern dazu angehalten, sich nicht zu bebarfußen. Nimmt man sie dann erschrocken beim Wort und stapft beherzt mit Staub und Straßendreck zwischen ihren zarten, unbesohlten Füßen herum, wird man erneut den Eindruck nicht los, gerade etwas falsch zu machen. Andererseits, ignoriert man ihren Protest und schmeißt mit großmütiger Geste seine Sandalen von sich, um dann nackt wie sie durch ihre heiligen Hallen zu tänzeln, vollzieht man damit nicht ebenfalls einen Tabubruch? Ist vielleicht nicht ein jeder berechtigt, auf ein und demselben Boden ohne Schuh zu wandeln?

Wirklich, ich weiß es nicht. Wie gesagt, es ist ein Mysterium. Der einzige Ort, an dem mir die einheimischen Gepflogenheiten hinsichtlich den Schuh-An/Schuh-Aus-Terrains egal waren, war das Klo. Ich gehe zur letzten Türschwelle, nehme mein Paar Treter, trage sie durch das ganze Haus, lasse sie vor dem Badezimmer auf den Boden fallen und steige dann gemächlich in meine schmutzigen, treuen Gefährten. So viele Leute pissen daneben. Keine Chance, dass ich das ohne Schuhe betrete. Zum Teufel mit diesen kulturellen Eigenheiten.

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