
🦄 Ponypapers
Um kurz nach Fünf heißt es aufstehen. Alle “bitte nur noch fünf Minuten” sind mir ausgegangen, um 6 fahren wir los. Am liebsten würde ich heute 105 km fahren, um in Vung Tau anzukommen und dort zu verweilen, aber die Sonne macht uns fertig und Megawatt, dessen Batterie ich heute für die 100 km schonen will, tut sein Übriges.
Nach 50 km gibt’s die erste Pause. Dann schleppen wir uns von Café zu Café und von Essensbude zu Essensbude. Als wir um 15:30 wieder losfahren, haben wir uns entschlossen, nur die 80 km voll zu machen, d.h. noch 17 km zu fahren. Plötzlich ist das Wetter wieder in Ordnung, Megawatts Batterie noch halb voll. Etwas Zögern hier und da, dann bleiben wir doch. Sehr netter Hotelbesitzer, gitarrespielend mit Familie. Am Abend werden wir beim Essen betrogen (bekommen den teureren Fisch ohne den geänderten Preis zu erfahren) und ich grummel etwas vor mich hin. Interessant wie schnell jeder Euro zählt, dabei denkt man doch, dass 30 Euro pro Tag ganz großzügig kalkuliert sind. Aber bei 14 Euro Unterkunft bleiben noch 16, heißt 8 Euro pro Person, ein Frühstück und es sind 6, ein normales Abendessen und es sind 2. Ein Kaffee kostet 1 Euro und 5 Liter Wasser auch. Wenn man beim Abendessen nicht aufpasst, können es aber auch schnell 6 oder 8 Euro (pro Person) werden. Wenn man Glück hat, findet man aber auch super günstiges Essen z.B. eine Pho-Suppe oder ein großes, belegtes Sandwich für 1 Euro. Also muss man ganz schön aufpassen: 1 Euro kann viel sein, er kann aber auch schnell weg sein und wenn hier etwas 2 Euro kostet statt einem (ein Kaffee z.B.) schlägt das bei unserer Tageskalkulation ganz schön zu buche. Und ja, alles andere wie neue Schläuche, Sandalen, Busfahrten etc. haben wir fortan von unserem Taschengeld zu bezahlen. Daher freu ich mich sehr, dass der Kraftkleber im wahrsten Wortsinn hält, was er verspricht.
🐾 Panthapapers
Lili entwickelt Ambitionen, heute die 100 km zu knacken, lässt sich nach gut 80 km aber von einem erschöpften Copiloten dazu überreden, in der Nähe Quartier zu beziehen. Man sieht nun häufiger europäische Radfahrer, wenn auch keine mit Gepäck. Rennradfahrer und Westler auf Motorrädern.
Unser Herbergsvater hat ein Lachen im Gesicht und spielt gekonnt die klassische Gitarre. Ich frage mich, was sein Geheimnis ist. Günstige Preise und sehr viel Freundlichkeit jedenfalls machen es leicht, ihn zu mögen. Überbezahlte Glücksforscher haben allerlei Kriterien der Eudämonie in Studien “herausgefunden”, auf die auch der erstbeste Trottel leichthin von allein käme: gute soziale Beziehungen, Ansehen, Sicherheit, Gesundheit usw. Ganz abgesehen von der chaotischen Vermengung von Korrelationen mit Kausalitäten haben diese Studien auch die Schwierigkeit, dass man genug Menschen kennen lernt, die alle Kriterien erfüllen und dennoch verzweifelt, überspannt oder chronisch miesepetrig wirken – und andersherum auch genug, die über manches zu klagen hätten und dennoch ganz zufrieden wirken.
Das Glück eines anderen Menschen von Außen zu beurteilen, mag eine unmögliche Angelegenheit sein, dieser Mann aber macht es einem schwer, das nicht zu versuchen.