
🦄 Ponykalender III.
Vor unserem Selbstbild müssen wir zuweilen die anspruchsvollsten Stücke aufführen. Schade, dass auch der Regisseur im Publikum sitzt. Es ist so schwer, ihn vergessen zu machen.
🐾 Panthapapers
Der Wildlife-Park, den wir heute besuchen, ist, wie das Internet versprochen hat, beachtlich interaktiv. Eine zischelnde Python streicheln? Gern, klar, Foto her. Ich weiß nicht, wie zuverlässig das Betäubungsmittel ist, das sie dem armen Tier verabreicht haben, aber dass die Zooangestellte daneben nur hin und wieder etwas Wasser auf die schöne Haut des giftigen Räubers sprüht und ansonsten abgelenkt mit ihrem Handy beschäftigt ist, erfüllt mich nicht gerade mit Vertrauen. Ich bin froh, wieder aufstehen und der nächsten Besucherfamilie den Platz freiräumen zu dürfen, die auf der Schlange herum tatschen will.
Erstaunlich, welche Strukturen die Natur sich für die Haut ihrer Organismen hat einfallen lassen.
Und wie sehr sie sich voneinander unterscheiden. Wie haben diese plüschig butterweichen Säugetiere überhaupt jemals den Fleischwolf der Evolution überstehen können? Man sehe sich mal ein paar Reptilien an, wie zum Beispiel das Krokodil. So etwas Urtümlich-Steiniges ist das, ein knallharter Brocken, ein echtes Ungeheuer. Ja, selbst eine Riesenschildkröte ist nichts als ein wandelnder, watschelnder, dicker Felsen in der Landschaft. Wesen einer dunkleren, gewaltigeren Zeit sind das.
Daneben die Säugetiere wie Katzen, Hasen oder Meerschweinchen: kleine, knuddelige Kuscheltiere, zum Reinbeißen niedlich. Man ahnt unter dem weichen Fell schon das warme Fleisch, das heiße, pochende, leckere Blut. Da muss einem als Alligator ja das Wasser im Maul zusammenlaufen. Wie diese geborenen Beutetiere es angestellt haben, aus dem Jura in die Jetztzeit zu tapsen, ohne unterwegs von den größeren Fress- und Fetzmaschinen zermalmt und ausgelöscht zu werden und als Fehlentwicklung der Evolution, als kleiner, viel zu schwacher, hoffnungsloser Seitenzweig der Schöpfungsgeschichte vom Baum des Lebens abzufallen, ist mir ein frappierendes Rätsel.
Aber, selbstverständlich, ich bin dankbar, sehr dankbar für diese putzige Kuscheltier-Mutation, dankbar dafür, dass sie leben und daher auch ich lebe. Und natürlich dankbar dafür, dass ich es bin, der über die Schlange streicht – und nicht umgekehrt.


