
🦄 Ponypapers
70 km.
Unter unheilverkündenden Himmel begeben wir uns endlich wieder auf die Fahrt. Vor allem Adrian ist ganz fröhlich und flattert vor Aufregung mit seinen Flügen auf & ab: „Sieh hier nur der Tempel, mit künstlichem Berg – einfach so in die Ortschaft gesetzt! Wer denkt sich denn sowas aus? Hm, also zwischen diese beiden Wohnhäuser würde sich ganz gut ein Zementberg machen?“
Wir versuchen wegen meiner Angeschlagenheit viele Kaffeepausen zu machen und vergessen zu essen & zu trinken. Außerdem müssen wir langsam mal zügig machen, denn wir verlieren Zeit durch einen ausgiebige Regenschauer, die Feldwege mit den Schlaglöchern, wo man nur unter 10 km/h fahren kann, wenn man keinen platten Reifen haben will & wegen dem platten Reifen, der den Schlaglöchern geschuldet ist.
Mag Megawatt auch ein Kriegsross sein, neue Hufeisen braucht es genauso wie jedes andere Pferd. Es wird wirklich mal Zeit, die nötigen Ersatzteile (ein bis drei Dutzend Schläuche) zu besorgen. Die letzen 25 km fahren wir auf der Schnellstraße und ihrer volltönenden Geräuschkulisse, dann kommen wir bei der Van Lam Villa an. Ich im üblichen desaströsen Zustand.
Adrian schaufelt noch etwas gebratenen Reis in mich hinein, bevor er mich ins Bett wirft. Leider ist 21 Uhr eine frühe Bettgehzeit und um 3 werde ich vom Hahn geweckt & Adrian um halb vier von Hustenanfällen. Die restliche Nacht ist nicht mehr der Rede wert.
🐾 Panthapapers
Heute geht es endlich weiter. Eine lange Tour, eine noch auskränkelnde Lili, ein heißer, schwüler Tag mit drohendem Gewitter, natürlich einer Reifenpanne und schließlich unserer Ankunft in Ninh Binh, einem wahren Touristenort. Sehr verwunderlich, aus den Dörfern kommend plötzlich inmitten von Deutschen aufzutauchen.
Auf einmal fährt neben mir ein konversationsaffiner Engländer oder Amerikaner. Nach längerer Unterhaltung teilt er mir mit, dass er das Gespräch gerade live auf Twitch streamt. Ich verabschiede mich schnell.
Am liebsten aber würde auch ich meinen Blick vom Rad immer wieder gerne aufzeichnen. All die kleinen Geschäftchen am Straßenrand, Familien auf Mopeds oder auch Geflügelkäfige, viel zu lange Bambusstangen, grotesk waghalsige Kisten-Konstruktionen, zwei Menschenlängen in Höhe und Breite auf dem kleinen Rücksitz montiert. Dann die Reisfelder und die Bauern, die Wasserbüffel, dort durchkämmt einer mit dem Minensuchgerät misstrauisch ein Fleckchen Erde. Die Kinder, wie sie „Hello“ rufen.
All das kann man nicht in Touristenzentren mit hinein nehmen, wo man Teil der Masse wird und die eigenen Erlebnisse zu Massenerlebnissen. Daran lässt sich nichts ändern. Es sei denn, man macht es wie der dreiste Interviewer von heute und nimmt einfach alles und alle auf Kamera auf.
