
🦄 Ponypapers
Da wir heute nicht weit fahren müssen – ich habe eine besondere Herberge entdeckt, zu der wir hinstreben müssen – fahren wir etwas später los. Das Damai Laut Escape verspricht Erholung in der Natur in einer 45 qm großen Wohnung, mit Küchenzeile und Balkon, Blick ins Grüne auf Baumkronen und die Tallandschaft. Der Pool ist inklusive, der Golfplatz vorhanden, Meer in der Nähe, Seen zum Meditieren. Das alles für 20 Euro?
Natürlich erweist es sich als Fehler, spät loszufahren, denn auch 30 km können lang werden, wenn einem ein Reifen platzt. Es ist erneut Megawatts Hinterreifen, der Probleme macht, dabei ist er doch kaum einen Monat alt. Die letzten 10 km geht’s durchs hügelige Gelände, bergauf, bergab, und jemand hat sich etwas einfallen lassen, damit ein Touristenraser, der zu einer Unterkunft unterwegs ist (was anderes gibt’s hier nicht) nicht andere Golfertouristen über den Haufen fährt. Ganz unten an einem Hügel sind in einem 10-15 Meter Abstand Bremsschwellen in den Weg eingelassen. Für uns heißt das, dass wir, wenn wir den Berg heruntergerollt sind, komplett abbremsen, um dann schnell im ersten Gang die Steigung zu erklimmen. Das sollte man zumindest.. Aber in der Mittagshitze erscheint das kaum eine Option. Es ist so drückend heiß, dass ich nicht einmal im Schatten stehen bleiben will, um kurz ein Foto von der beeindruckenden Landschaft – Täler, Seen, wer weiß, ein Golfplatz – zu schießen.
Bald liegen wir im Schatten des Villenkomplexes. Ich raffe mich auf, unser Zimmer zu finden, eine Lobby gibt’s hier nirgends, denn auch im windstillen Schatten können wir nicht liegen bleiben, es besteht die Gefahr, nicht wieder aufzustehen. Endlich haben wir unsere Wohnung ergattert und sie ist wunderschön, der Blick ins Grüne, die Küchenzeile wie versprochen, ein Herd, ein riesiger Kühlschrank, ganz perfekt. Jetzt bräuchten wir nur etwas, um ihn zu füllen, jetzt bräuchten wir überhaupt irgendein Essen, aber die nächste Fressbude, der nächste Laden ist 10 km in die Richtung entfernt, aus der wir gekommen sind. Wir sinken auf unser großes weißes Bett und schließen die Augen, wir können uns vorstellen, wie wunderschön hier alles aussieht…
🐾 Panthapapers
Gestern hat sich Lili in ihre Haare pinke Strähnen färben lassen. Ein erstaunlich langwieriger Prozess, übrigens. Ich finde das gut. Identität ist ein Gefängnis. Die wenigen, die es in die Freiheit schaffen, werden dabei meistens verrückt.
Als ich das erste Mal in Südostasien war, habe ich meine kompletten Haare blond gefärbt. Ich fürchte, so weit würde ich heute nicht mehr gehen. Die Zellentür ist längst zu. Aber ich bin froh, wenn meine Freundin etwas wagt. Zumindest ihr Haupt einmal zwischen die Gitterstäbe schiebt. Was kann schon passieren außer ein paar Farbtupfer? Sie wird ja wohl nicht gleich nach den Schlüsseln angeln. Denke ich mir, während sie mit pinken Strähnen, goldener Sonnenbrille, Glitzer-Haarspangen und funkelnden Augen vor mir steht. Ich glaube, es wird Zeit für mich, die bunte Pony-Mütze aufzusetzen. Wenn, dann sollten wir gemeinsam ausbrechen.