
🦄 Ponypapers
70 km.
Unter bewegtem, um nicht zu sagen unheilverkündendem Himmel fahren wir los. Mit 15 % Wahrscheinlichkeit soll es heute 13 Liter regnen und mit 15 % Wahrscheinlichkeit morgen 105 Liter. Ich bin hin- und hergerissen, ob ich Bilder schießen oder rennen soll. Zweimal retten wir uns rechtzeitig ins Café und es gelingt uns, bevor es knallt ins Hostel zu kommen.
🐾 Panthapapers
Eilig voran, denn eindrucksvolle Gewitterwolken türmen sich am Horizont. Sie erweisen sich kurz darauf als sehr bewegliche Türme, Farbwechsel ins Dunkelblau und in derselben Richtung unterwegs wie wir, geradezu hinter uns her. Lili möchte noch Fotos machen, schön dieser Himmel und so bedrohlich, ganz herrlicher Anblick. Ein paar hektische Bilder später Flucht ins Café, als der nächste Regen vom Himmel prischt.
Schnell wieder auf, wir wollen Strecke machen, und so mogeln wir uns mit Rückenwind zwischen den Wetterbatzen hindurch. Nach dem dritten Hotel und einigen Verhandlungsversuchen nehmen wir ein günstiges Zimmerchen mit Rauchgeruch und einer erstickten Hornisse am Boden. Sie wird nicht die einzige bleiben, die sich unversehens in unser sperriges Gemach verirrt.
Das Wetter ist es auch, das unser Abendessen auswählt, denn vor einem Restaurant beginnt es wie bestellt mit solcher Macht auf den Asphalt zu prasseln, dass ein Entkommen unmöglich wird. Entgegen meines Argwohns nutzt man die Situation nicht übermäßig aus. Wir essen reichlich und passen die nächste Regenpause ab. Man lädt und sogar zum Trinken ein, aber wir lehnen, das erste Mal aus Verwirrung, das zweite Mal aus Müdigkeit, ab. Kaum wieder im Hotel fällt das Meer des Himmels auf die Erde und Lili ins Bett.
Leider knarrt es bei der leichtesten Drehung ganz unerträglich, auch Laute aus dem Flur und dem Stockwerk über uns lassen mich häufig aufschrecken, die Hornisse beunruhigt mich ebenso wie wirre Vorstellungen von einer miesepetrigen Hexe, die neben uns steht und gelbgallige Flüche ausspuckt. Ich hör mich schlaflos durch ein langatmiges Hörbuch über die Philosophiegeschichte der Neuzeit, während draußen ein Tropensturm wütet und Lili sich selig in ihre Träume räkelt.
