Dienstag 28.5.2024 Port Dickson

🦄 Ponypapers

Es ist später Nachmittag, wenn ich an den anderen Häusern vorbei zur Treppe laufe, dann den Weg nach unten zum Pool. Es ist gerade die Zeit, wenn die Familien von ihren Ausflügen noch nicht zurück sind und daher die Kinder noch nicht das ganze Schwimmbecken erobert haben. Wieder einmal befinden wir uns an einem Ort, den ich nicht so ganz verstehe: Ein Golfresort. Mit Golf verbinde ich die hochgezüchtete Spießigkeit der Oberschicht und natürlich Reichtum, der sich endlich einmal vorführen darf. 

Eigentlich ein Ort, der tunlichst vermeiden sollte, dass hier Niedrigbudget-Touristen, Künstlerprekariat oder Westlerpack in Hippie-Pans aufschlägt. Schätzungsweise sind wir für das Zielpublikum ungefähr vergleichbar mit demjenigen, gegen das Adrian vor ein paar Tagen mit dem Stuhl gekämpft hat.

Aber wir sind nicht die einzigen, die nicht recht ins Bild passen. Der Kantine gelingt es ebenfalls nicht, weder mit ihrer Unentschiedenheit zwischen günstig und teuer, noch mit den kreisenden Fliegen und dem gelangweilten Personal. Die Familien, die eindeutigen Herrscher zwischen 8-11 und 17-20 Uhr, haben geschickt das Zepter übernommen. Sie scheinen mir doch ganz normale, laute, freie Familien der gehobenen Mittelschicht. Man erkennt doch immer, woher man stammt.

Sind diese 0815-Väter begnadete Golfer? Ist dies in Malaysia der Sport der Mittelschicht? Was ja gut zu verstehen wäre, vor allem für Männer über 30, die sich bei anderen Sportarten bei den Temperaturen sicherlich nur nen Herzschlag abholen würden. Gediegen von Schatten zu Schatten laufen, den Schläger schwingen, zwischendurch Kaffee trinken oder auch mal ein Bier. 

Dann seh ich ein asiatisches Mädchen mit Pferdeschwanz, kurzen weißen Faltenrock und Kniestrümpfen neben einer Golftasche auf dem Streichholzzentimeter-Rasen stehen und denke, dass nur diese da gerade aus einem Katalog in die Wirklichkeit gehopst ist.

Das Golfresort, die günstigste Absteige am Wochenende mit Swimmingpool und Balkon? Ein Ort der Begegnung und Versöhnung?

Inzwischen haben die Kinder den Pool erobert, ich winke einem malaysischen Mädchen ein Byebye zum Abschied, sie hat mich so nett angelächelt. Schon springt die Mutter mit der Handykamera heran und schüchtern bittet das Mädchen auf Anweisung der Mutter, ob man ein Foto machen darf? Darf man. Ist ja klar. Ein Ort der Versöhnung. Sanft fasse ich die Schulter des Mädchens, die Mutter schießt das Foto, Burkini und Bikini Arm in Arm. Habe ich’s jetzt begriffen?

🐾 Panthapapers

Im Vorbeifahren sehen wir ein dunkel verglastes Gebäude. Oben steht in großen Lettern “Baden Baden Bundle” und links daneben thront der deutsche Bundesadler. Erschreckender Einbruch ins Straßenbild. Brr, da läuft’s einem kalt den Rücken runter. Die Deutschen sind ein bizarres Volk. Hüa, hüa. Wie gut, davon galoppieren zu dürfen.

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