
🦄 Ponypapers
Heute sind wir zu einem Ausflug aufgebrochen, nicht weit, eine kleine Wanderung in ein Naturschutzgebiet, zu einem schönen Strand und einer Grotte unter dem Lighthouse. Unsere Idee ist, einfach an unserem Strand entlang zu gehen und ins Meer auszuweichen, sollten wir irgendwelchen Hindernissen begegnen, die uns den Weg versperren. Das erste Hindernis ist das Naturschutzgebiet selbst. Der Strand wird zum Schwemmgebiet und zum Mangrovenwald, wir knacken etwas durch das moosige Unterholz, bevor wir uns erinnern, dass so ziemlich alle garstigen und gefährlichen Tiere in den Mangrovenwäldern schlummern. Wir machen kehrt und beschließen, durch das Meer um die Halbinsel bis zur Grotte hindurch zu waten. War die erste Idee mit dem Mangrovenwald schon bescheiden, so ist die zweite wirklich schlecht.
In voller Mittagshitze tapsen und schleppen wir uns bald durchs Wasser. Der Sand ist so zäh, dass er einem die Schuhe von den Füßen reißen will. Ohne Schuhe gehts aber auch nicht, weil eine Menge scharfkantige Felsen einem sonst die Füße zerschneiden könnte. So kämpfen wir uns vorwärts und weiter, blicken auf einen müllverzierten Strandabschnitt des Mangrovenwaldes und machen Pause im Schatten. Unsere Anderhalbliterflasche ist bereits leer. Wir treten den Rückweg an und als ich endlich die Felsen hinter mir gelassen habe, ziehe ich die Schuhe aus, von denen der eine, wen wundert’s, schon kaputt und bänderlos ist. Dann gerate ich ein Felsengebiet und es gelingt mir in der hüfthohen Strömung nicht, die Schuhe anzuziehen und gleichzeitig meine anderen Sachen über Wasser zu halten. Es dauert ein ganzes Weilchen, bis ich in sandige Gefilde zurück navigiert habe, und danach sind die Füße, wie sollte es anders sein, zerschnitten.
Fürs erste ziehen wir uns ins Hotel zurück, lecken die Wunden, befüllen die Wasserflasche erneut und ziehen dann mit unseren Pferdchen wieder los. Diesmal gehts direkten Wegs zur blauen Lagune, in die ich mich ja auch sofort stürzen wollen würde, aber ich darf nicht. Adrian will mich zur Grotte bringen, komme was wolle. Ein Abenteuer wollt ich haben, ein Abenteuer soll ich kriegen. Tatsächlich, hier sind ja richtige Wanderwege, da ist ja richtiger Dschungel, stellen wir fest, während wir auf unseren Schlüpflatschen den Hang hinunter schlittern. Affen gibts da und Urwaldpflanzen und Riesenschmetterlinge. Jetzt entdecken wir einen noch schöneren Strandabschnitt mit herrlich türkisblauem Wasser. Zur Grotte führt aber ein anderer Weg. Noch einmal hoch und dann weiter, dann wieder hinab. Etwas gequält blicke ich Adrian an, hier finde ichs auch schön. So ne Grotte, wen interessiert schon ne Grotte unter nem Lighthouse? Das kann ja nur schöner klingen als es ist. Adrian zieht mich den Hang hoch und treibt mich den Hauptweg entlang weiter. Der zweite Schlitterabstieg beginnt in der Dämmerung. Die letzten Touristen haben wir beim Lighthouse, einem modernen Leuchtturm (eine traurige Angelegenheit) hinter uns gelassen. Langsam den schmalen Pfad entlang, hier unter der Liane durch und da den Weg weiter. Oder war es der andere? Das Meeresrauschen weist uns den Weg.
Keine Menschen weit und breit. Ein einsamer Strand, bewohnt von einem Waran. Keine Grotte. Ich schaue mich um? Wo sind wir gelandet? Als ich sehe, wie das Meer eine leere Flasche zu uns hintreibt, und ich dann plötzlich hunderte von ihnen entdecke, wird mir plötzlich alles klar. Wir sind in Flaschenland, dem Traumland meiner Kindheit, dort wo die Post in Flaschen übers Meer geschickt wird und als Treibgut unter Treibgut gefunden werden muss.
Nur sieht Flaschenland ein wenig anders aus, als ich es mir vorgestellt habe. Aber so ist es mit Träumen und Traumländern immer ein wenig – da kann man nichts machen. Ja, man sollte sich überlegen, ob man Seifenblasen wirklich ihre Verwirklichung antun sollte.
🐾 Panthapapers
Die letzten Tage. Müssen wir nicht noch nützen, was wir übrig haben? Schnell alles sehen, alles erkunden, alles beabenteuern? Auf, auf in die Weite, oder zumindest bis hin zum nächstgelegenen Horizont und irgendwas Gefährliches unternehmen. Lili blutend, Adrian erschöpft, kehren wir am Ende dieses Tages ins Hotel zurück. Reicher an Erfahrung und ein paar Fotos. Das tat gut. Vielleicht ruhen wir uns morgen etwas aus.



