Dienstag 31.10. Ninh Binh

🦄 Ponypapers

Höchste Zeit sich für gesund zu erklären. Ich gebe dem laschen Leben also noch ne Woche Schonfrist & dann wird gefeiert, wie’s sich gehört.

Mit nem Boot durch die Grotten, so ist der Plan. Durch meinen lapidaren Einwand, so eine touristische Verladestation bräuchte es für mich gar nicht so unbedingt, fällt die Bootsfahrt ins Wasser.

Zur Strafe soll’s hinauf auf den Berg gehen, da hilft kein Jammern und Flehen, noch nicht mal das vorher von A. vorgebrachte Argument, dass es doch gerade die Unterwassergrotten seien, für die all die Menschen hierhin kämen, und gerade die einzigartige & sicherlich allerletzte Gelegenheit, sie zu sehen. Anstatt dass ich vorne im Bug des Bootes vor mich hin dämmere, werde ich also nen Berg erklimmen.

Dass ich dort als vollreife Tomate ankomme, ist eher eine Untertreibung. Fallobst – so sieht’s aus & wie das so aussieht, wenn ne vollreife Tomate auf dem Boden landet, könnt ihr euch ja vorstellen – oder nicht?

Auf 3/4 Höhe hänge ich über dem Geländer und tue so, als würde ich die Landschaft bewundern, alldieweil mein Puls einen beängstigenden Ritt hin legt. Langsam zu Atem gekommen, knack ich abwesend ein paar von den weichen Nüssen, die hier überall herumliegen – bis Adrian mich fragt, was ich da eigentlich die ganze Zeit mit dieser Ziegenkacke tue. Nun ja… 

Letzter Rest von Selbstbewusstsein restauriert sich erst auf dem Gipfel, wo man den Drachen (Steinskulptur, Riesendrache) auf löchrig-spitzen Steinen entlang klettern kann. Hier scheiden sich die Geister. Kurzer Touristenstau, als die Mehrheit begreift, auf welch ungesichertem Untergrund sie sich plöztlich befindet, und nach einem Meter ungelenker Erkundung tunlichst den empfohlenen Rückweg antritt. Nur die wagemutig Verwegnen gelangen bis zur Spitze. Wer muss da raten, wohin Tomati gelangt?

🐾 Panthapapers 

Lili geht es immer besser. Wir steigen auf die Höhen über der Mua Cave. Mönche haben hier einst Stufen in den Felsen hauen lassen. Das Gestein ist scharfkantig, dunkel und hat zahlreiche kleine Ausbuchtungen. Beim Herumkraxeln komme ich mir vor wie der weichfleischige, blasshäutige kleine Hobbit Frodo, als er die ruppigen Berge Mordors besteigt. Das muss auch wehgetan haben. Trotzdem war es für die Mönche vermutlich ein guter Ort zum Meditieren. Von Sauron wussten sie ja nichts. Und das mit dem Fasten fiel ohne Inklusiv-Frühstück sicher auch leichter. Was sie wohl gedacht haben mögen, als sie von hier oben herab auf die Bauern schauten, die da unten im Tal durch den Schlamm wateten und die Reisfelder bearbeiteten? Es ist erstaunlich, was Räume mit dem Denken machen. Bei all dem Wind und der schädelbrennenden Sonne kam ihnen vielleicht in den Sinn, dass sie nur noch ein paar Reiskörner weniger aus dem irdenen Tal würden essen müssen, um endgültig abzuheben und mit den Funken im Himmel davon zu tanzen. Und was wohl der Bauer im Felde dachte, wenn er während der Schufterei einmal innehielt und zum Berge aufblickte?

Nun sind Mönch und Landwirt fort, die herben Felsenstufen wurden mit Beton übergossen, um leichter begehbar zu sein, und Massen an quietschbunten Touristen wie uns bahnen sich den Weg hinauf zum Erlebnis. Am Gipfel angekommen schaut man hinab auf den Fluss, wo Kanus ebenfalls Touristen befördern, ein endloser Strom an neonfarbenen Rettungswesten. Man will nicht, dass die Besucher im knietiefen Wasser ertrinken. Von oben schaut man nach unten. Von unten blickt man hinan. Und ich bin sicher, beide denken ungefähr dasselbe.

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