Sonntag 29.10. Ninh Binh

🦄 Ponypapers

Wir erkunden den Ort, den umliegenden Sumpf & bewundern die Berglandschaft. Um mich nicht in meines Schreibtalentes unwürdigen positiven Landschaftsbeschreibungen zu ergehen: Sie ist wunderschön.

Ich jage Schmetterlinge und Blumen, derweil A. über tiefsinnige, philosophische Probleme nachdenkt (Wird der Mensch destruktiv & autoaggressiv, wenn er keine pos. Herausforderungen für sich findet? Inwiefern genießt der Mensch beängstigende Situationen wie Abenteuer, Natur? Wie ist das Verhältnis zwischen Eigenmächtigkeit (Aktivität) und Ausgeliefertsein (Passivität)? Warum tun wir Dinge nicht, die wir tun wollen? Inwiefern unterscheidet sich diese Frage von: Warum tun wir Dinge, die wir nicht tun wollen? Welche Willen gibt es? Inwiefern sind sie mit dem Ich identisch oder von ihm zu trennen?)

Gegen Abend gehts mir schlechter, was mich auf den Husten sehr wütend macht. Adrian besticht meine Laune mit einer gegrillten, knusprigen (!) Ente, die an einem Spieß über dem Feuer hängt und mir trotz Krankheit das Wasser im Mund zusammen laufen lässt.

🐾 Panthapapers 

Wir erkunden die Gegend, Felsen von Schwemmland umgeben. Trotz der zweifellos ästhetisch äußerst einnehmenden Szenerie stelle ich mir vor, wie unangenehm es sein muss, dieses Gebiet als amerikanischer Soldat zu durchqueren. Ich hätte den Dschungel gehasst, denk ich bei mir, während Lili Fotos von Seerosenblättern macht. Die Hitze, die Mücken, die taktischen Unwägbarkeiten, die Spinnen und so viel durch Wasser zu waten, dessen Grund man nicht sieht. Selbst kleinste Gruppen mit ein paar Gewehren auf diesen Felsen reichen bestimmt für ein halbes Massaker hier unten aus. Wir gehen etwas weiter, eine hübsche Pagode im Nachmittagslicht. Obwohl er für mich nie zuvor ein wichtiges Thema war, denke ich fast jeden Tag, seit wir hier sind, an den Krieg in Vietnam. In Hanoi hat einmal auf der Straße ein Mann mit leuchtenden Augen nach meiner Hand gegriffen, etwas gebrabbelt und sie enthusiastisch geschüttelt. Es wirkte so, als würde er sich irrsinnig freuen, uns in seinem Land willkommen heißen zu können. Vielleicht war er einfach verrückt, höchstwahrscheinlich haben wir einander völlig missverstanden, aber für mich ist es so, als hätte er gesagt: „Gott sei Dank kein Krieg.“ Vietnamesen leben in Deutschland und Deutsche reisen durch Vietnam. In den Abendstunden schallt laut der Singsang aus den Karaoke-Bars über den Fluss. Das sind Städte im Frieden, wo keine Bomben fallen, kommt mir in den Sinn. Und wenn etwas einen Handschlag und ein Missverständnis wert ist, dann das.

Wir schlendern und radeln noch ein wenig durch die Gegend, bis es dunkel wird, und machen uns dann an den Rückweg. Die Nacht gehört hier wie andernorts der Tierwelt. Und die kennt nur Kampf und Fraß und Tod und findet leider niemals Frieden. Zum Diner gibt’s Ente, gebraten.

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