
🦄 Ponypapers
Vorsorglich und optimistisch haben wir die längere Wegstrecke mit den kleineren Straßen gewählt. Die auf Google Maps als weiß und gelb gekennzeichneten kleineren Straßen erweisen sich allerdings allesamt als gut befahrene Schnellstraßen ohne Seitenstreifen. Hoch und runter, durch Licht und Schatten führt der Weg durch die schöne Palm- und Berglandschaft, von der wir wenig mitbekommen. Es gilt, den Lenker konzentriert gerade zu halten, wenn ein weiterer Laster in 10 cm Abstand vorbei donnert. Man scheint hier nichts davon zu ahnen, dass vollgepackte Fahrräder auf holprigen Fahrbahnrand schwanken können. Ein Laster erschreckt mich so sehr, dass ich von der Straße zu einem Ausflug ins Gebüschland aufbreche. Und nach einer weiteren halben Stunde, als ich im Grasbereich warte, das eine sich an einer Ampel angesammelte Reihe aufbrüllender Motoren schließlich an mir vorbei gezimmert ist, überlege ich ernsthaft zu streiken und zu erklären, dass ich nicht mehr weiter fahre, allerhöchstens noch bis zu nächsten Ausfahrt.
Dann allerdings kommt mir in den Sinn, dass mich diejenigen, die mich nach dem Thema meiner Doktorarbeit gefragt haben (“Gefährlich leben, gefährlich denken – eine Untersuchung von Nietzsches Philosophie”), gerne die Frage anschlossen, ob ich denn gefährlich lebe. Nun, bisher musst ich da immer leicht bekümmert den Kopf schütteln – ich ahnte, sie würden sich für einen längeren Vortrag über die Wagnisse der vita contemplativa nicht begeistern können (überhaupt hege ich manchmal den Verdacht, dass es keine rechte, echte Begeisterung für solche Vorträge gibt, außer unter Philosophen, vorausgesetzt natürlich, dass diese nicht die Zuhörenden sind – aber das versteht sich ja von selbst, lauschende Philosophen, das wäre ja ein Oxymoron…). Aber ab jetzt werde ich mit einer coolen Handbewegung abwinken, “naja also im Alltagsleben…” um dann von unten her frech in die Augen meines Gegenübers zu blitzen, provozierend, wer er denn sei, um sacht lakonisch hinzufügen “Aber auf Reisen ist das natürlich eine ganz andere Sache.” Ja, welch aufmunternder Gedanke, wie schön, sich das auszumalen. Wie gut zu leben, was man leben will. Ja, jetzt muss ich nur hoffen, dass es noch Gelegenheiten geben wird, mir diese Frage stellen zu lassen.
🐾 Panthapapers
Eigentlich wollten wir in der Unterkunft am Meer ab heute Station machen und glücklich sein. Aber unser Apartment ist eine heruntergekommene Schabracke. Außerdem ist sie äußerst ungünstig gelegen. In die Stadt fährt man bergab an lauter grünen Ampeln entlang, während man auf dem Rückweg bergauf strampeln und sich von roter Ampel zu roter Ampel vorwärts stoppen muss.
Unser Balkon ist vollvergittert. Man kommt sich vor wie in einem Gefängnis. Das Einzige, was nach Belieben kommen und gehen kann, sind Tauben und Kakerlaken. Wir haben zwei Nächte im Voraus gebucht. Ich schätze, die werden wir gemeinsam verbringen.
