Samstag 20.4.2024 Fahrt nach Kuala Kedah (56km)

🦄 Ponypapers

Haben wir also wieder festen Grund unter den Füßen? Nach den einstimmenden Kilometerchen und der langen Fährfahrt geht es jetzt die Küste entlang. Kleine Straßen, Kieswege, wenig Verkehr, viel Träumerei. Ist doch ganz nett so?

Leider ist der Tag wenig gnädig und lässt wenig Spielraum für Hoffnungen darauf, wie das Leben sich jenseits von Paradiesen lebt. Es ist heiß, wird noch heißer, wir sind auf einem Schotterweg und Megawatt donnert die Spurrille entlang, wo rechts und links die jeweils größeren Steine liegen. Ein Moment der Unsicherheit, das Vorderrad rattert über die Steine hinweg, das schwer bepackte Hinterrad mag nicht folgen, 3 Sekunden lang schlängelt sich Megawatt s-förmig über den Holperweg, während derer ich schon weiß, dass Megawatt mich abwerfen wird. Und dann liege ich auch schon im Kies.

Klar, dass ausgerechnet jetzt ein Auto auf dieser absolut leeren Straße hinter uns stehen bleiben muss und die Insassen süffisant-mitleidigen Blickes warten, bis wir Megawatt, das entglittene, zur Seite gedrängte und natürlich verhedderte Gepäck zur Seite bugsiert haben. In der Knalle-Sonne erfolgt die Bestandsaufnahme: Alle Glieder noch dran, sowohl bei Megawatt als auch bei mir. Seitlage, verschürft, mit kleinen Drecksstücken des Kiesweges in Handfläche und Bein integriert. Wir wischen Blut und Dreck mit reichlich Wasser aus, besprühen es mit unserem Desinfektionsspray für Oberflächen, wobei wir nicht ganz einig sind, ob dies eine gute oder schlechte Idee ist. Verpflastern alles doppelt und wollen das nächste und überhaupt erste Café an diesem Tag ansteuern.

Das allerdings gibt’s erst in 14 km Entfernung. Verärgert schwinge ich mich aufs Fahrrad. Scheiß-Drecksweg, blöde Autofahrer, diese Spurrinne, Kackkonzentration, Mistsonne- dreckig-gelbe Scheiße nochmal – ja, ich weiß, ich halte mich da nur an unsere lokal spezifischen Eigenheiten und Deutschland ist nun mal in seiner Schimpfwortwahl ein deutlich fäkalorientieres Land.

Der restliche Tag meint es auch nicht allzu freundlich mit uns, kurz nach dem Café verliert Megawatt seine Watts und ich meine Kopfhörer. Wegen den letzteren fahren wir zurück, ohne sie zu finden, derweil mein Daumen jetzt deutlich zu pochen anfängt. Nach weiteren fünf Kilometern stimmt der Kopf in den Rhythmus des Daumens ein, ich würd am liebsten Megawatt auf die Straße dreschen und jeden Autofahrer, der uns mutwillig ignorant ausbremst, obendrein. Nach zehn Kilometern erreichen wir endlich das Hostel, in das wir nicht einchecken, weil im Nebengebäude die Presslufthämmer in euphorischer Energie die Räume umgestalten. Offensichtlich gibt’s an diesem Konzert-Tag nicht nur eins in meinem Kopf. Rumpelstilzchen steht schon in den Startlöchern.

Noch zwei Kilometer und Rumpelstilzchen liegt wieder einmal im Liegestuhl des Foyers des nächsten Hostels, ihm ist einfach etwas schlecht von all der Sonne. Adrian trägt unsere Sachen nach oben. “Es ist immerhin ein günstiges”, versuche ich mich aufzumuntern. Nur 65 MYR und 50 für Deposit. Nur 13 Euro also? Naja, so hoffen wir zumindest eine halbe Stunde später. Denn ob wir noch was vom Deposit wiedersehen, nun, nachdem wir den Schlüssel ausversehen in zwei unbrauchbare Stücke geteilt haben, das bleibt an diesem Abend ungewiss.

🐾 Panthapapers

Man sollte sehr vorsichtig erwägen, wen man in sein Herz lässt. Und im besten Falle mit Gewalt oder Gegenliebe dafür sorgen, dass einen derjenige niemals mehr verlässt. Jedes Druckmittel, jede psychische Finte, jede Drohung, jede Fessel sollte einem recht sein, um den Auserwählten zu halten. Das klappt. Meistens jedenfalls. Es sei denn, das Schicksal spricht ein Machtwort. Leider spricht es kaum andere Worte. Ein kleines Kätzchen hat mein Herz erobert. Auf sanften Pfoten ist es hineingeschlichen. Ich habe die Tragödie geahnt und vieles getan, um sie draußen zu halten, aber Katzen sind Weltenwanderer und können mit etwas Geduld immer überall hin. So kam sie auch dort hinein. So ein Mistbiest. Ich hasse alle, die ich mag. Lili kann davon ein Lied singen. Immer tun sie einem weh. So auch jetzt. 

Während wir uns immer weiter von unserem Inselparadies entfernen, schmerzt es mit jedem Kilometer mehr in der Brust. Ich bin sicher, das blöde Vieh erinnert sich nicht einmal an unsere Gesichter. Vier Wochen Nähe waren wohl doch zu lange, um ihr zu entkommen. Ihren blöden Katzenschnupfen haben wir ja auch weg antibiotisiert, damit sie uns nicht vor der Nase weg krepiert. Und was haben wir jetzt davon? Nichts. Nur Sehnsucht.

Nach oben scrollen