Freitag 3.11. Cuc Phuong Nationalpark

🦄 Ponypapers

ca. 20 km im Nationalpark auf und ab.

Henri Carrefour & Godhelp Stevenson erkunden Fauna & Flora des Nationalparks. Siehe Logbuch.

🐾 Panthapapers 

Gerädert von den Anstrengungen des letzten Tages, den Wirren vergangener Nacht und dem dröhnenden Laubbläser am neuen Morgen steuern wir leicht desolat in unseren heutigen Ausflug.

Warum wir kein Essen mitnehmen, ist mir im Nachhinein ein Rätsel. Es stellt sich jedenfalls heraus, dass der Dschungel keineswegs flach (wie stets bei den Drohnenflügen über den Amazonas zu sehen), sondern sehr hügelig ist, und dass die breiten Blätter keinesfalls vor Hitze schützen. 

Wir arbeiten uns mit wachsendem Heißhunger nahe am Schwächeanfall ins Zentrum des Parks vor. Trotz gemäßigtem geistigem Aufnahmevermögen ist die Pflanzenwelt äußerst eindrucksvoll. Manches kommt einem bekannt, aber um ein Vielfaches vergrößert vor. Das dort könnten die Blätter eines Rettichs, das die eines Weißkohls in einem mitteleuropäischen Gemüsegarten sein, nur dass diesmal wir die kleinen Schnecken wären, die langsam zu dem Blattwerk hinauf kriechen müssten. 

Und trotz des Bekannten viel Fremdes. Es gibt eine eigene Tropen-Ästhetik. Zugleich einen seltsamen Widerspruch zwischen der prallen leuchtenden Auffälligkeit mancher Tiere und der Notwendigkeit, sich zu tarnen und zu verstecken. Als hätte die Natur sich nicht entscheiden können. 

Wir jedenfalls kommen ganz passend mit grell roten Köpfen und animalisch hungrigen Mägen endlich im Parkzentrum an, wo man uns glücklicherweise bewirtet. Wir bestellen in mehreren Schüben, bis wir uns für die Rückreise gerüstet wähnen. Im übrigen ist – wie erwartet – alles, was man über Klamotten für die Tropen hört, vollkommener Unsinn bei unsereinem. Lange helle Kleidung, am besten noch in mehreren Schichten? So ein Quatsch und das beste Outfit für einen Hitzetod.

Zugegeben, die Eingeborenen schuften tatsächlich in voller Montur unter dem Praios-Rund auf dem Feld oder der Baustelle. Aber dem muss eine lange Phase physiologischer Gewöhnung voran gegangen sein, anders ist es mir nicht erklärlich. Für unsere korpulenten, im ruhigen westlichen Abendlich groß- und breitgewordenen Massekörper jedoch ist die hiesige Strapaze weder in mehrlagiger langer deutscher Winterkleidung noch in weicher Hanf-Klamotte für luftige Yachten-Ausflüge zu überstehen. Alles aus Baumwolle oder Leinen ist schon während des Anziehens von Schweiß durchtränkt, klebt wie ein nasser Sack an deinem Leib und schützt auch nicht mehr vor Mückenstichen. Du hast dich für die Farbe Weiß entschieden? Um so besser, denn dann sieht man zudem wirklich alles (sicher als Frau noch besonders angenehm). Kein Mensch hier zieht sich helle Klamotten an. Unsere Vorstellungen von Tropen-Kleidung entstammt einem Bildergemisch aus Mickey-Mouse-Heften, Dokumentarfilmen über das britische Kolonialreich und den Marketing-Abteilungen für überteuerte “Spezial”-Sport-Ausrüstung.

Nachdem ich nach etwa zwei Minuten Radfahren in “langer heller Kleidung” bei 30 Grad im Schatten und über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit japsend zusammenbreche, rette ich mich wieder in die schnelltrocknende kurze Jogging-Hose, in deren dunkler Farbe fast alle Flecken wie im Nichts verschwinden. Verwunderlich bleibt nur, wie sich die Ureinwohner dieser Wälder, die es auch gab, durch das Unterholz bewegt haben mögen. Mit manchem Rätsel im Kopf und einer saftig-süßen Melone im Magen fallen wir nach diesem anstrengenden Tag auf die Isomatten in unserem Zelt. Keine Spinnen, keine Bären in dieser Nacht.

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