Dienstag 26.12. Phnom Penh

🦄 Ponypapers

Der erste ganze Tag in der Stadt. Die Preise sind ordentlich gestiegen. Will man bei 32 Grad nicht ne Stunde lang ein halbwegs günstiges Café suchen, muss man nahezu europäische Preise zahlen. Die Sonne spielt auf der Seite der Einheimischen und wir kapitulieren.

Adrian redet mir gut zu, dass der Tag durchaus lang genug sei, um ein paar Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Na gut – ist aber ganz schön heiß, weißte?

Schöner Park mit einem Riesen-Kaninchen. Würd sich gut als Osterpostkarte machen. Schlendern nach einiger Zeit zurück zu den Fahrrädern, it’s tea time. Wie wir so dahin radeln, fragt Adrian: “Sag mal, hattest du vorhin nicht noch einen Rucksack dabei?”

Panik – Kein Rucksack mehr. Zurück zum Park. Kurze Diskussion beim Eintritt. Habe nicht das passende Geld dabei, werf also einfach einen Schein auf den Tresen, lass das verdutzte Personal an der Kasse stehen und sprinte durch den Park. Rucksack ist da. Welch eine Erleichterung – welch ein Glück!

Ein Angestellter kommt mit dem Fahrrad angebraust, um zu gucken, was die irre Touristin im Park anstellt. Mein glückliches Lächeln und der Rucksack im Arm geben genug Aufschluss über die Situation. Allseits viel Freude und Lächeln – ja, der dreifache Eintrittspreis, den ich da vorhin hingeworfen hab, ist ganz angemessen und ich kehre zu Adrian bei den Fahrrädern zurück.

Weiter durch die Stadt: Schloss und Tempelgold, die Flammen an den, sagen wir mal “Dachnischen”. Die sakralen goldenen Bauten leuchten vor dem abendlichen Hintergrund und darüber erheben sich die gottlosen modernen Tempel, Giganten einer kalten Ära, die Wolkenkratzer aus Stahl und Glas.

🐾 Panthapapers

Wir fahren und spazieren durch die kambodschanische Hauptstadt und besuchen die ersten Touristenattraktionen wie den Garten des königlichen Palastes und das Wat Phnom Daun Penh. Je weiter man von Vietnam nach Westen kommt, desto fremder erscheint einem vieles. Zum einen natürlich wegen der andersartigen Schrift des Khmer mit seinen 33 Konsonanten, 24 Vokalen und den allerlei Möglichkeiten, beide Buchstabensorten miteinander zu noch anderen Lauten zu kombinieren. Dass meine ersten Versuche, ein simples “Dankeschön” in dieser Sprache zu formulieren, auf völliges Unverständnis treffen, motiviert nicht gerade zu vertiefenden Studien. Aber darüber hinaus wirken auch die Zeugnisse des örtlichen Buddhismus und die Relikte der “Urkultur” der Khmer prägnant unvertraut. Die zähnefletschenden Figuren, verschlungenen Goldreliefs und bombastischen Grimassen lassen ein furchteinflößendes Urwald-Ägypten in mystisch feuchtem Nebel imaginieren. 

Wenige Meter und einen schmalen Zaun entfernt brausen selbstverständlich die Großstadtgefährte allzeit ihre Strecken. Verlässt man die Zeitkapsel einer alten Tempelanlage ins gewöhnliche, klar-eindeutige Tageslicht, kann einem dennoch eine Erinnerung wie ein vager Schleier durch die Straßen folgen.

Der Bruch zwischen Alt-Sakralem und Neu-Profanem kommt mir weit weniger fest, unverrückbar und deutlich vor als in Vietnam. Das mag aber auch den zahlreichen Mönchen geschuldet sein, die man in den Straßen sieht, beim Optiker über Brillen verhandelnd, an den Essensständen die Auslagen betrachtend, vor dem Moonlight Pavillon sich zum Gruppenfoto aufstellend.

Wie auch immer, das alles verschwindet in den Abendstunden, in Phnom Penhs ewigen Sommernächten mit seinen Hobbysportlern, Fußballern und Ü40-Tanzgruppen, die rhythmisch zu westlicher Elektro-Mucke die Arme schwingen. Ob jemandem einst diese Urkultur fremd vorkommen wird?

Nach oben scrollen