Mittwoch 22.5.2024 Port Dickson

🦄 Ponypapers

Leider hat sich dieser so schön erhoffte Ort als Reinfall erwiesen. Durch die Gitterstäbe unseres Balkons kann man zwar das Meer sehen, man sieht aber mehr Gitter als Meer. Die trübe Beleuchtung verleiht dem Appartement eine triste Kelleratmosphäre, welche unsere Fantasie bereits mit huschenden Bewegungen im Schatten füllt. Die Matratze, auf die ich mich lege, ist feucht und als ich das Laken abziehe, werde ich der großen Schimmelflecken gewahr. Gut, dass wir hier nicht eine Woche bleiben. Wir wollten schon eine Woche bleiben.

Abends sitzen wir auf dem Balkon. Wir sind gekommen zu genießen, nun werden wir  genießen. Auch Adrian lässt sich von der ersten Kakerlake nicht aus der Ruhe bringen. Die zweite klettert bald geschwind unter das zusammengebrochene Sofa, die dritte verschwindet im Gulliloch und eine vierte kann er in Hab-Acht-Stellung im Blick behalten. Ich lege mich derweil mit meinen Unterhaltungskünsten mächtig ins Zeug, es ist nicht leicht, mit einer Kakerlake um Aufmerksamkeit zu konkurrieren. Aber noch hat Adrian nicht die Flucht ergriffen, noch sitzt er da, bewaffnet mit dem Mückenspray, seine Blicke huschen zum Sofa, zu Kakerlake Nr. 4, überprüfen einen möglichen Hinterhalt, wandern dann zu mir, sein Kopf nickt. Selten, selten ist seine Zustimmung so leicht zu erlangen. Trotzdem ahne ich meine künftige Niederlage, setze an zu feurigen Monologen, versuche seinen Blick zu fangen, zu fesseln, fast habe ichs geschafft, da – fliegt eine Kakerlake unkoordiniert im Zickzack, sie hat auch schon etwas Mückenspray gefressen über unsere Terrasse, wendet, kommt zurück, recht verwirrt. Da springt Adrian vom Stuhl ergreift ihn, schwingt ihn über dem Kopf, der Kakerlake entgegen. Als Stimme der Vernunft – ich sehe den Stuhl schon Schrott werden – schreite ich ein, schreiend: “Nicht mit dem Stuhl”, Adrian ist nicht zu bremsen, Stuhl donnert Kakerlake entgegen, Kakerlake weicht aus, umrundet Adrian. Da endlich fass ich die eine rettende Idee: “Flucht, Flucht!” Ich reiße die Balkontür auf, Adrian stürmt durch, wir schließen sie hinter uns und lehnen uns erschöpft gegen die Scheibe. 

Nur, bei den Göttern, in welchem von diesen Betten könnten wir noch Schlaf finden? 

🐾 Panthapapers

Der gestrige Abend ist ein Mordkonzert vor Meeresrauschen auf der Terasse. Unser Mückenschutzmittel mit dem hochgiftigen DEET wird auf alle Kakerlaken gesprüht, deren wir ansichtig werden. Von denen gibt es zahlreiche. Eigentlich zahllose, da sich kaum der Überblick behalten lässt, welche woher kam und wohin ging, und ob wir es gerade mit einem bereits besprühtem und nun sich im nervösen (sehr langwierigen) Todeskampf befindlichen Exemplar zu tun haben oder ob ein noch unbenetztes lebensfrisches Tierchen zwischen unseren Beinen Richtung Balkontür krabbeliert. 

Wir, wie gesagt, töten, was wir töten können. Es befindet sich noch ein ordentlicher Überschuss an Mückenschutzmittel in unserem Gepäck. Der muss sowieso alsbald mal aufgebraucht werden. Ich weiß nicht, wer nach uns diese Wohnung beziehen wird. Aber ich bin mir sicher, er findet hier keine Mücken mehr.

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