
đŠ Ponypapers
Man könnte ja denken, es gĂ€be nichts besseres als eine Gemeinschaft von Leuten, die emsig brĂŒtend ĂŒber den je eigenen Texten sitzt. Und in der Mittagsstunde, am Abend sitzt man in trauter Runde, erzĂ€hlt, bekommt zwei FeuerfĂŒnkchen Inspiration und darf sie andern Tags in seinen Text integrieren. Aber weit gefehlt. Die Wirklichkeit sieht anders aus, das Schaffen macht egozentrisch, ist ganz klar.
âDu Adrian, was meinst du, welches Krankheitsbild passt besser zum KĂŒnstler, Narzisst oder Histrioniker?â
âDu, wenn ich mal kurz stören darf, also diese Stelle von Nietzsche ĂŒber Schiller, da werden die LachtrĂ€nen laufen.â
âHast du Lust, etwas vom Essay vorgelesen zu bekommen? Wart nur, wart, nicht der ganze, nur diese Stelle hier, die ist ganz gut gewordenâŠâ
âHm, Lili, also obwohl dieses Konzept von den Nicht-Orten natĂŒrlich ein lĂ€cherliches Konzept ist, ist es doch ein schönes Wort â Nicht-Orte.â
âHabe jetzt doch weiter ĂŒber Nicht-Orte nachgedacht. Hilpoltstein war nie ein Ort zum Philosophieren. In Hilpoltstein â da konnte nichts passieren. Diese JahreâŠâ
âWenn ich es recht bedenke, ist auch der Strand kein Ort des Denkens. Ich glaub, ich habe mich selbst verwirrt mit diesem Konzept⊠Wo, denkst du, ist der Fehler?â
âWenn sie auch schreiben, Nietzsche und Wagner zur Zeit ihrer Freundschaft etc. etc. Das war doch nieâŠ., nicht wenn man den anderen als eigenes Sprachrohr gewinnen will, da war doch von Anfang an zu viel StrategieâŠâ
âUnd der Schmerz scheint auch ein ganz unterschiedlicher, das Schweigen, das Cosima und Wagner ĂŒber ihn breiten konnten⊠Und Elisabeths Worte? Als ob die was wert wĂ€ren.â
âTot schweigen ist das rechte Mittel fĂŒr einen rachsĂŒchtigen Charakter, wenn die Unsterblichkeit klopftâ
âLili, Zuhörer braucht die Welt. Das ist, was fehlt, dass jemand wirklich zuhören kann.â
âAdrian, du, da sagst du was. Genau das gleiche habe ich auch gerade gedacht. Aber wie bekomme ich das noch in den Text?â
âWenn man hier weiterdenken wĂŒrdeâŠâ
âOder schreiben⊠zum Thema.â
âDanke jedenfalls fĂŒrs GesprĂ€ch.â
âJa, ja, du auch. Lass uns das vertiefen — Ă€h die Orte, nicht wahr?â
đŸ Panthapapers
Bei unserem Einkauf kommen wir an einem der wenigen GeschĂ€fte vorbei, die harten Alkohol verkaufen. In Malaysia eine seltene Sache. Man merkt schon lange, bevor man sich dem Laden nĂ€hert, dass etwas nicht stimmt. Dass die Leute drum herum irgendwie kaputt aussehen, hĂ€sslichere Haut, hĂ€rtere Augen. Man fĂŒhlt die Anwesenheit von Schnaps wie man die PrĂ€senz des Teufels fĂŒhlt, solange man ihm noch nicht gehört. Ach, es ist eine proletarische Droge, ganz gleich, wie viel feinherbes Vokabular die Sommeliers dieser Welt auch erfinden mögen. Suff ist Suff. Egal wo.