
🦄 Ponypapers
Adrians Mum hat uns einen spät weihnachtlichen Aufenthalt im allerschönsten Hotel geschenkt. Von der Stadt sehen wir an diesem Tag wenig, dafür umso mehr vom warmen Licht der Kronleuchter und dem Weihnachtsfunkeln auf Dachterasse und um den Swimmingpool, der zwar unbetretbar, aber unverzichtbar für Ambiente, Dekadenz und Hintergrundgeplätscher erscheint. Auch hier sind wir die königlich einzigen Gäste.
🐾 Panthapapers
Öffentlicher und privater Raum sind in Kambodscha wie in Vietnam oft kaum voneinander zu trennen. Die öffentliche Toilette etwa in einem typischen Restaurant ist meist auch die Familientoilette. Der Duschkopf ist wie immer gleich neben oder über der Kloschüssel angebracht, so dass man pinkelnd nicht umhin kommt, sich gelegentlich diejenigen bei der abendlichen Waschung vorzustellen, die einem draußen eben noch eine schmackhafte Suppe servierten. Am Waschbecken steht selbst in größeren Esshallen nicht selten neben der Seife auch das Familienarsenal an Zahnbürsten und halbausgedrückten Pastentuben bereit. Und manchmal findet man sich auf dem Weg zum stillen Ort unversehens und doch gezwungenermaßen in einem fremden Schlafzimmer wieder. Da liegen die Kuscheltiere und die noch zerwühlte Decke von letzter Nacht. Ich kann nicht anders als leicht beschämt, als hätte ich etwas Verbotenes getan, solchen Raum auf leisen Sohlen wieder schnellstens zu verlassen.
Dergleichen geschieht in Cafés und Straßenlokalen recht häufig. Aber heute werden wir den Niederungen des gewöhnlichen Erdenbodens in reinere, hellere Höhen entsteigen. Wir lösen das Weihnachtsgeschenk meiner Mutter ein (Danke, Mama! ♥️) und buchen uns für zwei Nächte in ein Edelhotel ein, das “Anik Palace”. Gülden strahlt das Dekorat des Eintrittsportals uns entgegen. Nachdem man sich versichert hat, dass diese schmutzigen Fahrradnomaden tatsächlich schon reserviert und bezahlt haben, lässt man uns gnädig auch die samtbezogenen, roten Stufen hinan schreiten, auf dass wir unter kristallenem Deckengeleucht unsere Personalia darbieten mögen.
Von da an aber geht’s weniger erhaben zu. Statt toller Aussicht bietet unser Fenster nur den Anblick einer 50 cm weit entfernten Steinmauer. Als dann auch noch der herrliche Swimmingpool mit seinen schwimmenden Betten im obersten Stockwerk geschlossen und sogar die Rooftop-Terasse für eine wichtige Veranstaltung reserviert ist, ist das zu viel der Enttäuschung. Lili beschwert sich so vehement und nachdrücklich, dass die Managerin gerufen wird. Und die ernstgemeinte Drohung, wieder unsere Siebensachen zu packen, bringt ganz schnell Bewegung in die Sache.
Auf einmal führt man uns in einen herrlichen, großen Raum mit wunderschöner City-View und einer künstlichen Feuerstelle. “Complimentary” ist ein herrlich zurückhaltendes und mächtiges Wort im Hotelbetrieb und wahrlich nicht jeder ist befugt, es auszusprechen. Man fährt uns zu Swimmingpool und Spa des Schwesterhotels, übernimmt an diesem Tag die Rechnung für alle Cocktails, die wir trinken, und gibt sich weiterhin alle Mühe, uns einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten. An diesem Abend fallen wir in ein weiches, gemütliches Bett mit Blick auf das nächtliche Phnom Penh. Das fühlt sich wunderbar an. Und sehr privat.
