
Wir bedenken das Reisen. Und denken sogleich: Was ist Reisen? Wir wagen das Wagnis, uns dieser Frage zu stellen, auf den Weg einer Antwort uns einzulassen. Und mag er auch ein Um-weg sein, sich uns als Ab-weg dar- und herausstellen.
Doch abwegig scheint uns schon zu Beginn unserer Reise die Frage. Wir er-wägen, den Weg des Fragens zu umgehen. Das Wagnis ahnend wiegeln wir ab. Solches Wägen und Wiegen kennzeichnet die Reise im Vorhinein und immer schon als Abenteuer.
Reisen heißt ursprünglich Reissen. Die Landschaft durchpflügend reisst der Reisende einen Riss in die Landschaft. Er zer-reisst mit Schritt und Tritt das Land. Wege erwägend bahnt er seine Reise auf der Erde gen Horizont, d. i. gegen den Abend.
Auf den Abend zusteuernd zerreisst er das Land zu Abendland. Hand und Steuer sind das Gemächt und das Schicksal jenes zerrissenen Abendlandes. Auf seinen Abend zusteuernd verreist der abendländische Mensch, er reisst sich zusammen und reisst doch nur zusammen in seinen abendlichsten Abgrund.
Sind wir mit solcher Erwägnis schon einen Schritt gegangen, möchten wir fragen. Sind wir auf unserem Weg einer Antwort näher gereist? Haben wir einen Fort-schritt zu verzeichnen? Oder haben wir uns Schritt um Schritt doch nur im Kreise gedreht?
Wir fragen und zweifeln. Der Zweifel zerreisst uns. Solcher Riss ist der Preis, den wir für unsere Reise zahlen. Wir möchten einwenden, der Preis sei zu teuer. Wir antworten: die Reise ist abend-teuer.
Abendteuerlich sind wir vom Preise zerrissen, von allem Um- und Abwägen abgekommen. Eine uferlose Landschaft reisst uns in den Kreis. Wir treten vor und zurück und treten doch im Kreis um den Riss, der wir als Preis für unser Wagnis selber sind. Der Riss geht durch unsere Mitte. Wir müssen einsehen: Wir kreisen um unsere reissende Mitte, wir reisen um unseren mittigsten Riss, wir kreisen zuletzt um uns selbst.
Wir sind vereist. Verwegen abendteuerlichsten Preis erwägend wagen wir den Schluss: Wir sind im Grunde ein Ver-riss.