Freitag 19.4.2024 Langkawi (92 km mit der Fähre, 34 km mit dem Rad)

🦄 Ponypapers

Da verließen wir die seligen Eilande und die Eidechsen und die Vögel und unsere Katze, begaben uns aufs Meer und ließen uns viele Stunden lang treiben. Wir erreichten das Land Noth, benannt nach den Müttern der Vertriebenen und Verlorenen und suchten Unterkunft in der handeltreibenden Stadt Kuala Perlis, einem bunten Schifferstädtchen an der Westküste eben jener Halbinsel, die wir vor einer halben Ewigkeit so ausführlich erkundet hatten. Hungrig waren wir aufgebrochen und voll der Sehnsucht. Ein Name hatte uns fortgeführt wie der Zauberspruch, der als Murmeln des Windes in den Laubbäumen rauschte und von den gelbgrünen Vöglein von Schnabel zu Schnabel getragen wurde, ein leises, geheimes Zwitschern, ein steter Ruf für diejenigen, die noch die rechten Ohren hatten, um die Botschaft zu entschlüsseln. Die “Perle des Orients” war der Ruf, das Flüstern, das Wetterleuchten, das wie die Gewitter, die Abend für Abend ihre Zeichen in den Himmel malten, Unruhe in unsere Glieder brachte und jene gefährlich gespannte Stimmung des Vorabends einer Tat zum Knistern. George Town war das Versprechen einer neueren, profaneren Zeit, das nur Durchgang zu einer alten Zeit und Schönheit zu sein vermochte, so mögen wir Aufgebrochenen, Umgebrochenen, wohl gedacht, wohl gehofft haben. Die Portale und Zugänge zu jenen würdigeren … älteren… vergangenen…lösten sich an den Rändern… zu – 

🐾 Panthapapers

Obwohl ein Freund von Meer und Küste, bin ich nie ein wahrhaft nautischer Mensch gewesen. Die Schifffahrt blieb mir stets fern und fremd. Der Hafen mit seinen eigentümlichen Gerüchen, das Gurgeln, Glucksen und Schwappen zwischen den Booten, das dunkelgrüne, algige Geflecht an den Steinen, am Holz, die scharfkantigen Muscheln, das ist die Heimat eines Geschlechts von anderem Kaliber. Massig und immer wie für Kreaturen von größeren Ausmaßen gebaut wirken die globigen Taue und Pfosten und Bojen. Wie leicht könnte alles hier um mich herum einem die Gliedmaßen zerdrücken. Es ist für andere Kräfte geschaffen, für die schweren Gewalten des Ozeans. 

Der ist still und dunkel und finster sein Grund. Vor knapp vier Milliarden Jahren ist er vom Himmel auf die Erde gefallen, das ganze verdampfte Wasser als Regen hernieder geprasselt, Jahrtausende lang, heißt es. Daran denke ich immer gern, wenn er mir zu unheimlich wird. Dass er auch mal da oben hing. Damals noch ohne all die Fische und den anderen glitschigen Kram drin. 

Bis er runter klatschte, hoch stieg, runter klatschte usw. und sich irgendwann ein Gleichgewicht aus Verdunstung und kondensation einspielte. Heute setzen wir mit der Fähre auf diesem alten Urgetüm aufs Festland über. Unsere Zeit auf Langkawi ist vorüber. Der Boden fühlt sich gleich verlässlicher an, sobald man wieder Festland-Festland unter den Füßen hat. Meint man jedenfalls. Aber das täuscht, wie sich morgen zeigen wird, als Megawatt sich mit den Hufen verhaspelt und seine Reiterin zu Sturze bringt. Arme Lili, Wunden müssen bepflastert werden. Der einzige Trost bleibt das nahe Meer.

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