
🦄 Ponypapers
Ein rasch zerflossener Tag. Nach der Tempelerkundung am Berghang, gehts zum Schreiben ins Café und anschließend wird ausgiebig der Pool der Van Lam Villa genutzt, der groß genug ist, um Bahnen zu schwimmen. Habe ihn lange Zeit für mich, dann kommt ein Typ, der am Rand des Beckens erst mal eine Runde Liegestütze macht, bevor er kraulend eine Bahn an mir vorbei zieht. Habe aus Trotz keine Lust, mich ein zweites Mal überholen zu lassen und nach drei Runden sitzt er mit bebendem Brustkorb am Beckenrand. Haha!
Auch später bekomme ich Gelegenheit, meine Toughness unter Beweis zu stellen. Eine Riesenhornisse hat sich in unser Hostelzimmer geschlichen. Mit einem Glas und der Getränkekarte bewaffnet, nähre ich mich meinem Gegner. Puh, aus der Nähe betrachtet sieht sie noch furchtbarer und so viel größer aus. Wir stehen uns gegenüber, Angesicht zu Angesicht. Die Hornisse gewinnt den Zwinkerkampf. Ich beschließe mich besser zu rüsten und ziehe meine Kampfmontur an: Sonnenbrille & Fahrradhandschuhe. Und bloß den Mund nicht aufmachen, gebe ich mir den letzten Ratschlag.
Wieder mit dem Glas in der Hand schleiche ich mich nach vorne. Zittere & Zögere. Das Glas ist einfach viel zu klein. Ich werds daneben hauen oder noch schlimmer – nur die Hälfte der Hornisse erwischen. A. rettet mich vorm Zweikampf und drückt mir eine aufgeschnittene 5-Liter-Flasche in die Hand. Nun kann man auch trotz zittrigen Abzugs das Opfer treffen.
Wir tragen die in Gewahrsam genommene Hornisse nach draußen und entlassen sie in die Freiheit. Nun sind wir bereit, es mit der Wildnis aufzunehmen.
🐾 Panthapapers
Besuch in der Bich Dong Pagode. Rätselhafte Statuen. Wir wissen viel zu wenig, um die Figuren richtig zu verstehen. Andererseits geht es den meisten Europäern in jeder christlichen Kirche genauso. Jesus identifiziert man noch, Maria ist ja klar. Aber Heilige?
Vermutlich ist es hier für die Menschen das gleiche. Ist das da ein Gott, ein Prophet oder nur ein wichtiger Herrscher? So viel Gold strahlt einem entgegen. Darunter, natürlich, die Gaben. Ich rate aufgrund meiner kürzlich gemachten Erfahrungen dezent von dem vielen Süßkram ab, den die Ahnen der Urzeit offenbar favorisieren. Er produziert irgendwann ganz entsetzliche Bauchkrämpfe.
Eine Statue hat zehn goldene Armen, eine andere tanzt. Die Langohrigen sind vermutlich Buddhas, manche schauen recht ungerührt, andere kommen mir arrogant vor, wieder andere mitleidig. Was sie wohl erkannt haben wollen? Nur eines haben sie alle gemeinsam: sie schweigen. Ich frage mich, wie wohl Figuren aussehen könnten für heutige „Götter“. Wir verlassen den Ort überkommener Spiritualität und widmen uns erneut den irdischen Spezialitäten.
