
đŠ Ponypapers
Sonnenaufgang in Vietnam. Ein brennender Himmel als letzter Eindruck. Dass man das Land schon vermisst, ehe man’s verlassen hat. âIch komme ganz bald zurĂŒckâ. Klar, bestimmt… Und erneut: Die Schönheit der StĂ€dte im VorĂŒbergehen, schmerzliche VergĂ€nglichkeit, die jeweilige Existenz in ihrem Moment (und son Quatsch) – dieser Motorradfahrer mit seinem Leben, mit seiner Familie, die ihn am Abend wieder erwartet, die Arbeit, zu der er hinfĂ€hrt. All das, was fĂŒr ihn gerade Alltag ist, kaum erlebt und unbemerkt, ein Sonnenaufgang, aber unbeachtet, so wie immer, wĂ€hrend wir glauben, uns diesen Augenblick, diese entschwindende Gegenwart ins GedĂ€chtnis brennen zu können. Als wĂ€re durch das Reisen auch der banalste Moment ins Licht der ExklusivitĂ€t gerĂŒckt. Als hörten wir einen Ruf: âLeben nicht zu verschwenden.â Als wĂŒssten wir gerade, gerade weil es keine Stelle gibt, die dich sieht: âdu darfst dein Leben Ă€ndern.â
Es wird heiĂer, die Sonne brennt die Gedanken weg und wir erreichen die Grenze.
đŸ Panthapapers
Wir passieren die vietnamesisch-kambodschanische Grenze. Am Abend zuvor entfernen wir alles aus unserem GepĂ€ck, das den Behörden Anlass zu Ărger geben könnte. Dennoch sehe ich mich auf dem Weg dorthin schon in ein sĂŒdostasiatisches GefĂ€ngnis eingekerkert. Vielleicht gefĂ€llt den Vietnamesen nicht, was wir in diesem Blog geschrieben haben? Womöglich sind unsere Medikamente in Kambodscha verboten. Oder unser Aussehen behagt nicht.
Aber nichts davon. Freundliche Menschen unter den Beamten, selten habe ich Staatsangestellte so viel und offen lĂ€cheln sehen. Man wĂŒnscht uns alles Gute und lĂ€sst uns passieren.
Die Eingangshalle des Hotels, in dem wir am Nachmittag aufschlagen, ist beinahe ein buddhistischer Tempel mit riesigen Schnitzfiguren aus dunkel eingelassenem Holz. Ăberall leuchtet es mysteriös. In einem Becken in der Raummitte schwimmen LotusblĂŒten aus Plastik. Ein kleiner Hund mit Windel tappt durch die Szene. Ich schĂ€tze, ReligiositĂ€t hat verschiedene Gesichter. Das der ĂŒberdimensionalen Skulptur in dieser Halle lĂ€chelt. Nicht ganz, aber doch ein wenig wie die Grenzbehörden.
Wir beziehen unser Zimmer. Die französische Kolonialzeit hat hohe Decken, reichlich Ornamente und einen Hang zu gediegenem Prunk hinterlassen. Der Raum ist groĂ, sauber und perfekt. Kambodscha, wir haben dich erreicht, und du wirkst bisher wahrlich nicht so schrecklich. Wir legen uns in das bequeme Bett. Ebenfalls lĂ€chelnd.


