
🦄 Ponypapers
Wir fahren durch den überfüllten insularen Stadtverkehr in die Innenstadt, um Weltkulturerbeluft zu schnuppern. Die Luft ist großstadtkonform, jedenfalls nicht dasjenige Gut, wegen dem man hier auftauchen sollte. Bei einem Kaffee – na gut, einer großen Portion Pommes mit Schnitzel für mich – beklagt sich Adrian über die Stadt. Nein, er würde sie jetzt schon nicht mögen, alles stressig, alles teuer, alles überfüllt. Ich, über meine Pommes gebeugt, bin ihr gegenüber deutlich positiver eingestellt. Nachdem wir unsere Sachen im Hostel abgeladen haben, spazieren wir durch die Stadt, die mir immer besser gefällt. So viele heruntergekommene Prachtbauten aus der Kolonialzeit, verziert mit chinesischen Spruchbändern und roten Lampions, Holzhäuser an muffigen Stegen aufs Meer hinaus, Garagenhäuser mit großen Fenstern und verschiedensten wehenden Gardinen und Rollladenvarianten. In einer Art von Vorgärten mindestens ein Zweirad oder ein kleiner verrosteter Anhänger. Und überall die Bilder an den Wänden, ein großes Freiluftmuseum, das ist George Town. Nicht in tote, kopfschmerzerzeugende Atmosphäre steriler Museen hat man die Bilder fürs Paradebürgertum gestellt, sondern überall wird gemalt und gewerkelt und gleitet Kunst in Kunsthandwerk und Leben hinüber. Auch Adrian sieht immer fröhlicher aus, die ganzen Bilder lassen langsam seine Abneigung bröckeln. In einem Café ergattern wir Karten der Streetart, da fällt der letzte Rest von Widerstand. Nachdem es uns zu unserer Zufriedenheit gelungen ist, in einem Jetty unter Einheimischen Abendessen zu ergattern, jage ich auf dem Weg heim ins Hostel noch ein paar Bilder. Adrian derweil passt auf, dass mir der Großstadtverkehr dabei nicht den Garaus macht.
🐾 Panthapapers
Georgetown ist berühmt für seine Streetart. An vielen, vielen Häuserfassaden haben Künstler große und kleine Gemälde hinterlassen. Wir verlassen heute endgültig unser Hochhaus am Strand und bestaunen die hiesigen Artisten. Und sind damit nicht die einzigen. Zahlreiche andere Touristen wollen ebenfalls die in der ganzen Stadt verstreuten Kunstwerke finden und zu einer einmaligen Fotosammlung auf ihrem Handy zusammenstellen. Dabei ist diese typische südostasiatische Großstadt wie die anderen ihre Art ganz und gar kein barrierefrei zugängliches Caro-Muster mit breiten Gehwegen und hübschen Promenaden, sondern ein wild verfilztes Gewächs aus Beton, Müll und Autoabgasen. Halb besinnungslos stolpern die entkräfteten Westler unter der kochenden Sonne durch den tödlichen Verkehr. Rasende Motorräder, zerbrochene und vollgeparkte Seitenwege, die plötzlich enden. Ganze Familien sieht man am Straßenrand in Gänsemarsch die Fahrbahn entlang taumeln. Kein Schatten in Sicht, nur die schwarz quellenden Wolken rußiger LKW-Auspuffs direkt vor ihren Gesichtern. So habe sie sich ihren Kulturgenuss-Ausflug nicht vorgestellt. Ich bin auch ganz froh, am Ende des Tages schließlich im Bett zusammenbrechen zu dürfen. Alles, alles für die Kunst. Wenn auch für die der anderen.


