Dienstag 5.12. Mui Ne

🦄 Ponypapers

Blasenentzündung – diesmal komme ich mit dem Antibiotika weiter als bis zur Packungsbeilage. 8 Tabletten an einem Tag, das erscheint mir doch etwas viel. Entscheide mich zu 7 x Amoxi.

Nur nicht die Contenance verlieren: Die Krankheit ist nur da, um die zukünftige Gesundheit ins rechte Licht zu rücken.

🐾 Panthapapers

Heute sehen wir zum dritten Mal überhaupt in über zwei Monaten einen Fahrradreisenden, ein Mädchen, das scheinbar allein unterwegs ist und mit verstaubtem Gepäck in der Hitze an uns vorbei hechelt. Daumen hoch, ein beherzter Zuruf, alles Gute, viel Glück! Dann ist sie schon vorüber.

Eigentlich ist sie die zweite, denn gesehen haben wir den Chinesen in Ha Long nicht, nur sein Fahrrad stehen und irgendwann nicht mehr da stehen. Der andere war der Twitch-Streamer in Ninh Binh. Seitdem niemand, der uns entgegenkam oder der uns überholt hätte oder den wir überholt hätten. Bikepacker, scheint es, sind in diesem Land noch eine seltene Spezies.

Etwas anderes, das es hier nicht gibt – und das fällt mir erst in der letzten Woche zum ersten Mal auf – ist das Radio. Zwar beschallen die Vietnamesen gerne lautstark ihre Anwesen und die umliegenden Quadratkilometer und in den Abendstunden sitzt man im Garten oder der Bar für holden Gesang in Schreilautstärke zusammen, aber was irgendwie fehlt, ist die nervig plärrende Stimme von Radiomoderatoren und Radiowerbung, diesen Geißeln der Menschheit, die in Europa oder den USA aus allen Ecken, in jedem Lokal, auf jeder Baustelle, in jedem Friseursalon und an jeder Tankstelle ihren peitschenden Stimmen auf die gebeugten, schon stumpf gewordenen Passanten niederknallen lassen.

Obwohl er bestens zu den zu nervösen Zuckungen und zum Aufbau fulminanter Geräuschkulissen neigenden Vietnamesen passen würde, hat sich das Radio hier offenbar einfach nicht etabliert. Kein Analogon zu den tödlich nervigen Seitenbacher-Müsli-Einlagen, dem aggressiven “Dann-geh-doch-zu-Netto”-Kindergekrächze oder den stupiden Telefon-Appellen der Moderatoren (“Haben Sie schon mal in einem ungünstigen Moment gerotzt? Rufen Sie jetzt an und erzählen Sie uns von Ihrem Erlebnis oder schicken sie eine Sprachnachricht in Whatsapp an 0800 …!”) und all das andere Besteck im Folterinstrumentarium des nationalen Volksverblöders, für den man in Deutschland auch noch ein 200€ Jahresabo zu zahlen hat, wenn man nicht den Gerichtsvollzieher auf den Hals gehetzt bekommen möchte, wie es mir geschehen ist.

Nun, ungute Gedanken können vom Fahrtwind oder – heute – der Meeresbrise leicht davon getragen werden. Zum Glück.

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